Historisches Dokument

Bochumer Relikt von 1928 zeigt irre Regelung für Schwimmbäder

Das Bochumer Zentrum für Stadtgeschichte stellt im August eine ganz besondere Preisleiste aus dem Jahr 1928 aus.

Bochum – Das „Schaufenster Stadtgeschichte“ stellt jeden Monat ein besonderes Dokument oder Objekt aus der Vergangenheit aus. Dabei präsentiert das Bochumer Zentrum für Stadtgeschichte besondere Relikte aus den Beständen des Stadtarchivs. Im Mai wurde ein wahres Kult-Objekt für Fußballfans ausgestellt. Im Monat August ist es ein historisches Dokument aus der Stadt Bochum.

StadtBochum
Einwohner364.628 (Stand: 2019)
EreignisAusstellung einer historischen Preistafel

Antike Preistafel aus dem Ruhrgebiet: Frühere Badeanstalt in Wattenscheid als beliebter Ort

Im Schaufenster in der Wittener Straße 47 in Bochum können Interessierte im Monat August eine Preisliste der städtischen Badeanstalt Wattenscheid von 1928 betrachten. Dabei lassen sich gleich mehrere Besonderheiten aus der vergangenen Zeit entdecken.

Das Volksbad in Wattenscheid wurde 1912 auf der damaligen Kaiserstraße in der Nähe der Hohenzollernschule errichtet. Heute ist der Standort namentlich unter der Graf-Adolf-Straße bekannt, in der sich die Pestalozzi-Schule befindet. Bereits ein Jahr später im Jahr 1913 wurde das Bad unter dem Namen „Kaiser-Wilhelm-Bad“ eröffnet. Allerdings handelte es sich dabei nur um eine Badeanstalt, da für ein Schwimmbecken das Geld fehlte.

Laut Verwaltungsbericht der Stadt hat sich die Bevölkerung über die Eröffnung des Bades gefreut. Es wurde „von weiten Kreisen der Bevölkerung als eine Quelle der körperlichen und geistigen Gesundung erkannt“, so das Stadtarchiv.

Antike Preistafel aus dem Ruhrgebiet: Preisliste aus Badeanstalt zeigt zwei Auffälligkeiten

Auf der ausgestellten Preisliste der Badeanstalt in Wattenscheid sieht man die Öffnungszeiten und einen Preisvergleich mit nahliegenden Badeanstalten in Bochum und Gelsenkirchen. Die Badeanstalt hatte zum Zeitpunkt ihrer Eröffnung nur drei Tage geöffnet. Die Kritik seitens der Bevölkerung blieb nicht aus.

Eine Preisliste aus dem Jahr 1928 zeigt Besonderheiten.

Im Jahr 1927 wurde in einem Artikel im „Volkswillen“ die geringe Auslastung, fehlende Werbung und die beschränkten Öffnungszeiten bemängelt. Diese Faktoren seien der Grund gewesen, weshalb viele Einwohner Badeanstalten in den Großstädten besucht hätten. Dieser Kritik hat man sich laut Stadtarchiv angenommen und die Badeanstalt von dem an jeden Tag geöffnet (mehr News aus dem Ruhrgebiet bei RUHR24).

Doch eine aus heutiger Sicht kaum vorstellbare Auffälligkeit lässt sich sofort erkennen: Frauen und Männer konnten nur zu unterschiedlichen Öffnungszeiten in die Badeanstalt. Für Frauen war das Bad Montag und Donnerstag geöffnet und für Männer dienstags, mittwochs und freitags.

Antike Preistafel aus dem Ruhrgebiet: Badeanstalt bot unterschiedliche Badeangebote an

Das Angebot in der Badeanstalt im Jahr 1928 gleicht nicht mehr der heutigen Vorstellung. So konnten neben einer einfachen Körperreinigung auch Wannen-, Brause- und Heilbäder in Anspruch genommen werden. Schwefel- Licht- und Dampfbäder waren ebenfalls möglich.

Dass sich das Angebot auf Preislisten im Laufe der Jahre stark verändern kann, hat bereits ein Relikt aus dem Schaufenster im März bewiesen. Im März 2022 war im Schaufenster eine ganz besondere Rarität aus der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg zu betrachten.

Das Bochumer Stadtarchiv zeigt jeden Monat ein historisches Relikt aus der Vergangenheit.

Auch Massagen wurden in der Badeanstalt angeboten, konnten allerdings nur in seltenen Fällen von den ansässigen Arbeitern bezahlt werden. Denn ungelernte Arbeiter haben im Jahr 1928 einen Stundenlohn von 48 bis 60 Pfennige erhalten. Ein gelernter Arbeiter bekam bis zu 87 Pfennige. Damit reichte das Geld für die Arbeiterschaft nur für ein „Bad der 2. Klasse“.

Im Jahr 1999 wurde die damalige Pestalozzi-Schule, die Badeanstalt und die Turnhalle abgerissen. Grund dafür war der schlechte Bauzustand und die Unwirtschaftlichkeit der Gebäude.

Die Ausstellung im Bochumer „Schaufenster Stadtgeschichte“ soll „einen Einblick in die bunte Vielfalt der historischen Zeugnisse, die zum kulturellen Erbe Bochums gehören“ geben. Interessierte können sich jeden Monat auf ein neues Ausstellungsstück freuen.

Rubriklistenbild: © Jochen Tack/Imago

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