Kommentar

Bochums Verbot für Shisha-Bars im Bermudadreieck ist latent rassistisch

Das Verbot für neue Shisha-Bars im Bermudadreieck Bochum freut viele. Doch die Maßnahme ist latent rassistisch, findet RUHR24-Autor Daniele Giustolisi.

Bochum – In Bochums größter Kneipenmeile, dem Bermudadreieck, dürfen sich keine Shisha-Bars mehr ansiedeln. Ein neuer Bebauungsplan macht das möglich. Ein Grund sei laut Stadt ein Imageverlust, sollten sich zu viele solcher Bars im „Dreieck“ ansiedeln.

Besucher im Bermudadreieck BochumRd. 4 Millionen pro Jahr
AdresseKortumstraße 2, 44787 Bochum (Info-Point)
Kontakt/Telefonnummer0234/9117333

Bochums Verbot für neue Shisha-Bars im Bermudadreieck soll Imageverlust verhindern

Shisha-Bars sorgen deutschlandweit immer wieder für Negativ-Schlagzeilen, auch in Bochums Bermudadreieck. Meist geht es um unversteuerten Tabak, organisierte Kriminalität oder zu hohe Kohlenmonoxid-Werte in den Innenräumen. Das Image ist wahrlich kein Gutes. Und doch haben sich im Bochumer Kneipenviertel bereits fünf Shisha-Bars angesiedelt. Und noch mehr Betreiber wollen kommen.

Die Nachfrage scheint also da zu sein, das zeigt regelmäßig ein Blick auf die vollen Tische vor allem an den Cafés entlang der Brüderstraße im Bermudadreieck. Im neuen Bebauungsplan der Stadt Bochum dagegen erscheinen die Shisha-Bars als Inbegriff des Bösen: Von „Abschottung“ und „Rauchentfaltung“ ist da die Rede. Insgesamt wirkt es so, als würde sich der Dämon höchstpersönlich im Bermudadreieck ausbreiten.

Shisha-Bars im Bermudadreieck Bochum sind längst nicht mehr so schlüpfrig, wie früher

Dabei ist der neue Typus Shisha-Bar längst nicht mehr der, der es noch vor Jahren war. Vor allem die Lokale im Bermudadreieck sind nicht schlechter eingerichtet, als andere Bars und Kneipen. Und statt miefigen Tabakrauch vernehmen Passanten beim Vorbeigehen in der Regel fruchtige Wasserpfeifen-Aromen.

Die Brüderstraße im Bermudadreieck von Bochum: Allein hier haben sich in den vergangenen Jahren fünf Shisha-Bars angesiedelt.

Doch die Stadt Bochum befürchtet, dass Shisha-Bars andere Konkurrenten um freie Ladenlokale „ausstechen“. Denn die Liste weiterer Interessenten sei lang. Eine weitere Ansiedlung von Shisha-Bars könnte laut Stadt Bochum „Kunden und Freizeitgäste verdrängen.“

Was ist an Systemgastronomie besser, als an Shisha-Bars im Bermudadreieck Bochum

Wenn das Interesse an den Shisha-Bars aber da ist, wenn das äußere Erscheinungsbild passt und wenn es künftig (hoffentlich) weniger Probleme mit dem Zoll gibt, warum also wertet eine Shisha-Bar das Bermudadreieck mehr ab, als die fünfte Systemgastronomie? Wen und warum schreckt es ab, wenn Menschen in einer Bar eine Wasserpfeife rauchen oder etwas trinken?

Die Kortumstraße im Bermudadreieck von Bochum (rechts das „Freibeuter“): Shisha-Bars sind hier nicht mehr gern gesehen.

Ein Grund für das Negativimage könnte latenter, vielleicht auch unbewusster Rassismus sein, wie auch Sozialforscher Bern Weise unlängst vermutet. Schließlich stamme die Wasserpfeife ursprünglich aus Indien, ist heutzutage vor allem im Nahen Osten und Nordafrika verbreitet, so Weise gegenüber T-Online. In Deutschland erfreue sie sich vor allem unter jungen Erwachsenen großer Beliebtheit, sagt Werse, „auch, aber bei Weitem nicht nur bei solchen arabischer Herkunft“.

Publikum im Bochumer Bermudadreieck ist inzwischen ethnisch durchmischter

Aber das Bermudadreieck war lange Zeit ein Treffpunkt für junge, meist deutsche oder deutschstämmige Jugendliche. Inzwischen ist das Publikum aber ethnisch durchmischter, was sich vor allem an den Besuchern in den Shisha-Bars zeigt.

Vorbei sind die Zeiten, in denen sich etwa arabischstämmige Menschen in dunklen Cafés in den Vorstädten verstecken, weil sie aufgrund ihres Aussehens nicht in Diskos kommen. Das Bochumer Bermudadreieck ist ein anderes, als noch vor ein paar Jahren. Es ist ein bunterer Ort und das ist gut so.

Gegen einen Branchenmix spricht nichts, im Gegenteil. Ein Bermudadreieck voller Shisha-Bars wäre ein langweiliger Ort, überflüssig. Aber ein Bermudadreieck nur mit Systemgastronomie oder nur mit coolen Burgerbuden wäre es ebenso.

Regeln sollten für die Ansiedlung aller Arten von Gastronomie gelten – und nicht nur für Shisha-Bars.

Rubriklistenbild: © Daniele Giustolisi/RUHR24

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