Tiere übertragen Krebspest

Bochum: Krebs-Invasion am Kemnader See - "Es sind Millionen"

Die Krebse am Kemnader See laufen scharenweise über die Radwege
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Die Krebse am Kemnader See laufen scharenweise über die Radwege

Am Kemnader See zwischen Bochum und Witten breitet sich eine neue Spezies aus. Die Krebse stammen aus Nordamerika. Nun bedrohen sie heimische Arten.

  • Die Krebse wurden bereits an mehreren Stellen an der Ruhr gesichtet.
  • Am Kemnader See wandern sie an manchen Tagen in Scharen über die Radwege.
  • Es gibt bereits Ideen, wie die Invasion wieder eingedämmt werden kann.

Bochum/Witten – Am Kemnader See ist zurzeit erstaunliches zu beobachten: An den Radwegen und entlang des Ufers bewegt sich etwas, das eigentlich gar nicht in unsere heimischen Gewässer gehört. Wie RUHR24.de* berichtet, haben sich an Kemnader See, an dem sonst eher Schwäne und Gänse* unterwegs sind, zwei aus Amerika stammende Krebsarten breit gemacht. Für heimische Tiere an der Grenze von Bochum und Witten stellen sie eine ernste Gefahr dar.

GewässerKemnader See
LageZwischen Bochum, Hattingen und Witten
Länge3 Kilometer

Kemnader See: Krebse laufen scharenweise über Radwege

Bei den dunkelroten, gepanzerten Tieren mit den großen Scheren am vorderen Ende, handelt es sich laut einem Bericht der Bild um den Louisiana-Flusskrebs und den Signalkrebs. Beide Arten wurden vermutlich von Aquarien-Besitzern ausgesetzt. Die Krebse stammen ursprünglich aus Nordamerika.

Die Flusskrebse kommen in Europa als Neozoen vor. Das heißt, sie sind hier ursprünglich nicht beheimatet. Laut Spektrum.de stellen viele Neozoen keine Bedrohung für die heimische Fauna dar. Einige Arten haben sich aber so stark vermehrt, dass sie die einheimischen Lebensgemeinschaften schädigen.

Neue Heimat Kemnader See: Krebse stammen nicht aus der Umgebung

Auch die Krebse am Kemnader See fühlen sich in ihrer neuen Heimat offensichtlich ebenso wohl, wie in ihrer ursprünglichen. Und so wanderten sie über Teiche und Kläranlagen in unsere Seen und Flüsse. Laut Ruhrverband wurden die Tiere auch an der Ruhr an mehreren Stellen gesichtet (mehr Nachrichten aus dem Ruhrgebiet auf RUHR24.de*). 

Der Amerikanische Sumpfkrebs, auch Louisana-Flusskrebs genannt, macht sich am Kemnader See in Bochum breit.

Besonders gut lässt es sich scheinbar aber am Kemnader See leben: Hier breiteten sich die Krebse besonders stark aus. So stark, dass sie für die heimischen Arten zunehmende eine Gefahr darstellen. Denn die Flusskrebse fressen die Brut von Libellen und Fischen. Die Krebse selbst vermehrten dabei inzwischen so stark, dass ihre natürlichen Feinde nicht mehr mit dem Fressen nachkommen und die Krebspopulation nicht mehr in Schach halten können.

Kemnader See bereits überbevölkert: Krebse auf der Suche nach neuer Heimat

Der für den Kemnader See zuständige Ruhrverband äußert in Bezug auf die Ausbreitung der fremden Krebsarten aber noch ganz andere Sorgen. Denn: Die nicht-heimischen Krebse könnten die sogenannte Krebspest verbreiten, und so auch heimische Edelkrebse gefährden. Bei der Krebspest handelt es sich um eine Pilzerkrankung, die bei allen europäischen Flusskrebsarten tödlich verläuft. Besonders Signalkrebse gelten als Überträger der Krebspest.

Inzwischen leben am Kemnader See so viele Krebse, dass einige von ihnen an manchen Tagen auf Wanderschaft gehen, um eine neue Heimat zu finden. Dann krabbelt es nicht nur unter den Steinen am Ufer des Sees, sondern auch auf den Geh- und Radwegen rund um den See. Ein Naturführer der "Wildnisschule Ruhr" schätzt laut dem Bericht der Bild: "Es sind Millionen."

Krebse am Kemnader See: Gastronomen an der Wupper haben kreativen Lösungsansatz

Doch findige Gastronomiebetriebe haben möglicherweise bereits eine Lösung für das Problem im Angebot: Warum die Krebse nicht einfach essen? Restaurantbesitzer entlang der Wupper – in dem Fluss war in der Vergangenheit ein ähnliches Problem mit den Krebsen zu beobachten – machten laut dem Remscheider Genereal-Anzeiger bereits gute Erfahrungen damit, die Krebse auf Pasta und Pizza zu verarbeiten.

Und auch in Bochum könnten die Krustentiere nun mithilfe von Reusen abgefischt werden. Und dann? Dann könnten sie als regionale Spezialität auf den Speisekarten der umliegenden Restaurants landen. *RUHR24.de ist Teil des Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

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