Faktencheck

Armin Laschet meint: Das Tempolimit spielt für das Klima keine Rolle – stimmt das?

Der Klimawandel ist das wichtigste Thema im Wahlkampf vor der Bundestagswahl 2021. Armin Laschet (CDU) hat zuletzt mit einem Statement zum Tempolimit bei Elektroautos aufhorchen lassen. Was ist dran?

Diese Debatte ist ein Klassiker in der Deutschen Politiklandschaft: der Streit ums Tempolimit. Jemand Kluges hat mal gesagt, diese Diskussion sei nur mit der um schärfere Waffengesetze in den USA zu vergleichen. Das dürfte in etwa hinkommen. Zuletzt hatte CDU-Kanzlerkandidat Armin Laschet mit einer Aussage zum Tempolimit aufhorchen lassen.

Armin Laschet (CDU) behauptet: Ein Tempolimit spielt für die Umwelt keine Rolle

Laschet nannte die Debatte über ein pauschales Tempolimit am 5. Juli im Kölner Stadt-Anzeiger „unsinnig“ und fragte zudem:

„Warum soll ein Elektrofahrzeug, das keine CO2-Emissionen verursacht, nicht schneller als 130 fahren dürfen? Das ist unlogisch. Wenn das Elektroauto nur noch 130 fahren darf, ist dem Klima nicht geholfen.“

Armin Laschet (CDU)

Das klingt zunächst schlüssig, denn bei Elektroautos werden ja für einen vollgeladenen Akku bereits Energieträger in Strom umgewandelt, bevor sie überhaupt losgefahren sind – durch erneuerbare Energien, aber auch Kohle- und Atomkraftwerke. Daher lässt sich das so einfach natürlich nicht rechnen. Die Aussage von Armin Laschet zum Tempolimit sorgte für Empörung. Auch, weil er einem generellen Tempolimit für alle Autos eine Absage erteilt.

Armin Laschet: Debatte um Tempolimit „unsinnig“ – Umweltbundesamt belegt den Nutzen

Zu den Auswirkungen eines generellen Tempolimits konstatiert das Umweltbundesamt in einer Studie von 2020: „Die Begrenzung der Geschwindigkeit in Form eines generellen Tempolimits auf Bundesautobahnen würde die Klimawirkung des Verkehrs verringern“ (alle News zu Wetter und Klima auf RUHR24).

Genauer: Bereits Tempo 130 würde den Ausstoß um 1,9 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente (ein Vergleichswert für Treibhausgase) auf dann 37,2 Millionen Tonnen senken. Nicht viel, aber immerhin. Bei Tempo 120 oder 110 wäre der Effekt deutlicher. Und Deutschland muss ohnehin den CO2-Ausstoß im Verkehr mindern, sonst drohen den Autobauern Strafzahlungen in Milliardenhöhe an die EU. Kein Wunder also, dass plötzlich Deutsche E-Autos auf den Markt kommen.

Tempolimit für Elektroautos: Höchstgeschwindigkeit und Reichweite im Vergleich

Mit dem Statement zum Tempolimit für E-Autos suggeriert Armin Laschet zudem, den Fahrern würde etwas weggenommen, obwohl sie bereits vorbildlich handelten. Das Recht, auf der Deutsche Autobahn so schnell fahren zu dürfen, wie man möchte. Zum Vergleich: In jedem anderen Land der EU gilt längst ein generelles Tempolimit von höchstens 130 Kilometern in der Stunde. In Norwegen ist sogar bereits bei Tempo 90 Schluss.

Elektroautos haben eine bessere CO2-Bilanz, als Verbrenner.

Studien legen zudem nahe, dass ein Tempolimit die Autobahnen sicherer machen würde. Dass, wie Laschet behauptet, gerade Fahrer von Elektroautos gerne schnell fahren, ist zumindest fraglich. Das zeigt allein ein Blick auf die Höchstgeschwindigkeiten kleiner und mittlerer E-Autos:

AutoHöchstgeschwindigkeit
Toyota Prius170 km/h
BMW i3150 km/h
VW id.3160 km/h

Der Toyota Prius schafft als Plug-in-Hybrid rein elektrisch höchstens 135 Sachen. Beim Zukunftsauto von VW ist der Stromverbrauch auf der Autobahn am größten, die Reichweite sinkt entsprechend drastisch. Das bedeutet: Wer mit einem Elektroauto schnell fahren will, kommt weniger weit und muss mehr zeitraubende Stopps fürs Aufladen einplanen. Keiner der hier angegeben Hersteller wirbt großartig mit der Höchstgeschwindigkeit seiner Fahrzeuge.

Elektroautos geben am wenigsten Treibhausgase ab – und sind deshalb besser fürs Klima

Stattdessen sind Reichweite und Sparsamkeit bei Elektroautos die wichtigeren Stichworte. Dass sich das auch aufs Klima auswirkt, belegt eine aktuelle Studie des Bundesumweltministeriums (PDF) von 2021:

Im Ergebnis liegen die Treibhausgasemissionen eines heutigen Elektrofahrzeugs der Kompaktklasse über den gesamten Lebensweg niedriger, als bei vergleichbaren Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor.

Bundesumweltministerium

Insgesamt stößt ein E-Auto über seinen Lebenszyklus derzeit rund 30 Prozent weniger schädliche Klimagase aus, als ein Benziner. Im Vergleich zum Diesel sind es 23 Prozent weniger.

Laut dem Europäischen Parlament sind Autos für 60 Prozent der europaweiten CO2-Emission im Verkehr verantwortlich. Bereits 2019 hieß es in einer Stellungnahme: „Unter Berücksichtigung des durchschnittlichen Energiemixes in Europa erweisen sich Elektroautos dennoch bereits heute als sauberer als benzingetriebene Fahrzeuge.“

Das Gute: Je höher der Anteil der erneuerbaren Energien am Strommix und je hochwertiger die (recyclebaren) Batterien, umso besser wird diese Bilanz automatisch. Das ist gut fürs Klima.

Faktencheck: Armin Laschet macht irreführende bis falsche Aussage zu Tempolimit und E-Autos

Die Aussage von Armin Laschet ist damit gleich mehrfach irreführend bis falsch. Denn selbstverständlich sorgt auch ein E-Auto in seinem Lebenszyklus für CO2-Emissionen. Sie sind bloß deutlich geringer, als bei Verbrennern.

Durch ein generelles Tempolimit könnten wir in Deutschland zudem einen weiteren Beitrag zum Klimaschutz leisten. Denn wenn alle Autos nur höchstens 130 km/h fahren dürfen, wird automatisch weniger Energie verbraucht. Das gilt auch für Elektroautos – sofern sie das Tempolimit (rein elektrisch) überhaupt erreichen.

Faktenchecks vor der Bundestagswahl 2021

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