Kein Ende des Lockdowns?

Corona: Britische Mutation breitet sich in NRW aus – das sind die Folgen

Die mutierten Varianten des Coronavirus sind auch in NRW inzwischen mehrfach nachgewiesen. Droht uns jetzt eine Abkehr vom Abwärtstrend des Inzidenz-Wertes?

NRW – Sobald die Inzidenz in NRW stabil unter 35 gesunken ist, soll der Lockdown schrittweise gelockert werden. Ein Lichtblick im bereits seit Wochen währenden Lockdown. Doch soweit könnte es gar nicht erst kommen. Denn Experten warnen bereits: Die sich ausbreitenden mutierten Varianten des Coronavirus könnten dazwischenfunken.

VirusCoronavirus/Sars-Cov-2
Mutationenu.a. Britische Variante B.1.1.7, Südfrikanische Variante B.1.35
MaßnahmenCorona-Schutzverordnung/Lockdown

NRW: Corona-Mutanten gefährden Weg zu 35-er Inzidenz

Noch ist NRW nicht flächendeckend bei einer so niedrigen Inzidenz wie 35 angekommen. Doch der Trend zeigte sich zuletzt mit einer positiven Tendenz. Erste Hoffnung keimte auf, dass es bald Lockerungen vom Lockdown geben könnte – wenn nur die Inzidenzen weiter sinken (mehr News zum Coronavirus in NRW).

Für Grundschulen und Abschlussklassen soll es schon jetzt zumindest sporadisch wieder zurück an die Schulen gehen. Doch Lockerungen jeder Art könnten dem positiven Trend den Garaus machen, warnt ein Immunologe des Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung in Braunschweig.

Die angepeilte 7-Tages-Inzidenz von 35 Infektionen je 100.000 Einwohner könnte unerreicht bleiben, erklärte der Immunologe Michael Meyer-Hermann dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND). Schuld daran ist die Ausbreitung der Mutante B.1.1.7. des Coronavirus, die sich ungünstiger entwickeln könnte als erwartet. Er warnt: Jede Form von Öffnungen zum jetzigen Zeitpunkt berge ein hohes Risiko, dass die gesetzten Ziele nicht erreicht werden können.

Corona: Mutante auf Expansionskurs – Ausbruch an der Grenze zu NRW

Das Problem: Die Mutante erhöht die Gefahr von Ansteckungen. Und sie befindet sich schon jetzt in einer Phase des exponentiellen Wachstums. Auch in NRW wurde sie bereits mehrfach nachgewiesen. So meldete das Gesundheitsamt in Dortmund am 13. Februar, dass in der Stadt im Ruhrgebiet die mutierte Variante B.1.1.7 angekommen sei. Einen Tag später konnte die Variante bereits bei 14 Menschen nachgewiesen werden.

Im unmittelbar an der Grenze zu NRW gelegenen Osnabrück musste der Speiseeis-Hersteller Froneri sogar einen großen Corona-Ausbruch melden: 170 positiv getestete Mitarbeiter. Einige davon sind nachweislich mit der B.1.1.7-Variante infiziert. Auch hier fiel die rasante Ausbreitung des Virus auf. Zunächst waren es laut Neuer Osnabrücker Zeitung nur 12 Fälle. Über das Wochenende schossen die Zahlen dann aber in die Höhe.

Noch gäbe es insgesamt nur niedrige Fallzahlen der Mutante. Doch es ist laut Meyer-Hermann bereits jetzt zu erkennen, dass B.1.1.7 expandiere. Eine weitere Ausbreitung der deutlich ansteckenderen Variante könne nur durch eine Beibehaltung der aktuellen Maßnahmen gebremst werden, warnt der Immunologe.

Corona-Mutationen: Warnung vor der dritten Welle

Damit ist Meyer-Hermann nicht der Einzige, der vor einer dritten Welle warnt. Auch Karl Lauterbach (SPD) wird nicht müde, weiter vor vorschnellen Lockerungen zu warnen und auf die Gefahr durch die Mutanten hinzuweisen: Es zeige sich, dass der derzeitige Lockdown den Anstieg der Mutationen nicht aufhält, twitterte Lauterbach noch in der Nacht zu Dienstag (16. Februar).

Der Gesundheitsexperte der SPD, Karl Lauterbach, gilt als beständiger Warner in der Corona-Pandemie.

Nach Ansicht des Experten ist das ein Problem, weil die britische Mutante B.1.1.7 ansteckender und tödlicher sei und die Mutante B.1.35 aus Südafrika viele Impfungen und Vorinfektion umlaufe. Für seine Rolle als beständiger Warner in der Pandemie, erntete der Gesundheitsexperte der SPD zuletzt heftige Anfeindungen im Netz und Angriffe auf seine Person.

Noch melden die meisten Kreise und Städte in NRW keinen heftigen Anstieg der Fallzahlen. Unter anderem Wuppertal verzeichnet laut Radio Wuppertal jedoch einen leichten Anstieg der Inzidenz – obwohl es bisher keine Lockerungen gab. Zwei Wochen lang seien die Werte gesunken. Am Montag (15. Februar) sei der Wert dann erstmals wieder gestiegen. Ob das schon eine Trendumkehr ist, werden allerdings erst die nächsten Tage zeigen.

Corona in NRW: Inzidenzen in Dortmund und Bochum pendeln

In andere Städte stagnieren die Werte im Großen und Ganzen noch. In Bochum etwa ist es ein ständiges Auf und Ab, ein Pendeln des Inzidenz-Wertes rund um die Zahl 60. Auch in Dortmund sank die Zahl bereits, stieg dann aber wieder – wenn auch nur leicht: Von 48,4 am 12. Februar ging es zunächst runter auf 42. Inzwischen (15. Februar) liegt die Inzidenz in der Ruhrgebiets-Stadt wieder bei 44,5 (mehr News zum Coronavirus in NRW im Live-Ticker).

Einen kleinen Ausbruch gab es dagegen in Hamm. In der NRW-Stadt stehen laut NRZ wegen eines positiven Tests auf die britische Corona-Mutation derzeit vier Wohnhäuser unter Quarantäne. Städten wie Hagen oder Solingen scheint es dagegen weiterhin schwer zu fallen, überhaupt von den sehr hohen Inzidenz-Werten wegzukommen. Beide Städte liegen weiterhin bei Werten deutlich über 100.

Corona in NRW: Deuten der leichte Anstieg eine Trendumkehr an?

Der Gesamtwert in NRW ist zuletzt ebenfalls leicht gestiegen. Das Robert Koch-Institut (RKI) wies am Montagmorgen 56,6 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner binnen sieben Tagen aus. Am Vortag lag der Wert bei 54,1. Eine Trendumkehr ist aus dem aktuell leichten Anstieg aber noch nicht abzulesen.

Doch vor allem Gegenden, die an Hochinzidenz-Regionen angrenzen, könnten Schwierigkeiten bekommen die Inzidenzen zu senken, erklärt Michael Meyer-Hermann gegenüber dem RND. Dort bestehe beispielsweise eine höhere Gefahr die neue Variante einzuschleppen.

Armin Laschet warnte dagegen vor einem zu einseitigen Fokus auf den Inzidenzwert: „Wir können unser ganzes Leben nicht nur an Inzidenzwerten abmessen.“ Man müsse all die anderen Schäden etwa für die Gesellschaft und die Wirtschaft genauso im Blick haben wie die Inzidenzzahlen, erklärte er laut Deutscher Presseagentur (dpa).

Rubriklistenbild: © Andreas Arnold/dpa

Mehr zum Thema