Knast-Bienen: Verbrecher kümmern sich um 3 Millionen Bienen - das soll den Häftlingen helfen

Sebastian Laubach, Justizbeamter, kontrolliert einen Bienenstock. In NRW werden Häftlinge im Kampf gegen das Bienensterben aktiv. Foto: dpa
+
Sebastian Laubach, Justizbeamter, kontrolliert einen Bienenstock. In NRW werden Häftlinge im Kampf gegen das Bienensterben aktiv. Foto: dpa

Rund drei Millionen "Knast-Bienen" werden in Gefängnisen von Sträflingen betreut. So sollen Inhaftierte verantwortungsbewusstere Menschen werden.

Rund drei Millionen "Knast-Bienen" werden in nordrhein-westfälischen Justizvollzugsanstalten (JVA) von Sträflingen betreut. Das Projekt solle aus den Inhaftierten verantwortungsbewusstere Menschen machen, schreibt die Deutsche Presse-Agentur.

Die fürsorgliche Arbeit mit den Bienen ist ein ungewöhnliches Programm in einem reinen Männer-Gefängnis. Denn dort tun sich viele harte Jungs sonst eher über Muskeln und Macho-Gehabe hervor. Aber das Projekt ist erfolgreich.

Inzwischen kümmern sich drei Anstalten um Bienen

An dem 2016 in der JVA Remscheid gestarteten Programm beteiligen sich inzwischen drei weitere Anstalten: Schwerte, Castrop-Rauxel und Gelsenkirchen. Die Arbeit wird dabei zwischen den Anstalten aufgeteilt. In manchen schreinern die Häftlinge Bienenhäuser, in anderen fertigen sie Wachsplatten, pflegen die Bienen oder ernten und schleudern Honig.

+++ Oma lässt sich freiwillig verhaften - Grund dafür ist super niedlich +++

"Die Haltung von Bienen durch Justizvollzugsanstalten ist eine kreative Idee", sagte NRW-Justizminister Peter Biesenbach (CDU) der dpa. "Mit der Pflege der Bienen übernehmen unsere Gefangenen Verantwortung für andere Lebewesen und entwickeln Umweltbewusstsein." Gleichzeitig wirkten sie dem Insektensterben entgegen und hätten durch ihre Arbeit Erfolgserlebnisse. Aber auch bei Imkern sind Bienen nicht immer sicher, in Bochum wurden kürzlich zehntausende Bienen gestohlen.

Häftlinge betreuen 68 Bienenvölker - das sind fast vier Millionen Bienen

Bislang werden durch die Gefängnisse 68 Bienenvölker mit einer mit drei bis vier Millionen Tieren betreut. Die Anstalten unterhalten eigene Bienengärten und kooperieren mit örtlichen Obstbauern. Außerdem werden Bienenhäuser gebaut und Honig verkauft.

"Die Schonung der Umwelt und die Erhaltung unserer Lebensgrundlagen ist ein zentrales Thema unserer Zeit und eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, an der auch der Justizvollzug mitwirken kann", so der Minister.

"Ein Fehler, ein Stich - und dann tut es weh"

Initiator der Honigproduktion ist der Chef der JVA-Arbeitsverwaltung Jürgen Krämer. Er ist überzeugt von der Wirkung des Projekts. "Wer mit Bienen arbeitet, muss sich an Regeln halten, sonst folgt die Bestrafung sofort: ein Fehler, ein Stich - und dann tut es weh."

Aber nicht nur Häftlinge beschäftigen sich mit den Bienen, auch die Polizei möchte Bienen bei ihrer täglichen Arbeit als Unterstützung haben - und den Drogenspürhund ablösen.

In dem Projekt sieht Krämer einen weiteren Vorteil: "Das ist ein Integrationsprogramm für jeden: für Flüchtlinge, für Häftlinge aus der Türkei, Nordafrika, Russland oder dem Nahen und Fernen Osten, die oft kaum Deutsch sprechen, ebenso wie für viele andere, die nur diese eine Chance haben. Das sind die, die sonst in allen Knästen Theater machen und nur auf Zelle hängen."

Krämer hofft, dass viele Häftlinge aus dem Bienen-Programm sich später in der Freiheit Imker-Vereinen anschließen. Anders als bei der meist frustrierenden Jobsuche frage hier niemand, was sie in den vergangenen Jahren getan hätten, meint er. Mit dpa-Material