„Wer erklärt, verliert!“

Armin Laschet: Vertrauter von Barack Obama offenbart Fehler des NRW-Kandidaten

Julius van de Laar, Ex-Wahlkämpfer des ehemaligen US-Präsidenten Barack Obama, hat für den Wahlkampf und die Wahl von Armin Laschet zum Kanzler eine düstere Aussicht.

Düsseldorf – Julius van de Laar ist Kampagnenexperte und arbeitete mit dem ehemaligen US-Präsidenten Barack Obama in seinen beiden Wahlkämpfen 2008 und 2012 zusammen. Bei Armin Laschet (CDU) sieht der aus Deutschland stammende Top-Berater aktuell schwarz.

PolitikerArmin Laschet
ParteiCDU
AmtNRW-Ministerpräsident und CDU-Kanzlerkandidat

Armin Laschet: Ex-Wahlkämpfer von Barack Obama – guter Start aber schwaches Krisenmanagement

In einem Interview mit der Taz äußert sich Julius van de Laar über Wahlkampf, Auftreten und die Wahl. Dabei hat er zunächst ein Lob für den NRW-Ministerpräsidenten parat. Das Frühjahr 2021 sei clever gewesen.

Armin Laschet und die CDU haben Deutschland ein „Update“ verpassen wollen. Die Grünen haben jedoch von einer „Revolution“ gesprochen. Die meisten Deutschen scheuten eine Revolution und so sei es richtig gewesen, auch bei zahlreichen Fehlern von Annalena Baerbock (Die Grünen), die Füße still gehalten zu haben.

Doch die Probleme seien für Armin Laschet zum einen mit dem CDU-Wahlprogramm und erst richtig mit der Flut gekommen. Beim Wahlprogramm habe er es nicht geschafft zu definieren, wofür er überhaupt steht, was er für ein Bundeskanzler sein wollen würde, so Julius van de Laar (alle News zu Armin Laschet bei RUHR24).

Die Flutkatastrophe in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz sei jedoch viel verheerender für das allgemeine Bild des konservativen Kanzlerkandidaten gewesen. Zum einen sei da das Lachen während der Rede von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier gewesen.

Armin Laschet hat besonders in der Krise zu viele Fehler gemacht und diese dann zu korrigieren versucht

Zum anderen habe das Bild, in dem CDU-Kanzlerkandidat Armin Laschet unter einem Schirm steht und mit einem Bürger spricht, die Message hinterlassen, dass er die Menschen im Regen stehen lasse. Und das obwohl, zu sehen in einem anderen Blickwinkel des Bildes, auch der besagte Bürger unter einem Schirm gestanden hat.

NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) stellt sich den kritischen Fragen der Flutopfer.

Das Problem aus der Sicht des Kampagnenexperten Julius van de Laar: Das CDU-Wahlkampfteam habe zu lange damit verbracht, die Fehler zu erklären. „Wer erklärt, verliert“, so der Kampagnenexperte gegenüber der Taz.

Stattdessen hätte man versuchen sollen, die Deutungshoheit mit neuen Informationen, wie der Wiederaufbau gelingt, wiederzugewinnen. Das habe Armin Laschet erst drei Wochen später in einer Sondersitzung des NRW-Landtags in Düsseldorf gemacht. Das Problem: Solche Fehler verfestigen sich in den Köpfen der Menschen.

Die Flut hätte das Momentum für den Wahlkampf von NRW-Ministerpräsidenten Armin Laschet sein müssen

Im Gegensatz zu Armin Laschet haben Rheinland-Pfalz-Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) in dem Moment die richtigen Bilder produziert. Sie sind zusammen durch das Krisengebiet gelaufen und haben Empathie gezeigt.

Ideal wäre gewesen, wenn NRW-Ministerpräsident Armin Laschet sofort Annalena Baebrock und Olaf Scholz eingeladen hätte. Die Botschaft wäre gewesen:

„Wir müssen gemeinsam als Team die besten Ideen finden – unter meiner Leitung, versteht sich von selbst. So werde ich Deutschland auch in den kommenden Jahren durch die Krise navigieren“, so Julius van de Laar.

Wahlkampf 2021: Die aktuellen Bilder der Katastrophen sind schlecht für Armin Laschet

Die Flutkatastrophe 2002 an der Oder habe eigentlich die Blaupause für ein erfolgreiches Bild in der Öffentlichkeit in einer Katastrophe abgegeben. Während SPD-Kanzler Gerhard Schröder mit Gummistiefeln mit anpackte, stand CDU/CSU-Herausforderer Edmund Stoiber in feinen Klamotten im Flutgebiet. Die Wahl gewann der SPD-Kanzler.

Doch wie sieht es jetzt für die heiße Phase des Wahlkampfes 2021 aus? Armin Laschet, so Julius van de Laar, müsse mehr über die Zukunft und nicht über die Vergangenheit sprechen. Er müsse in den Fokus setzen, dass Deutschland ein Update brauche. Zudem sei Polarisierung wichtig - es sei wichtig einen Kontrast zu den politischen Konkurrenten herauszuarbeiten.

Das Problem für NRW-Ministerpräsidenten Armin Laschet: Die Frage werde sein, ob die Idee eines einfachen Updates bei den ganzen katastrophalen Bildern mit Waldbränden, Flutkatastrophen und Hitzewellen in Deutschland, Europa und der ganzen Welt ankommt.

Julius van de Laar äußert sich gegenüber der Taz, dass diese Bilder, so zynisch es auch klinge, eher den Grünen in die Karten spielen würden.

Rubriklistenbild: © Rolf Vennenbernd; dpa, Sven Hoppe; dpa / Collage: RUHR24

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