Shopping-Verbot

Bochum plant verkaufsoffenen Sonntag – der Ruhr Park darf nicht mitmachen

Die Stadt Bochum plant im Dezember einen verkaufsoffenen Sonntag. Der Ruhr Park hätte sich gern beteiligt und ebenfalls geöffnet, darf aber wohl nicht. Die Hintergründe.

Bochum - Aufgrund der Corona-Pandemie* haben verkaufsoffene Sonntage lange Zeit nicht stattgefunden. Mit der kommenden Weihnachtszeit soll sich das aber wieder ändern. In Bochum laufen die Planungen bereits auf Hochtouren - zumindest in der Innenstadt. Denn im Ruhr Park sieht es aktuell nicht so aus, als würde man dort in Zukunft sonntags öffnen, berichtet RUHR24*.

ShoppingcenterRuhr Park
StandortBochum-Harpen
Eröffnung14. November 1964

Verkaufsoffener Sonntag in Bochum: Innenstadt darf öffnen und der Ruhr Park nicht

Im Rahmen des Bochumer Weihnachtsmarktes, der wegen Corona im vergangenen Jahr ausfallen musste, soll dieses Jahr am 12. Dezember ein verkaufsoffener Sonntag stattfinden. Diesen Wunsch hatte die Stadt Bochum nun explizit geäußert und es sieht aktuell auch danach aus, dass die Pläne in die Tat umgesetzt werden.

Schlechter sieht es hingegen für den Ruhr Park aus. Das Einkaufscenter hatte sich nun mit kleinem Weihnachtsmarkt ebenfalls für einen verkaufsoffenen Sonntag an demselben Tag beworben, darf ihn aber wohl nicht stattfinden lassen. Grund dafür ist die Stadtverwaltung, berichtet die WAZ (Bezahlinhalt).

Verkaufsoffene Sonntage dürfen in NRW seit 2018 nur noch unter einer Bedingung stattfinden

Seit 2018 dürfen in NRW verkaufsoffene Sonntage nur noch in Kombination mit einer größeren Veranstaltung stattfinden. Das können zum Beispiel Weihnachtsmärkte oder Stadtfeste sein. Einzige Voraussetzung ist, dass das Event für Besucher eine größere Anziehungskraft hat als die offenen Geschäfte. So sieht es damals neu verabschiedete Ladenöffnungsgesetz vor.

Ein reines Shopping-Interesse alleine reiche nicht aus, um Ladenöffnungen an einem Sonn- oder Feiertag zu rechtfertigen, hieß es bereits in mehreren Entscheidungen des NRW-Oberverwaltungsgerichtes in Münster.

Wenn der Ruhr Park sonntags öffnen möchte, braucht er künftig große Events. 

Weihnachtsmarkt im Ruhr Park ist nicht groß genug für verkaufsoffenen Sonntag am 12. Dezember 2021

In Bezug auf den verkaufsoffenen Sonntag am 12. Dezember in Bochum sieht die Stadtverwaltung diese Voraussetzungen erfüllt: Mit geschätzten 1,5 Millionen Besuchern zähle der Weihnachtsmarkt zu den beliebtesten und stark besuchten Weihnachtsmärkten in ganz Deutschland, heißt es. Der verkaufsoffene Sonntag sei demnach nur eine Begleiterscheinung des Events und stehe nicht im Vordergrund.

Anders sieht es im Ruhr Park aus: Dort soll es zwar auch einen Weihnachtsmarkt mit Bühnenprogramm geben, allerdings sei die Größe des Marktes deutlich kleiner als die in der Innenstadt. Gerade mal sieben bis acht Hütten seien geplant, verrät der Ruhr Park auf Nachfrage der WAZ. Für die Stadtverwaltung Bochum viel zu klein: Der Weihnachtsmarkt würde das Geschehen vor Ort nicht ausreichend prägen. Die Öffnung der Läden stünde somit ganz klar im Fokus.

Ruhr Park und die Bochumer Innenstadt sind ewige Konkurrenten

Die Entscheidung der Stadtverwaltung könnte den Konkurrenz-Gedanken zwischen dem Ruhr Park und der Bochumer Innenstadt weiter vorantreiben. Schon jetzt kämpfen beide Parteien stetig um die Gunst der Käufer: In den vergangenen Jahren wurde der Ruhr Park immer weiter ausgebaut. Erst im Spätsommer wurden drei neue Ladenöffnungen für das Center* auf „der grünen Wiese“ angepriesen. Gleichzeitig wird auch die Gastro-Meile am Parkplatz immer weiter ausgebaut.

Vor dem Umbau war der Ruhr Park im Gegensatz zur Bochumer Innenstadt für Kunden wenig attraktiv: Viel Leerstand, heruntergekommene Fassaden und langweilige Läden prägten das Bild des Centers. Doch das Blatt hat sich mit den Jahren gewendet und mittlerweile gilt der Ruhr Park als beliebte Destination für Shopping-Fans der Region.

Zwischen dem Ruhr Park und der Bochumer Innenstadt herrscht seit Jahren Konkurrenz.

Ruhr Park ist traurig über Entscheidung der Stadtverwaltung - Politik äußert Zustimmung

Dass der verkaufsoffene Sonntag im Dezember nicht stattfinden darf, löst nun Bedauern beim Center-Management aus: „In Anbetracht der aktuellen Lage ist die Stärkung des Einzelhandels aus unserer Sicht weiterhin enorm wichtig. Dazu zählen auch die Shops im Ruhr Park“, sagt Center-Manager Andreas Ulmer gegenüber der WAZ.

Zustimmung für ein Verbot des verkaufsoffenen Sonntags im Ruhr Park kommt aus der Bochumer Politik: „Wie in der Vergangenheit auch, liefert er keine besonderen traditionellen Anlässe. Abgesehen davon fokussieren wir uns mit millionenschweren Investitionsprogrammen auf die Stärkung der Innenstadt und die Nebenzentren in den Bezirken“, sagt Grünen-Fraktionsvorsitzender Sebastian Pewny.

FDP spricht Widerstand aus: Verbot von verkaufsoffenen Sonntag löst Frust bei Kunden aus

Auch die SPD hält das Verbot für richtig und beruft sich in ihrer Entscheidung auf die Rechtslage in Nordrhein-Westfalen*: „Hätte die Landesregierung den Rahmen geändert, wäre vielleicht auch unsere Entscheidung anders ausgefallen“, sagt Fraktionsvorsitzender Burkhart Jentsch der WAZ. „Es nützt nichts, dem verkaufsoffenen Sonntag im Ruhrpark zuzustimmen, dadurch Klagen zu riskieren und somit auch den verkaufsoffenen Sonntag in der Innenstadt zu gefährden. Wir müssen alles tun, damit unsere Innenstadt nicht weiter verödet.“

Während sich die CDU der Meinung der SPD anschließt, äußert die FDP ersten Widerstand und spricht bei der Entscheidung der Stadtverwaltung von einer „Benachteiligung des Ruhr Parks“, die bei „Kunden und Kundinnen für unnötigen Frust“ sorge.

Die endgültige Entscheidung über die verkaufsoffenen Sonntage in Bochum fällt der Stadtrat am 11. November. *RUHR24 ist Teil des Redaktionsnetzwerks von IPPEN.MEDIA

Rubriklistenbild: © Daniele Giustolisi/RUHR24, Roland Weihrauch/dpa, Collage: RUHR24

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