Historisch schlechte Werte

Laschet im Wahlkampf-Sinkflug: Sogar ein alter Vertrauter fällt ihm in den Rücken

NRW-Ministerpräsident Armin Laschet taumelt als Kanzlerkandidat der Union einer krachenden Wahlniederlage entgegen. Kritik kommt längst nicht mehr nur von außerhalb.

Dortmund – Weniger als drei Wochen vor der Bundestagswahl 2021* sieht es für die Union um Kanzlerkandidat Armin Laschet* alles andere als gut aus. Die Umfragen aller großen Meinungsforschungsinstitute sehen die SPD zum Teil deutlich vor der CDU und CSU. Im Lager der Union wird man zunehmend nervös, weiß RUHR24*.

PolitikerArmin Laschet
Geboren18. Februar 1961 (Alter 60 Jahre), Aachen
AmtMinisterpräsident des Landes Nordrhein-Westfalen
ParteiCDU

Laschet stürzt in Wahl-Umfragen weiter ab – NRW-Innenminister Reul kritisiert Wahlkampf der Union

Obwohl sich Laschet – nicht nur bei umstrittenen Diskussionen mit Querdenkern* – weiter kämpferisch gibt, scheint man innerhalb der Union allmählich das drohende Schicksal bei der Bundestagswahl am 26. September zu begreifen. Das jüngste Beispiel dafür lieferte Herbert Reul (CDU), Innenminister von Nordrhein-Westfalen*, am Rande einer Veranstaltung der Seniorenunion in Hamburg.

„Wir waren zu träge und haben gedacht: Wir gewinnen sowieso. Wir haben verlernt zu kämpfen und unser zentrales Anliegen klarzumachen. Nur den Kanzler stellen reicht nicht“, sagte der 69-Jährige dort. Seine Worte klingen mehr nach Aufgabe als nach Kampfansage. Es sind Sätze, die man eher nach der möglichen Niederlage am Wahlabend erwartet hätte – und nicht mitten in der heißen Phase des Wahlkampfs.

Anlass für diese schon beinahe fatalistische Haltung geben die aktuellen Umfragewerte allemal. Besonders die am Dienstag (7. September) vorgelegte Erhebung des Instituts Forsa für RTL und n-tv hat es in sich. CDU und CSU kamen darin nur noch auf 19 Prozent. „Das dürfte der niedrigste Wert sein, den jemals ein Institut seit 1949 für die Union ermittelt hat“, hieß es von Forsa dazu.

Umfrage-Debakel für Laschet und CDU/CSU – Forsa ermittelt historisch schlechten Wert

Der Umfrage-Sturzflug der Union um Kanzlerkandidat Armin Laschet* dauert gewiss schon länger an. Dass jedoch quasi wöchentlich neue Tiefstwerte für CDU und CSU verzeichnet werden, ist aber überraschend. Die SPD um Kanzlerkandidat Olaf Scholz ist mittlerweile weit enteilt, liegt laut Forsa bei 25 Prozent und damit sechs Prozentpunkte vor der Union.

Zunehmend scheint die Union in den Rückspiegel blicken zu müssen. Denn die Grünen liegen laut der aktuellen Erhebung nur noch zwei Prozentpunkte hinter der lange Jahre stärksten Kraft in Deutschland. Das „Urteil“ von NRW-Innenminister Herbert Reul ist deshalb durchaus nachvollziehbar. Brisant ist es dennoch.

Laut NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) war die Union im Wahlkampf zu lange zu träge und siegessicher.

Denn der CDU-Politiker gilt als enger Vertrauter von Armin Laschet. Seit dem Sieg bei der Landtagswahl 2017 gehört Reul dem Kabinett Laschet als Innenminister des Landes Nordrhein-Westfalen an. Dass er den Wahlkampf der Union, dessen Gesicht zuvorderst Kanzlerkandidat Laschet ist, derart scharf kritisiert, ist gewiss kein Freundschaftsdienst. Rückendeckung sieht anders aus.

NRW-Innenminister Reul fordert Wahlkampf-Schlussoffensive – Kritik an „machtgeilen“ Grünen

Ob Reul nicht gemeinsam mit seinem Noch-Vorgesetzten untergehen will? Die Zustimmungswerte für Laschet sind katastrophal, das wird auch Reul sehen. In der Forsa-Umfrage zur Kanzler-Direktwahl erreicht der NRW-Ministerpräsident nur noch neun Prozent – zwei weniger als in der Vorwoche. Annalena Baerbock (Grüne) liegt bei 15 Prozent, Olaf Scholz bei 30 Prozent.

So ganz scheint der nordrhein-westfälische Innenminister dann aber doch noch nicht aufgegeben zu haben. Reul forderte in Hamburg eine Schlussoffensive. „Wir brauchen jetzt ein Thema, ähnlich wie die Grünen das Klima haben“, so Reul. Er sei davon überzeugt, dass das in den nächsten Tagen gelinge.

Zudem knöpfte sich der 69-Jährige die Grünen vor. Dass Annalena Baerbock jüngst erklärte, mit der SPD regieren zu wollen, wundere ihn nicht. „Ich habe noch nie so eine machtgeile Partei erlebt wie die Grünen“, sagte Reul. „Hauptsache Posten“, würde bei den Grünen gelten. Die Grünen würden „riechen, dass sich der Wind dreht“ und deshalb „in Richtung SPD marschieren“. *RUHR24 ist Teil des Redaktionsnetzwerks von IPPEN.MEDIA.

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