Mehr als 12.000 Menschen obdachlos

Flüchtlinge aus Moria: Überraschende Aussage von Armin Laschet

Nach einem Brand in Moria ist das Flüchtlingslager zerstört. NRW könnte viele Flüchtlinge aufnehmen. Armin Laschet äußert sich dennoch kritisch.

NRW - Nach dem verheerenden Brand im Flüchtlingslager Moria, ist eine heftige Debatte darüber entbrannt, was mit den Flüchtlingen geschehen soll, die bisher in dem Lager untergebracht waren. Alle 12.600 Bewohner sind durch die Zerstörung des Lagers obdachlos geworden. Politiker mehrerer Parteien und Bundesländer forderten nun, schnelle Hilfe zu leisten und tausende Flüchtlinge aufzunehmen. NRW-Ministerpräsident Armin Laschet sprach sich jedoch gegen einen Alleingang Deutschlands aus.

Name

Flüchtlingslager Moria

Lage

Griechenland, Insel Lesbos

konzipiert für

3.000 Menschen

Bewohner 

bis zu 20.000

Laschet: Flüchtlingsfrage kann Deutschland nicht alleine lösen

Bei der Lösung der Flüchtlingsfrage könne Deutschland in Europa nicht mit einer einseitigen Aufnahme von Migranten vorangehen, kritisierte der NRW-Ministerpräsident, nachdem Forderungen verschiedener Politiker laut wurden, umgehend Hilfe anzubieten und Flüchtlinge nach Deutschland zu holen (mehr Nachrichten aus NRW auf RUHR24.de).

Gleichzeitig kündigte Laschet aber an, im Rahmen eines "großen, europäischen Gesamtkonzeptes" bis zu 1.000 Flüchtlinge in NRW aufnehmen zu wollen. Einen deutschen Alleingang lehnt er allerdings ab. Stattdessen will Laschet laut ARD zunächst weitere EU-Staaten an Bord zu holen. "Deutschland wird einen großen Teil leisten können. Aber das Signal 'Deutschland schafft das allein' wäre falsch." Seine Befürchtung: Andere Staaten könnten sich dann zurückziehen.

Die Flüchtlingsfrage sei nicht damit gelöst, dass "alle nach Deutschland kommen", so der CDU-Politiker im ZDF. Stattdessen sei eine umfassende europäische Antwort nötig. Damit teilt Armin Laschet die Haltung von Bundeskanzlerin Angela Merkel und stellt sich auch hinter den Kurs von Bundesinnenminister Horst Seehofer.

NRW: Laschet will Brandstiftung in Moria nicht belohnen

In der ARD sprach Laschet zudem an, dass der Brand in Moria an verschiedenen Stellen ausgebrochen war, weswegen auch die Vermutung im Raum steht, es könnte sich um Brandstiftung gehandelt haben: "Wenn es Brandstiftung war, (...) darf es auch nicht so wirken, dass wenn man ein Lager in Brand setzt, kommt etwas in Bewegung." 

Nach dem Brand in Flüchtlingslager Moria sind die Bewohner obdachlos und schlafen auf der Straße.

Für Integrationsminister Joachim Stamp ist dagegen unmittelbares Handeln notwendig - um es nicht zur humanitären Katastrophe kommen zu lassen. "Es ist erbärmlich, dass die EU so lange zugeschaut hat, bis es in Moria zu dieser Eskalation gekommen ist." Denn tatsächlich bahnte sich seit langem an, dass die Situation in Moria unhaltbar ist. 

Moria: Katastrophe bahnte sich an

Das Lager, in dem zuletzt etwa 12.600 Menschen lebten, war ursprünglich für 3000 Bewohner ausgelegt. Die Lebensumstände der Flüchtlinge in dem Lager waren dementsprechend prekär. Zuletzt breitete sich zudem das Coronavirus unter den Lagerbewohnern aus. Politiker und Hilfsorganisationen fordern daher seit geraumer Zeit, das Lager zu evakuieren. 

Vielerorts sind dieser Tage erneut Demonstrationen angemeldet worden. Auch in Bochum und Dortmund gingen die Menschen bereits am Mittwoch (9. September) auf die Straße, um für eine Evakuierung der Lager zu demonstrieren und die Menschen in Deutschland aufzunehmen. Dortmund nahm 2015 bereits tausende Flüchtlinge aus Syrien auf.

Für die kommenden Tage sind in vielen Städten weitere Protestmärsche geplant. So ruft das Bündnis Seebrücke unter dem Titel "Evakuiert die Lager - Wir haben Platz" am Donnerstag (10. September) ab 18 Uhr unter anderem in Dortmund und Bochum zu Protesten auf.

Rubriklistenbild: © Fotos: Marcel Kusch/Socrates Baltagiannis/dpa; Collage: RUHR24

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