Ex-Kollege packt aus

„The final Chapter“: Anonymous Kollektiv kapert sämtliche Kanäle von Attila Hildmann

Für Attila Hildmann war es sicherlich ein Schock, als er morgens seinen Telegram checken wollte: Aktivisten der Gruppe Anonymous haben seine Seiten gehackt – und drohen mit Konsequenzen.

Deutschland – Schwarzer Hintergrund, ein sich drehendes Symbol, ein grüner Streifen, der horizontal durch das Bild läuft und ein Video: Das ist der Anblick, der sich Besuchern der Website von Attila Hildmann aktuell auftut. Das Anonymous Kollektiv hat die Seiten des Verschwörungstheoretikers gehackt. Ihn erwartet offenbar noch mehr – es soll das „Final Chapter“ sein.

PersonAttila Hildmann
Geboren22. April 1981 (Alter 40 Jahre), Berlin
ElternUrsel Hildmann

Anonymous übernimmt Seiten und Telegram von Attila Hildmann: „The final Chapter“

„Hallo Welt, hallo Europa, hallo Deutschland, hallo Attila Hildmann.“ So beginnt das Video, das eine Person mit der für die Anonymous-Bewegung typischen Guy-Fawkes-Maske zeigt.

Dort, wo sonst vegane Kochbücher beworben werden, folgt nun eine knapp fünfminütige Ansage an den Koch. Er habe in der Corona-Pandemie traurige Berühmtheit durch krude Verschwörungstheorien und rechtes Gedankengut erlangt.

Anonymous kapert Internet-Auftritt von Attila Hildmann: Teil der Operation Tinfoil

Mitglieder des Anonymous Kollektiv, der deutsche Arm der Hacker-Gruppe, gehen gegen Verschwörungstheorien im Netz vor. Die Operation Tinfoil soll auf eben solche Mythen aufmerksam machen. Tinfoil, also Alufolie, ist dabei eine Anspielung auf Aluhüte. Kaum verwunderlich, dass auch Attila Hildmann, der ebenso wie Xavier Naidoo seine Thesen auf Telegram verbreitet, in den Fokus der Internet-Aktivisten geriet.

In dem Video, das sowohl die Website als auch die Telegram-Kanäle des Kochs ziert, erklärt der Anonymous-Vertreter das die Aktivisten die Daten haben – Daten von ihm, seinen Followern, seinen Partnern. Der Hack-Angriff dürfte die Reichweite von Attila Hildmann enorm beeinträchtigen.

Attila Hildmann machte sich in der Corona-Pandemie einen Namen mit seinen Verschwörungstheorien.

Anonymous: Ex-Weggefährte liefert Informationen von Attila Hildmann

Der Hintergrund der öffentlichkeitswirksamen Aktion: Ein langer Weggefährte des Kochs soll mit dem Anonymous Kollektiv in Kontakt getreten sein. Er soll sich schon im Oktober 2020 von Attila Hildmann habe trennen wollen, berichtet ein Blog von Anonleaks, dem Sprachrohr der Bewegung.

Grund seien unter anderem zunehmende rechtsextreme Äußerungen: „Hitler, Hakenkreuze, Nationalsozialismus, Bilder, Texte auch auf anderen Geräten, schon vor 2018 … Attila sei krank“, heißt es im Blog.

Anonymous droht Attila Hildmann: Mehr ist in den kommenden Tagen zu erwarten

Der IT-Experte, der jetzt Attila Hildmann den Rücken zukehrte, lieferte Anonymous dann Hintergrundinformationen. Und vereinfachte die Übernahme der Kanäle, wo er teilweise ohnehin schon als Owner agierte, erklärt der Blog. Es soll das Final Chapter der Hildmann-Chroniken sein.

Jetzt droht dem 40-Jährigen noch mehr, wie der Anonymous-Sprecher im Video ankündigt: „Ein weinerliches Kind, dessen wahres Gesicht wir in den nächsten Tagen Behörden und Presse offenbaren werden.“

Anonymous im Krieg mit Attila Hildmann: Dem Koch drohen böse Zeiten

Die Fixierung auf Attila Hildmann hat einen Grund. „Mit der Operation Tinfoil möchte Anonymous auf die Gefahr von Verschwörungsmythen aufmerksam machen. Mittlerweile gibt es so krude Mythen oder Ideologien, welche man nicht mehr mit „das ist doch nur Spinnerei“ abtun kann. Hildmann war sowohl medial als auch in den sozialen Netzwerken einer der lautesten. Er stachelt Menschen mit Hass und Lügen an, daher wurde mit ihm angefangen“, erklärte einer der Aktivisten gegenüber T-Online.

Die Reaktion Hildmanns ließ nicht lange auf sich warten: Inzwischen hat er bereits einen neuen Telegramchannel eröffnet, in dem er die Übernahme durch die Aktivisten via Sprachnachricht bestätigte. Der Koch hat im Zuge der Corona-Pandemie bereits im Frühjahr 2020 Anonymous den Krieg erklärt. Jetzt holte das Kollektiv zum Gegenangriff aus. Und der Blick auf seine Website dürfte Attila Hildmann kochen lassen vor Wut – natürlich vegan.

Rubriklistenbild: © Stefanie Loos/Philip Fong/AFP

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