Coronavirus verändert sich

Coronavirus-Mutation breitet sich aus: Lauterbach befürchtet „Teufelskreis“

In Großbritannien breitet sich eine Mutation des Coronavirus aus. Die neue Corona-Variante scheint besonders ansteckend zu sein. Und: Es ist nicht die einzige Mutation.

London/Dortmund – Die Niederlande haben bereits Flüge aus Großbritannien gestrichen. Zu groß ist das Risiko, dass eine mutierte Variante des Coronavirus, die sich derzeit besonders in und um London ausbreitet, auf das europäische Festland übergreift.

VirusCoronavirus/Sars-Cov-2
Variante Mutation aus Großbritannien VUI2020/12/01, Südafrika 501.V2 und Dänemark
KrankheitCovid-19

Mutation des Coronavirus aus Großbritannien scheint deutlich gefährlicher

Einen ersten Fall soll es in den Niederlanden schon gegeben haben. Weitere eingeschleppte Fälle mit der mutierten Corona-Variante wollte man offensichtlich nicht riskieren, also verhängte die Regierung der Niederlande von diesem Sonntag an (20. Dezember) ein Flugverbot, wie tagesschau.de berichtet.

In Großbritannien breitet sich die mutierte Virusvariante derweil rasch aus. Geplante Lockerungen des Lockdowns über die Weihnachtsfeiertage musste die dortige Regierung bereits zurücknehmen.

Grund zur Besorgnis gibt es laut des britischen Premiers Boris Johnson vor allem aufgrund der Tatsache, dass sich das mutierte Virus deutlich schneller verbreitet. Wie Forscher herausfanden, ist die kürzlich entdeckte Variante mit der Bezeichnung VUI2020/12/01 laut tagesschau.de um bis zu 70 Prozent ansteckender als die bisher bekannte Form.

Mutation des Coronavirus in Großbritannien schreckt Europa auf

Doch auch wenn besonders die europäischen Staaten durch die aktuelle Mutation des Coronavirus in Großbritannien aufgeschreckt wurden, ist es nicht die einzige Veränderung, die das Virus zeigt (mehr News zur Corona-Pandemie in NRW auf RUHR24).

Noch im gleichen Zeitraum, in dem die Meldungen aus London bekannt wurden, berichteten auch Mediziner aus Südafrika über eine mutierte Variante des Coronavirus. Auch die 501.V2 genannte Variante scheint sich deutlich schneller auszubreiten, als die bisher bekannte.

Ärzte in Südafrika vermuten Berichten der ARD zufolge, dass sich deutlich mehr jüngere Menschen mit der neuen Virusvarianten ansteckten. Zudem litten die häufiger unter einem schweren Verlauf der Erkrankung Covid-19.

Großbritannien: Nicht die erste Mutation des Coronavirus

Um einer mutierten Variante des Coronavirus Herr zu werden, riegelte auch Dänemark bereits im November dieses Jahres einige Gemeinden in Nordjütland ab und ließ Millionen Nerze Nottöten. Die Tiere trugen das mutierte Virus in sich. Zudem war die neue Variante des Virus auf mindestens 214 Menschen übertragen worden.

Die dänische Variante des mutierten Coronavirus sei laut tagesschau.de allerdings – anders als die jetzt entdeckten Mutationen – nicht gefährlicher gewesen, als andere Coronaviren. Allerdings sei sie widerstandsfähiger gegenüber Antikörpern.

In Dänemark mussten Millionen Nerze auf mit dem mutierten Coronavirus befallenen Nerzfarmen getötet worden

Während Dänemark der Ausbreitung der Virusvariante durch rigorose Maßnahmen offenbar Einhalt gebieten konnte, konnte sich eine andere Mutation, die ihren Ursprung in Spanien haben soll, dagegen ungehindert ausbreiten. Die Variante 20A.EU1 soll laut costanachrichten bereits im Juni dieses Jahres erstmals in Spanien aufgetreten sein. Durch die damals gelockerten Reisebestimmungen, verbreitete sich die Variante in ganz Europa.

Mutation des Coronavirus aus Großbritannien erhöht Ansteckungs­gefahr

Anders als bei der jetzt entdeckten Corona-Mutation aus Großbritannien, konnten Mediziner bei der spanischen Variante offenbar keine größere Ansteckungsgefahr feststellen. In Bezug auf die erneute Mutation aus Großbritannien gab SPD-Gesundheits­experte Karl Lauterbach jedoch nun eine dringenden Warnung heraus.

„Es ist sehr wahrscheinlich, dass Mutationen die Ansteckungs­gefahr erhöhen“, sagte der Politiker aus Düren (NRW) dem Redaktions ­Netzwerk Deutschland (RND). Dabei beschrieb er einen Teufelskreis, der drohe, wenn die Infektionszahlen nicht bald drastisch sinken: „Je mehr Ansteckungen man zulässt, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass noch gefährlichere Mutationen folgen“, erklärte der promovierte Mediziner gegenüber dem RND.

Lauterbach warnt vor noch mehr Mutationen des Coronavirus

Je mehr Menschen sich mit dem Virus anstecken, desto häufiger bekäme das Virus die Gelegenheit zu mutieren. In der Folge käme es demnach auch zu mehr Mutationen. Diese wiederum führten dann wieder zu mehr Ansteckungen. Ein Teufelskreis, erklärt Lauterbach. Und: „So geht es dann immer weiter.“ Auch aus diesem Grund halte er es für „Schwachsinn“, eine Herdenimmunität erreichen zu wollen.

Einen Wermutstropfen gibt es dennoch auch jetzt: Auf die Wirksamkeit der Impfstoffe, die schon ab kommender Woche auch in Deutschland in den Corona-Impfzentren geimpft werden sollen, hat die Mutation des Coronavirus offenbar keine Auswirkungen.

Regierung erwägt drastische Maßnahmen nach Mutation des Coronavirus in Großbritannien

Auch Virologe Christian Drosten gab vorerst Entwarnung. Die sich aktuell in Großbritannien ausbreitende Mutation des Coronavirus habe er in Deutschland bislang nicht gesehen. Trotzdem bremste er zuvor bereits die Euphorie um den Corona-Impfstoff.

Um das Risiko auch weiterhin gering zu halten, prüft laut RND nun auch die Bundesregierung, den Flugverkehr aus Großbritannien einzuschränken.

Rubriklistenbild: © Jörg Carstensen/dpa

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