Falsche Hoffnung

Kurioser VHS-Kurs der Stadt sorgt in Bochum für Entsetzen

Die Volkshochschule bietet ein interkulturelles, vielschichtiges Programm an. Doch in Bochum gibt es jetzt Kritik an einem speziellen Kurs, der Unglaubliches verspricht.

Bochum – Monatelang saßen die Menschen in der Corona-Zeit zu Hause. Keine Fitnessstudios waren geöffnet, Treffen in größeren Gruppen waren nicht möglich. Manch einer wird sich ein neues Hobby gesucht haben. Eine gute Anlaufstelle dafür sind sicherlich die Volkshochschulen (VHS) – die immer wieder auch mit kuriosen Kursen aufwarten.

StadtBochum
OberbürgermeisterThomas Eiskirch (SPD)
Bevölkerung364.628 (2019)

Bochum (NRW): Kritik an VHS-Kursen – Partei-Politiker wirft falsche Versprechungen vor

Von Bildungsreisen, Sprachkursen, Kunst-Seminaren, Sport-Angeboten: Die Angebotspalette trifft sicherlich die Interessen vieler Menschen. Die VHS in Bochum allerdings muss sich jetzt mit Kritik auseinandersetzen.

Zwar biete das neue Programm der VHS wieder viele gute Kurse an, „allerdings sehen wir ein paar Angebote auch kritisch“, lässt sich Physiker Dr. Carsten Bachert (Die Partei), Ratsmitglied der Stadtgestalter, in einer Pressemitteilung zitieren. In seinen Fokus geraten dabei vermeintliche Heilungs- und Medizinkurse (mehr News aus dem Ruhrgebiet auf RUHR24).

VHS in Bochum: Ayurveda- und Schamanismus-Kurs in der Kritik – Namen seien irreführend

Der Partei-Politiker nennt konkret die VHS-Kurse „Schamanischer Zugang zur körperlichen Heilung“ und „Ayurveda für jeden Tag – eine sanfte Medizin für laute Tage“. Seine Kritik: „Kurse, die Heilung durch Schamanismus in Aussicht stellen oder Ayurveda als Medizin bezeichnen, sind wissenschaftlich nicht haltbar und sollten mit diesen Versprechungen nicht von der Stadt angeboten werden.“

Dabei betont er, dass das breite Kursangebot der VHS in Bochum, das die unterschiedlichsten Menschen anspreche, eine wichtige Säule für die Bildung sei.

Bochum: VHS vermittele falsche Hoffnung auf Heilung durch Kurs-Namen

Ratsmitglied Dr. Carsten Bachert räumt jedoch ein: „Allerdings gibt es auch Kurse, die zumindest fragwürdig erscheinen.“ So sei Ayurveda „mit naturwissenschaftlichen Erkenntnissen nicht vereinbar“. Ayurveda ist eine indische Natur-Methode, die mittels Kuren und Veränderungen im Leben helfen soll, Krankheiten zu heilen. Sie wird seit 5.000 Jahren in Indien praktiziert und gilt immerhin dort als traditionelle Natur-Medizin.

Der Bochumer Politiker befürchtet, dass die VHS mit dem Titel falsche Versprechen oder irrige Erwartungen wecken würde. Laut Kursbeschreibung sind die ayurvedischen Behandlungsansätze, das Kochen und der Lebensstil Inhalte des Kurses.

Partei-Politiker in Bochum fordert Umbenennung von VHS-Kursen

Noch deutlicher lautet die Kritik am Kurs „Schamanischer Zugang zu körperlicher Heilung“. Der Kurs wirbt damit, dass die WHO 1980 den Schamanismus als gleichbedeutend mit der westlichen Medizin in der Behandlung psychosomatischer Krankheiten anerkannt hat.

Bachert kritisiert: „Schamanen sollen Kontakt zu Geistern herstellen können und mit deren Hilfe Probleme der Menschen lösen. Auch hier wird suggeriert, dass eine medizinische Wirksamkeit, also eine körperliche Heilung, erwartbar sei.“ Denn selbst wer den alternativen Heilkünsten Vertrauen schenkt, kann wohl eine sofortige Heilung bei Teilnahme des Kurses kaum erwarten.

VHS Bochum: Vorwurf falscher Versprechungen – die Stadt äußert sich

Dem Vorwurf entgegnete die Stadt Bochum auf RUHR24-Nachfrage jetzt: „Zu der Gesundheitsbildung an Volkshochschulen gilt der Grundsatz ‚Gesundheit ist mehr als die Abwesenheit von Krankheit.‘ Gesundheit wird im Sinne der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ganzheitlich als Zusammenspiel körperlicher, geistiger und sozialer Komponenten gesehen.“

Die genannten Veranstaltungen würden im Titel die Selbstbeschreibung von Ayurveda und des Schamanischen Zugangs als Naturheilsystem beziehungsweise als Heilmethode aufgreifen. Aus den ergänzenden sowohl online als auch in der gedruckten Form vorliegenden Kursbeschreibungen ginge der informative Charakter der Veranstaltungen hervor. „Auf Heilsversprechen wird, genauso wie in den Kursen selbst, verzichtet.“

Politiker Bachert betont indes, dass er sich nicht gegen die Kurse ausspreche: „Allerdings sollten sie nicht mit Wörtern wie Medizin oder Heilung beworben werden.“ Die Stadt sieht allerdings „keinen Grund, die Kurstitel zu ändern.“

Rubriklistenbild: © Daniele Giustolisi/RUHR24

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