Tarifvertrag gefordert

Black Friday 2020 - Streik bei Amazon heute: „falsche Behauptungen aus Eigeninteresse“

Am Tag der Super-Schnäppchenjagd am Black Friday, ruft Verdi - wie in fast jedem Jahr - die Beschäftigten in den Versandzentren von Amazon zu einem dreitägigen Streik auf.

Update, Freitag (27. November), 8.07 Uhr: Während viele Mitarbeiter heute am Black Friday bei Amazon die Arbeit im Streik niederlegen, wirft Amazon der Gewerkschaft Verdi vor, falsche Informationen zu verbreiten. Demnach würden aus Eigeninteresse falsche Behauptungen aufgestellt, so ein Pressesprecher des Konzerns.

Konkret geht es dabei um die Anschuldigung, Amazon würde sich nicht ausreichend um den Schutz vor einer Corona-Infektion der Mitarbeiter bemühen. „Die lokalen Gesundheitsbehörden in Deutschland bestätigen uns, dass wir für unsere Teams wirksame Schutzmaßnahmen eingerichtet haben“, erklärt Amazon. Seit Beginn der Pandemie seien weltweit umfassende Vorkehrungen getroffen worden, um die Mitarbeiter zu schützen.

Außerdem bekräftigt Amazon, dass der Streik keine Auswirkungen auf Kundenlieferungen haben werde. Zudem liege der Einstiegslohn aller Mitarbeiter im bestreikten Standort Werne bei 11,76 Euro pro Stunde. Mehr als der Mindestlohn von 9,35 Euro vorschreibt. Verdi fordert jedoch, dass Amazon die Tarifverträge des Einzelhandels anerkennt. Laut NRW-Tarifregister würde beispielsweise ein Packer bei einer 37,5 Stunden Woche 2.410 Euro im Monat verdienen. Das entspricht in etwa einem Stundenlohn von knapp 15 Euro.

Black Friday: Amazon-Mitarbeiter legen Arbeit im Streik nieder

Erstmeldung, Donnerstag (26. November), 12.20 Uhr: Werne /NRW - Pünktlich zum Start des Super-Sale am Black Friday ruft die Gewerkschaft Verdi die Beschäftigten an den Amazon Standorten in NRW in Werne (Kreis Unna) und Rheinberg (Kreis Wesel) dazu auf, ihr Arbeit niederzulegen. Der diesjährige Aufruf zum Streik reiht sich damit schon fast in eine gut gepflegte Tradition ein: Auch in den vergangenen zwei Jahren wurde bei Amazon an den Tagen rund um den Black Friday gestreikt.

UnternehmenAmazon
Umsatz280,5 Milliarden US-Dollar
CEOJeff Bezos

Streik bei Amazon kommt pünktlich zum Black Friday

Die Forderung der Gewerkschaft hat ebenfalls Wiedererkennungswert: Durch den Streik soll laut Deutscher Presseagentur (dpa) dagegen protestiert werden, dass das Unternehmen Amazon sich weigern würde, die Tarifverträge des Einzelhandels anzuerkennen und einen Tarifvertrag zu „Guter und Gesunder Arbeit“ zu unterschreiben.

Offenbar scheint es bislang kaum Bewegung in dem festgefahrenen Konflikt zwischen Amazon und Verdi zu geben. Und so könnte die Gewerkschaft auch in diesem Jahr zu weiteren Streiks an Schnäppchentagen wie an Cyber Monday und Black Friday, an dem auch Amazon mit satten Rabatten lockt, oder an umsatzstarken Tagen wie zum Weihnachtsgeschäft aufrufen - bis die Tarifverhandlungen wie von der Gewerkschaft gefordert von Amazon wieder aufgenommen werden.

In Werne hat der Streik bei Amazon nach Angaben von Verdi mit dem Schichtwechsel am Mittwoch um 22 Uhr begonnen und soll noch bis Samstag andauern. Für den heutigen Donnerstag (26. November) sei ein „Stiller Streik“ geplant. Auch aufgrund der Corona-Pandemie kamen viele Streikende gar nicht erst auf das Werksgelände. Am Black Friday (27. November) sei eine Kundgebung und ein Autokorso geplant.

Verdi ruft zum Steik bei Amazon an umsatzstarken Tagen wie Black Friday auf

Verdi kritisiert, dass den Mitarbeitern seit acht Jahren die geforderte tarifvertragliche und existenzsichernde Entlohnung vorenthalten würde. „Gleichzeitig macht der Konzern mit dem reichsten Mann der Welt an der Spitze durch Coronavirus-Pandemie, Black Friday, Cyber Monday und im Weihnachtsgeschäft riesige zusätzliche Milliardengewinne“, so Orhan Akman, von Verdi. Auch Schutzmaßnahmen würden in den Versandzentren von Amazon missachtet, so die Gewerkschaft weiter. Mehrere hundert Mitarbeiter hätten sich bereits mit Corona infiziert (mehr News zu Corona in NRW).

Nach Angaben der Stadt arbeiten am Amazon-Standort in Werne derzeit rund 1.500 Beschäftigte. Verdi geht davon aus, dass davon rund 300 Beschäftigte an dem Streik teilnehmen. Auch der Deutsche Gewerkschaftsbund unterstützt den Streik. „Ihr habt meine und unsere volle Solidarität“, soll der DGB-Vorsitzende Reiner Hoffmann laut Verdi in einem Brief an die Beschäftigten geschrieben haben. 

Rubriklistenbild: © Guido Kirchner/dpa

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