Nussknacker mit nur einem Arm

DRK brodelt wegen Hochwasser-Spenden aus NRW – „erschreckend“

Seit dem Hochwasser in NRW gehen beim DRK-Verband in Bochum-Wattenscheid mehr Spenden ein. Doch die Kleiderkammer verkommt mehr und mehr zur Mülldeponie.

Bochum – Bei der Flutkatastrophe in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz haben Anwohner in besonders betroffenen Gebieten zum Teil alles verloren. Die Flutopfer brauchen vor allem Geld, aber auch Sachspenden können nützlich sein. Was zuletzt an den DRK-Kreisverband Wattenscheid im Ruhrgebiet gespendet wurde, ist allerdings zum größten Teil nicht zu gebrauchen.

StadtbezirkWattenscheid
StadtBochum
Eingemeindung1. Januar 1975
Einwohner73.139 (30. November 2020)

Hochwasser-Katastrophe in NRW: Spenden für Flutopfer laut DRK-Verband Wattenscheid „erschreckend“

Zwar werden der dortigen Kleiderkammer grundsätzlich mehr Dinge gespendet, doch es erhöht sich auch der Anteil an Müll. Verdreckte oder kaputte Kleidung, alte und kaputte Kleinmöbel und für Obdachlose und Flutopfer völlig unnütze Utensilien seien die Ausbeute einer ersten Bestandsaufnahme gewesen, schreibt der DRK-Verband in einem Facebook-Post.

Was die Mitarbeiter finden, sei zum Teil „wirklich erschreckend“. Viele der Kleidungsstücke hätten offenbar jahrelang im Keller gelegen. Sie seien dreckig und würden muffig riechen. Man habe weder die Zeit, noch die Kapazität, die „Spenden“ zu waschen. Und selbst dann, so das Deutsche Rote Kreuz in Wattenscheid, seien viele Kleiderspenden kaum nutzbar (mehr News aus dem Ruhrgebiet bei RUHR24).

Was den Kreisverband besonders fassungslos macht: Die Dinge seien eigentlich für Opfer der Flutkatastrophe in NRW und Rheinland-Pfalz gedacht gewesen, die gerade alles verloren hätten. „Tiefpunkt sind Porzellanwaren als Blumenständer oder uralte Tennisschläger. So etwas spendet man doch eigentlich nicht für Flutopfer.“

Bochum-Wattenscheid: DRK beklagt Müllentsorgung statt Spenden für Flutopfer in NRW

Man habe manchmal das Gefühl, die Spender würden die Kleiderkammer als Möglichkeit begreifen, schnell und billig ihren Müll zu entsorgen. Das Problem: Für das DRK ist das alles andere als billig. Die Mitarbeiter hätten bereits mehrere Fuhren zum Wertstoffhof gebracht.

Gegenüber der WAZ lässt Corinna Kawaters vom DRK-Verband Bochum-Wattenscheid ihrem Frust freien Lauf. Spenden, die aus einem Nussknacker mit einem Arm oder einem gebrauchten Teppich bestehen, würden Zettel mit der Aufschrift „Für die Flutopfer“ beigelegt. „Was sollen Opfer der Flut damit anfangen? Das ist Müll.“

Ohnehin sei sie kein Freund davon, Menschen, die bei dem Hochwasser vieles verloren hätten, einen Beutel mit Klamotten zu schicken. Die Betroffenen bräuchten stattdessen Geld, das solle man ihnen spenden. Von den Sachspenden könne man vielleicht 25 bis 30 Prozent gebrauchen, so Kawaters.

Flutkatastrophe in NRW: Aufräumarbeiten und Wiederaufbau noch längst nicht abgeschlossen

Finanzielle Unterstützung soll auch vom Land NRW kommen. Das hat Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) den Flutopfern zugesagt. 200 Millionen Euro kommen vom Bund, die Landesregierung will den Betrag noch einmal verdoppeln.

Die schwere Flut, ausgelöst durch anhaltenden Starkregen, hatte in Nordrhein-Westfalen insgesamt 47 Todesopfer gefordert. Gemeinden wie Erftstadt-Blessem wurden teils völlig zerstört. Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) ist sich sicher, dass der Wiederaufbau in NRW und Rheinland-Pfalz „Milliarden verschlingen“ wird.

Die Aufräumarbeiten sind auch Wochen nach der Hochwasserkatastrophe noch nicht abgeschlossen.

Noch gibt es aber akutere Probleme. Denn in Kellern und Tiefgaragen stehen zum Teil noch tausende Liter Wasser. Der Geschäftsführer eines Entsorgungsunternehmens erklärte, dass er noch monatelang mit belastetem Wasser nach der Flut in NRW rechnet. Sein Betrieb befinde sich im Ausnahmezustand. Auch dabei helfen alte Vasen und kaputte Jeans nicht weiter.

Rubriklistenbild: © Oliver Berg/dpa

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