In den Tagesthemen

Armin Laschet irritiert Moderatoren in ARD-Interview zu Afghanistan: „Hickhack“

NRW-Ministerpräsident Armin Laschet hat sich am Montagabend in den ARD-Tagesthemen zu Afghanistan geäußert. Moderator Ingo Zamperoni reagierte teils irritiert.

Düsseldorf – Die Bilder von sich an Flugzeugenden klammernden Afghanen gehen derzeit um die Welt. Die schnelle Rückeroberung des Landes am Hindukusch sorgt auch in Deutschland für Diskussionen. Etwa um die Frage, ob sich die Flüchtlingssituation von 2015 wiederholen dürfe. NRW-Ministerpräsident Armin Laschen (CDU) findet: „2015 darf sich nicht wiederholen.“

NameArmin Laschet
AmtNRW-Ministerpräsident
ParteiCDU

Armin Laschet: Schlagabtausch zu Afghanistan TV-Interview in den ARD-Tagesthemen

Diese Worte sprach Laschet jedenfalls am Montagmittag (16. August) noch in etliche TV-Kameras. Am Abend dann stellte sich der CDU-Vorsitzende den Fragen von Ingo Zamperoni in den ARD-Tagesthemen. Und dort hakte der Moderator nach: Ob angesichts der Bilder verzweifelter Menschen Laschets einzige Sorge sei, dass sich 2015 nicht wiederholen dürfe?

Laschet reagiert genervt. Er habe das nicht so gemeint, wolle auch Ortskräfte, die der Bundeswehr jahrelang halfen, und die von den Taliban unterdrückten Frauen nach Deutschland holen. Jedenfalls so viele wie möglich. Wie viele genau, dazu machte Laschet zunächst keine Angaben.

Afghanistan: Armin Laschet will Situation mit Flüchtlingen wie 2015 verhindern

Und was ist mit seinem 2015er-Statement? Laschet erläutert, dass er lieber den Menschen vor Ort in der Region helfen wolle, damit diese dort bleiben könnten.

Ingo Zamperoni reagiert irritiert, verweist auf die vielen Menschen, die Afghanistan aus Angst vor den Taliban verlassen wollen und sich in ihrer Verzweiflung sogar an Flugzeuge klammern. „Diese Menschen hatten sich auf uns verlassen, die fühlen sich jetzt im Stich gelassen“, sagt Zamperoni, und weiter „so viele werden wir da gar nicht mehr herausholen können.“ (Hier weitere News zu Armin Laschet bei RUHR24 lesen.)

Armin Laschet zu Afghanistan: „Die Zeit der Rettung“

Laschet lenkt jetzt ein. Ja, man müsse diejenigen, die sich auf die Deutschen verlassen hätten, aus dem Land bringen. Damit meint Laschet die sogenannten Ortskräfte, die der Bundesregierung in der Entwicklungszusammenarbeit und der Bundeswehr vor Ort unter die Arme gegriffen hätten. Es sei jetzt „die Zeit der Rettung“, predigt Laschet.

Ein Airbus A400M der Bundeswehr soll Deutsche und afghanische Ortshelfer vom Flughafen in Kabul retten.

Zamperoni verweist abermals auf das Zitat des NRW-Ministerpräsidenten „2015 darf sich nicht wiederholen“, wirft ihm vor, aktuell lieber „innenpolitische Botschaften“ zu versenden. Doch Laschet wiegelt ab: Er wolle dieses Mal „koordiniert“ vorgehen und nicht riskieren, dass, wie 2015, „wieder eine Million Menschen vor der deutschen Grenze“ stünden.

Armin Laschet gibt Fehler der Bundesregierung in Afghanistan zu

Jetzt tappt der Kanzlerkandidat der CDU in die Falle. So fordert Laschet, „jetzt proaktiv und humanitär zu helfen“. Zamperoni grätscht rein: „Aber dazu ist es jetzt zu spät“. Laschet gibt schließlich zu, dass die Bundesregierung eine „Fehlkalkulation“ gemacht habe.

Auf Zamperonis Hinweis, er selbst, Laschet, habe Anfang August noch für Abschiebungen nach Afghanistan gedrängt, entgegnet dieser: „Herr Zamperoni, es geht um wenige Fälle schwer krimineller Vergewaltiger und Anderer“. Er habe sich auf die Aussagen des Auswärtigen Amtes verlassen, wonach eine Abschiebung nach Afghanistan vor zwei Wochen noch möglich gewesen sei.

Afghanistan: Armin Laschet will jetzt kein „parteipolitisches Hickhack“

Jetzt holt Zamperoni seinen Joker aus der Tasche: Die Grünen hätten bereits Ende Juni gefordert, Ortskräfte aus Afghanistan zu retten. Dagegen habe die Bundesregierung und damit auch die CDU gestimmt. Jetzt weicht Laschet aus, verspricht, alles aufzuarbeiten und Konsequenzen zu ziehen. „Aber jetzt sind wir mitten in diesem Rettungseinsatz, das hat doch jetzt keinen Sinn, dass wir jetzt (...) in dieses parteipolitische Hickhack verfallen.“

Rubriklistenbild: © Uncredited/Verified UGC/AP/dpa, ARD; Collage: RUHR24

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