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Bochum: Ladeninhaberin erhält fristlose Kündigung nach Verbreitung von AfD-Posts

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Nachdem eine Gastronomin Beiträge der in Teilen rechtsextremen Partei AfD verbreitete, kündigte das Kulturzentrum Bahnhof Langendreer den Pachtvertrag.

Das Bochumer Kulturzentrum Bahnhof Langendreer trennt sich von den Betreiberinnen des „K-Manns“. Doch das ist erst das Ergebnis eines langen Streits.

Bochum – Jetzt ist es offiziell: „Die Pächterin/die Betreiberinnen sind zum Jahreswechsel aus der Kneipe ausgezogen“, bestätigte das Kulturzentrum Bahnhof Langendreer gegenüber RUHR24.de*. Es ist eine Geschichte der verhärteten Fronten.

EinrichtungKulturzentrum Bahnhof-Langendreer
UnterhaltungKino, Konzerte, Disco, Gastronomie, Versammlungsräume
Kapazitätbis zu 600 Personen

Bahnhof Langendreer trennt sich von Gastronomin nach Verbreitung von AfD-Posts auf Facebook

Der Grund für die Auseinandersetzung des soziokulturellen Zentrums in Bochum und der Gastronomin Katinka Kellermann war, dass sie mehrfach Posts der AfD in ihrem privaten Profil auf Facebook geteilt haben soll.

Die Vorwürfe kamen erstmals im September 2020 auf. Das hatte eine Lawine losgetreten. Es „widerspricht ganz klar dem, wofür wir hier stehen“, sagte Vorstandsmitglied Kristin Schwierz später gegenüber der WAZ.

AfD-Posts geteilt: Pächterin des „K-Manns“ im Bahnhof Langendreer äußert sich auf Facebook

In den Videos soll es sich um Vorträge von AfD-Politikern zur Maskenpflicht und zur „psychologischer Manipulation des Volkes“, sowie um einen Beitrag über Kinderarbeit in Afrika für Batterien in Elektro-Autos gehandelt haben. Auf dem Facebook-Profil sind die Videos mittlerweile nicht mehr zu finden.

Dafür aber etwas anderes. Eine Stellungnahme von Katinka Kellermann vom 18. Oktober 2020. Die Frau schrieb, sie habe nicht gewusst, wer die Urheber des Videos sind, da sie im Zuge einer Krankheit erblindet ist. Die Beiträge, die sie geteilt hat, entsprachen zwar ihrer Meinung, hätten aber „kein rechtes Gedankengut zu erkennen gegeben“, so die Gastronomin.

Das K-Manns im Bahnhof Langendreer musste schließen. Grund dafür war nicht (ausschließlich) Corona, sondern die Verbreitung von AfD-Posts auf Facebook (Symbolbild).

Nach Verbreitung von AfD-Inhalten: Betreiberin des K-Manns distanziert sich von rechtem Gedankengut

Von diesem distanzierte sie sich strikt: „Jeder, der mich kennt, weiß, dass ich noch nie irgendwelche rechten Ansichten hatte oder sie jemals haben werde.“ Und weiter: „Ich lebe in einer lesbischen Beziehung, habe einen Sohn, dessen Vater Marokkaner ist und habe viele Freunde unterschiedlicher Nationalitäten, Religionen und Sexualitäten.“

Das ist die eine Seite. Doch auf der anderen berichtete das Kulturzentrum Bahnhof Langendreer, dass bei einem klärenden Gespräch „kaum Problembewusstsein“ herrschte. Im Oktober folgte dann die fristlose Kündigung. Die Pächterinnen konnten sich nichtmal ein Jahr im Kulturzentrum halten. Sie sind erst am 1. Februar 2020 dort eingezogen.

AfD-Posts verbreitet und Kündigung bekommen: Aktivisten in Bochum unterstützen den Bahnhof Langendreer

Diese Konsequenz wertschätzten zahlreiche Aktivisten. So schrieb das Bündnis gegen Rechts in Bochum auf der Website: „Wir finden diese Entscheidung richtig und unterstützen damit den Bahnhof Langendreer.“ Und fordert im Zuge dessen: „Wir dürfen die Existenz einer Partei wie der AfD nicht als Normalität akzeptieren. Dafür bedarf es immer einer so konsequenten Abgrenzung, wie sie der Bahnhof Langendreer vollzogen hat.“

Auch das Bochumer Friedensplenum unterstütze die Kündigung „voll und ganz“, schreibt Bewegung in Bochum auf der Website. „Jeder in Bochum weiß, dass die Zusammenarbeit mit Leuten, die rechtsextreme Inhalte vertreten oder verbreiten, für ‚den Bahnhof‘ undenkbar ist.“ Auch in Dortmund ist die Partei AfD in Skandale verwickelt, wie bei einem angeblichen Eklat des Ex-Oberbürgermeisters.

Video: Verfassungsschutz: AfD droht Einstufung als rechtsextremistische Organisation

Zwar hatten die Betreiberinnen nach der Kündigung noch angekündigt, juristische Schritte einzuleiten. Doch auch mit Blick auf Corona und der Bestell-Rückgang nach dem Streit ließen die beiden dieses Vorhaben fallen. Das Virus zeigt auch in anderen Städten die Auswirkung auf die Gastro-Szene: Nach einer Corona-Aktion schloss auch eine Bar in Dortmund, die als Szene-Lokal galt.

Noch ist nicht klar, wie es nun mit der Gaststätte im Kulturzentrum weitergeht. Der Bahnhof Langendreer möchte sich außerdem nicht weiter zu dem Vorfall und den Geschehnissen äußern und schreibt auf Nachfrage dieser Redaktion: „Für uns ist das Kapitel auch erstmal beendet.“ *RUHR24.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.de

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