Bundestagswahl 2021

Armin Laschet: Psychologe sieht erstaunlichen Grund für Reaktion nach der Wahl

Trotz verlorener Wahl wollte CDU-Chef Armin Laschet Kanzler werden. Viele sprachen von Realitätsverlust. Ein Psychologe erklärt nun, wie es zu dieser Reaktion kam.

Dortmund – Bei der Bundestagswahl 2021 haben CDU und CSU eine historische Schlappe erlitten. Mit dem Kanzlerkandidaten Armin Laschet holte die ehemalige Volkspartei nur 24,1 Prozent der Zweitstimmen. Selbst die SPD mit Kanzlerkandidat Olaf Scholz zog mit 25,7 Prozent der Stimmen vorbei. Doch so recht eingestehen wollte sich der Verlierer Armin Laschet das bislang nicht.

PolitikerArmin Laschet (60)
ParteiCDU
Aktuelles AmtNRW-Ministerpräsident, CDU-Chef

Armin Laschet (CDU) und die Wahlniederlage: Parteimitglieder forderten Rücktritt

Stattdessen meldete Armin Laschet kurz nach der Wahl weiter einen Anspruch aufs Kanzleramt an. Keine Partei hätte einen eindeutigen Regierungsauftrag, argumentierte er. Kanzler könne nur werden, wessen Koalition eine Mehrheit im Bundestag bekomme.

Daran, die Wahlniederlage anzuerkennen und die Konsequenzen zu ziehen, dachte Laschet wohl nicht. Gratuliert hatte er Olaf Scholz bislang nur zu Stimmenzuwächsen bei der Wahl. Die Süddeutsche sprach von „Selbstbetrug“, der Spiegel nannte Laschet zuletzt einen „Untoten“. Nur einen Tag nach der Bundestagswahl wurden bereits Stimmen aus der eigenen Partei laut, die den Rücktritt von Armin Laschet als CDU-Chef forderten.

Psychologe erklärt Reaktion von Armin Laschet (CDU) nach Wahlschlappe

Der Diplom-Psychologe und Unternehmensberater Ulrich Kuhl erklärte nun in einem Interview mit der WAZ, wie es zu Laschets Reaktion auf die Niederlage bei der Bundestagswahl 2021 kam. Demnach fehlte ihm nach der ersten Enttäuschung die etwa im Sport übliche Einsicht. „Jemand hätte Laschet dringend klarmachen müssen: Du hast nicht gewonnen, das müssen wir anerkennen.“

Doch auch auf Stimmen aus der eigenen Partei hatte Armin Laschet nicht gehört. Ellen Demuth, CDU-Landtagsabgeordnete aus Rheinland-Pfalz, schrieb nur einen Tag nach dem Wahldebakel: „Armin Laschet, Sie haben verloren. Bitte haben Sie Einsicht. Wenden Sie weiteren Schaden von der CDU ab und treten Sie zurück.“

Armin Laschet wird nach der Bundestagswahl 2021 seinen Posten als Ministerpräsident von NRW abgeben.

Armin Laschet nach der Wahl: Psychologe sieht „Überforderung“ als Grund für patzige Art

Viele wunderten sich zudem über die ungewöhnlich angefasste, fast patzige Art von Armin Laschet. Der sonst als diplomatisch und onkelig geltende Politiker reagierte mitunter ungehalten auf Fragen von Journalisten zur Regierungsbildung und seiner Zukunft.

Doch auch dafür hat der Psychologe laut dem Interview eine Erklärung: „Menschen, die vor aller Augen in Überforderungssituationen geraten, können sich daraus unheimlich schwer befreien“, sagt er der WAZ. Gerade solche, die als harmoniebedürftig gelten, würden dann „hart auskeilen“, um Härte und Stärke zu zeigen. Das befremde dann umso mehr.

Laschets integrative und moderierende Art passe zwar zum Posten als CDU-Chef. Doch er habe nicht zeigen können, dass er die für das Kanzleramt nötigen Führungsstärke und Handlungsfähigkeit in kritischen Situationen besitze, sagt Psychologe Ulrich Kuhl.

Armin Laschet: Zukunft als CDU-Chef unklar – Nachfolger als NRW-Ministerpräsident gesucht

Wie es nach der CDU-Wahlpleite der Union mit Armin Laschet weitergeht, bleibt abzuwarten. Er hat über die CDU-Landesliste in NRW einen Platz im Bundestag ergattert. Da sein bisheriger Posten als Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen mit einem Bundestagsmandat nicht vereinbar ist, wird er also sicher nach Berlin gehen. Dass Laschet dort die Fraktion in der Opposition führen könnte, schloss der amtierende Unionsfraktionschef Ralph Brinkhaus (CDU) bereits aus.

Derweil sucht die schwarz-gelbe NRW-Landesregierung bereits nach einem kurzfristigen Nachfolger als Ministerpräsidenten. Hoch gehandelt wird etwa Verkehrsminister Hendrik Wüst (CDU). Gut möglich, dass auch er diesen Posten nicht lange bekleiden wird. Denn bereits am 15. Mai 2022 wird ein neuer Landtag in NRW gewählt (alle News aus NRW bei RUHR24). Sollte sich das Ergebnis der Bundestagswahl wiederholen, dürfte es mit einer Landesregierung aus CDU und FDP äußerst schwierig werden.

Rubriklistenbild: © Michael Kappeler/dpa

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