Einzelhandel im Arbeitskampf

Mega-Streik in Bochum: NRW-Einzelhandel protestiert – große Geschäfte betroffen

Wegen eines Streiks im Einzelhandel bleiben in Bochum am Donnerstag (24. Juni) wohl mehrere Geschäfte geschlossen. Die Gewerkschaft Verdi hatte zu der Arbeitsniederlegung aufgerufen.

Bochum – Zu wenig Gehalt trotz Umsatzplus: Der Handel in NRW hat in der Corona-Krise laut der Gewerkschaft Verdi ein deutliches Umsatzplus erwirtschaftet. Bei den Beschäftigten kommt davon jedoch nicht viel an, sie streiken jetzt. Zahlreiche Geschäfte in Bochum sollen deshalb ab Donnerstag (24. Juni) geschlossen bleiben.

BrancheEinzelhandel
BundeslandNordrhein-Westfalen
Umsatz pro Jahrrund 98 Milliarden Euro

Mega-Streik in Bochum: Verdi fordert 4,5 Prozent mehr Gehalt für Einzelhandel

Ab 11 Uhr werden rund 2.500 Teilnehmer aus ganz NRW zum Streik am Bergbaumuseum in Bochum erwartet. Sie arbeiten laut WDR unter anderem bei Saturn, H&M, Kaufland, Edeka und Bofrost.

Neben Beschäftigten des Einzelhandels kommen auch Angestellte des Groß- und Außenhandels zum Streiktag. An der Kundgebung beteiligen sich auch Beschäftigte aus Betrieben ohne Tarifbindung. Ziel der Arbeitsniederlegung sind bessere Löhne und Gehälter sowie verbindliche Tarifverträge in den Branchen.

Verdi fordert:

  • 4,5 Prozent und 45 Euro mehr Lohn, Gehalt und Ausbildungsvergütung bei einer Laufzeit von 12 Monaten.
  • Im Einzelhandel soll zudem ein Mindestentgelt von 12,50 Euro pro Stunde gezahlt werden.

Verdi nennt Angebot der Arbeitgeber „unverschämt und inakzeptabel“

Die bisherigen Verhandlungen laufen demnach eher schleppend: „Die bisherigen Angebote der Arbeitgeber sind unverschämt und inakzeptabel“, erklärte Silke Zimmer, die die Verhandlungen führt. Sie verweist speziell auf den „unermüdlichen“ Einsatz der Mitarbeiter im Handel während der Corona-Pandemie.

Sie hätten unter belastenden Umständen und Ansteckungsgefahr Toilettenpapier rationieren und sich dafür auch noch angreifen lassen müssen. Die Kollegen im Großhandel hätten sichergestellt, dass ausreichend Impfstoff und Medikamente geliefert werden.

NRW: Handel hat 2020 trotz Corona-Pandemie deutliches Umsatzplus gemacht

Laut Verdi habe der Großhandel trotz der Corona-Pandemie ein Umsatzplus von 1,8 Prozent eingefahren. „Der Einzelhandel verzeichnet den höchsten Umsatzanstieg seit über 20 Jahren“, schreibt die Gewerkschaft.

Tatsächlich war der Umsatz im Einzelhandel bereits in 2020 insgesamt teils deutlich über das Vorjahresniveau gestiegen. Bis auf April 2020 verzeichnete der NRW-Einzelhandel in fast jedem Monat ein deutliches Umsatzplus:

Einzelhandelsverband: Forderungen seien kaum zu erwirtschaften

Der Einzelhandelsverband NRW hatte Verdi zuletzt vorgeworfen, dass die Forderungen selbst ohne die Krise kaum zu erwirtschaften seien. Viele Betriebe würden zudem weiter um ihre Existenz bangen.

Der Handelsverband will die Unternehmen daher in zwei Kategorien einteilen: Solche, die gut durch die Corona-Krise gekommen sind, sollen ab Mai 2022 zunächst 1,4 Prozent mehr Lohn zahlen. Wer etwa im Lockdown Probleme hatte, soll zunächst nur ein Prozent mehr Lohn und später dann mehr zahlen.

Verdi-Streik legte im Juni bereits Einzelhandel in der Dortmunder Innenstadt lahm

Nur rund 30 Prozent der Angestellten im Einzelhandel würden noch tarifgebunden arbeiten, im Groß- und Außenhandel sind es noch etwas mehr. Durch den Streik wollen die Arbeitnehmer auf die Situation aufmerksam machen und für bessere Arbeitsbedingungen kämpfen. Die dritte Verhandlungsrunde ist für Montag (28. Juni) angesetzt.

Bereits Mitte Juni hatten Angestellte des Einzelhandels in Dortmund gestreikt. Große Geschäfte wie H&M, Primark und Saturn am Westenhellweg sowie Ikea blieben für die Kunden geschlossen.

Welche Geschäfte vom Streik in Bochum betroffen sein werden, gab die Gewerkschaft vorab nicht bekannt. Es ist allerdings unwahrscheinlich, dass es für Kunden der meisten Geschäfte größere Einschränkungen geben wird.

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