Kommentar

Corona: Booster-Desaster in NRW ist einfach nur noch peinlich

Vier Wochen, vier Monate, fünf Monate oder doch sechs Monate? Die Wichtigkeit der Kommunikation in der Corona-Pandemie hat die NRW-Regierung auch nach fast zwei Jahren nicht verstanden. Es ist ein Trauerspiel, kommentiert RUHR24-Redakteur Christian Keiter.

Düsseldorf – Selten dürfte SPD-Fraktionschef Thomas Kutschaty die Oppositionsarbeit im Düsseldorfer Landtag so leicht gefallen sein, wie am Mittwoch (15. Dezember). Der 53-Jährige sprach von einem „Kommunikationsdesaster“, einem „Amateurfehler“ und der Verunsicherung eines ganzen Landes. Recht hat er!

BundeslandNordrhein-Westfalen
LandeshauptstadtDüsseldorf
RegierungschefMinisterpräsident Hendrik Wüst (CDU)
Regierende ParteienCDU und FDP

Corona: NRW rudert nach plötzlichem Booster-Vorstoß schnell zurück

Was die Landesregierung um Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) und Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) zuvor fabriziert hatte, war schlicht peinlich. Booster-Impfungen sollten in NRW plötzlich grundsätzlich nach vier Wochen möglich sein. Es handle sich zwar nicht um eine Empfehlung, sondern lediglich um eine Untergrenze, betonte Wüst. Es solle aber auch niemand abgewiesen werden, der vier Wochen nach der letzten Spritze am Impfzentrum erscheint.

Ärztevertreter und Wissenschaftler reagierten prompt. Sie warnten vor langen Schlangen, einer Ellbogen-Mentalität im Kampf um einen Impftermin und betonten nicht zuletzt, dass ein Booster nach vier Wochen auch immunologisch schlicht nicht sinnvoll sei. Die Landesregierung ruderte zurück. Eine Booster-Impfung nach vier Wochen sei nur im Einzelfall – etwa bei Menschen mit Immunschwäche – möglich. Die Untergrenze liegt nun bei vier Monaten statt bei vier Wochen.

Booster nach vier Wochen: Wüst und Laumann verunsichern völlig ohne Grund ganz NRW

Was Wüst und Laumann zu diesem erstaunlich kurzsichtigen Vorstoß gebracht hat, bleibt wohl ihr Geheimnis. War es der heroische Versuch, in einem nordrhein-westfälischen Alleingang mit dem Booster-Turbo Omikron in die Knie zu zwingen? Oder hat die Landesregierung schlicht die STIKO-Empfehlung nicht richtig verstanden? So oder so: Erreicht haben die beiden CDU-Politiker nur jede Menge Chaos.

Im Tennis würde man vermutlich von einem „Unforced Error“ – einem „unerzwungenen Fehler“ – sprechen. Denn für den mysteriösen Booster-Verstoß gab es überhaupt keine Notwendigkeit. Weder immunologisch, wie die Wissenschaftler schnell klarstellten, noch politisch. Wirklich niemand hatte gefordert, den Abstand zur Booster-Impfung für alle auf vier Wochen zu verkürzen (mehr Corona-News aus NRW bei RUHR24).

Machen sich das Leben unnötig schwer: NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst (m.) und NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (r.)

Es ist deshalb umso ärgerlicher, dass die NRW-Regierung völlig unnötig die Pferde scheu gemacht und über 17 Millionen Einwohner verunsichert hat. Insbesondere in einer Zeit, in der die Verunsicherung ob der vielen Unklarheiten hinsichtlich Omikron und dem Schutz der Corona-Impfstoffe ohnehin schon groß ist. Dass das Booster-Desaster zudem auch noch gefundenes Fressen für Querdenker und Impfgegner ist, versteht sich von selbst.

Booster-Desaster in NRW: Ein Anfängerfehler nach fast zwei Jahren Corona-Pandemie

Natürlich dürfen auch Politiker Fehler machen, auch sie sind nur Menschen. Ein derartiger kommunikativer Anfängerfehler nach fast zwei Jahren Pandemie ist allerdings nur schwer zu begreifen. Zur Ehrenrettung von Wüst sei zumindest gesagt, dass der 46-Jährige in seinem Amt als Ministerpräsident tatsächlich noch ein Anfänger ist.

Bei Laumann sieht das schon anders aus. Dem 64-jährigen Polit-Schlachtross darf ein solcher Patzer eigentlich nicht passieren. Dass Laumann den Fehler im Landtag eingestand und die politische Verantwortung übernahm, ehrt ihn. Peinlich bleibt die Posse um das Booster-Chaos in NRW dennoch. Hinweis: Dieser Kommentar entspricht der Meinung des Autors und muss nicht zwingend die Ansicht der gesamten Redaktion wiedergeben.

Rubriklistenbild: © Henning Kaiser/DPA

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