Neue Umfrage

Wahlkampf-Klatsche für Armin Laschet: SPD zieht erstmals seit 2006 an der Union vorbei

Der Aufwärtstrend der SPD erreicht knapp einen Monat vor der Bundestagswahl einen neuen Höhepunkt. Für Armin Laschet wird die Luft derweil immer dünner.

Berlin – Selten war der Ausgang einer Bundestagswahl in Deutschland* so ungewiss wie in diesem Jahr. Lange sah in den Umfragen alles nach einem Zweikampf zwischen den Unionsparteien CDU/CSU und den Grünen aus. Doch die SPD hat in den vergangenen Wochen eine gewaltige Aufholjagd hingelegt und liegt einer aktuellen Forsa-Umfrage für RTL und n-tv erstmals seit 15 Jahren ganz vorn, berichtet RUHR24*.

PolitikerArmin Laschet
Geboren18. Februar 1961 (Alter 60 Jahre), Aachen
AmtMinisterpräsident des Landes Nordrhein-Westfalen
ParteiCDU

Bundestagswahl 2021: SPD zieht in Umfrage erstmals an CDU und CSU vorbei

Für den Zeitraum vom 17. bis zum 23. August hat das Institut Forsa 2504 Wahlberechtigte zur Bundestagswahl 2021 befragt. Das Ergebnis: 23 Prozent der Befragten gaben an, ihre Stimme bei der kommenden Wahl der SPD geben zu wollen. Damit legten die Sozialdemokraten im Vergleich zur Befragung aus der Vorwoche zwei Prozentpunkte zu.

Direkt dahinter liegt die Union mit 22 Prozent, die im Vergleich zur Vorwoche einen Prozentpunkt verlor. Für die Grünen sprachen sich 18 Prozent der Befragten (19 Prozent in der Vorwoche) aus. Damit rangiert die Partei um Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock weiterhin deutlich vor FDP (12 Prozent), AfD (10 Prozent) und Linke (6 Prozent) auf dem dritten Platz.

CDU nennt historisch schlechtes Umfrageergebnis einen „Weckruf“ – SPD bleibt entspannt

Während der Höhenflug der SPD weiter anhält, bedeuten die 22 Prozent für die Union den schlechtesten Wert in einer Forsa-Umfrage seit 1984. CDU-Generalsekretär Paul Ziemiak nannte die Ergebnisse der Umfrage im Welt-Interview einen „Weckruf“. Sein Pendant bei den Sozialdemokraten – Lars Klingbeil – übte sich gegenüber n-tv derweil in Demut.

Die Umfrageergebnisse seien für Klingbeil Ansporn für die nächsten 33 Tage bis zur Wahl. „Wir haben jetzt aber noch viel Strecke vor uns, und deswegen gibt es von mir auch keinen Jubel und keine Euphorie.“ Tatsächlich sind Umfragen nur Momentaufnahmen und lassen nur bedingt Rückschlüsse auf das Wahlverhalten der Wähler am Wahlsonntag zu. Zudem gab Forsa die Fehlertoleranz für die aktuelle Umfrage mit plus/minus 2,5 Prozentpunkten an.

Die Union um Kanzlerkandidat Armin Laschet schneidet in einer aktuellen Umfrage historisch schlecht ab.

Dennoch lässt sich an den Umfragen der vergangenen Wochen ein Trend ablesen: Die SPD wird immer stärker, die Union immer schwächer*. Woran das liegt? Nicht nur – aber sicherlich auch – an NRW-Ministerpräsident und Unions-Kanzlerkandidat Armin Laschet*.

Laschet muss nächste Umfrage-Schlappe hinnehmen – Söder in theoretischem Szenario deutlich vorn

Das Ergebnis der aktuellen Forsa-Umfrage zur Kanzlerpräferenz ist erneut eine Klatsche für den CDU-Politiker. Nur 11 Prozent der Befragten würden bei einer theoretischen Direktwahl des Bundeskanzlers für Laschet votieren. Damit verliert der Rheinländer im Vergleich zur Vorwoche einen Prozentpunkt.

Für Grünen-Kandidatin Annalena Baerbock sprachen sich wie in der Vorwoche 15 Prozent der Befragten aus, SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz konnte seinen deutlichen Vorsprung um einen Prozentpunkt ausbauen und liegt aktuell bei 30 Prozent. 44 Prozent der Befragten gaben an, keinen der Kandidaten als künftigen Bundeskanzler zu präferieren.

Brisant sind die Ergebnisse eines theoretischen Szenarios, mit dem Forsa die Befragten bei der aktuellen Umfrage konfrontierte. Was wäre, wenn CSU-Chef Markus Söder statt Armin Laschet als Kanzlerkandidat für die Union antreten würde? 38 Prozent der Befragten würden den bayrischen Ministerpräsidenten direkt zum Kanzler wählen. Dahinter folgt Olaf Scholz mit 21 Prozent und Annalena Baerbock mit 14 Prozent.

Laschet oder Söder? 70 Prozent der Anhänger von CDU und CSU fordern Wechsel

Dazu passt auch eine aktuelle Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Civey im Auftrag der Augsburger Allgemeinen. 70 Prozent der Anhänger von CDU und CSU sprachen sich darin dafür aus, den Kanzlerkandidaten Armin Laschet durch Markus Söder zu ersetzen. Tauscht die Union womöglich noch auf der Zielgeraden ihren Spitzenkandidaten?

Das schließt Söder aktuell aus. „Ich habe einmal ein Angebot gemacht, ein zweites Mal bringt überhaupt nix“, sagte der CSU-Politiker dem Sender münchen.tv. Die Debatte um einen Wechsel des Unionskanzlerkandidaten bezeichnete Söder als Hirngespinst.

Beim Wahlkampfauftakt der Union am vergangenen Samstag (21. August) sicherte Söder Laschet seine Unterstützung zu*. „Ich sage es deutlich: Ich will, dass Armin Laschet Kanzler wird und nicht Olaf Scholz oder Annalena Baerbock“, so Söder. Die Union müsse geschlossen hinter ihrem Kanzlerkandidaten stehen.

SPD, Union oder Grüne? Bundestagswahl 2021 so spannend wie seit vielen Jahren nicht

Doch genau diese eingeforderte geschlossene Unterstützung vermissen einige Politiker innerhalb der Union ausgerechnet bei Markus Söder selbst. So zeigte sich Friedrich Merz jüngst alles andere als erfreut über vergangene Sticheleien aus Bayern. „Ich erwarte, dass Markus Söder jetzt mal aufhört und dass er auch den gemeinsamen Wahlsieg mit uns will – und er kämpft“, sagte Merz dem Tagesspiegel.

Ähnlich äußerte sich der Berliner CDU-Abgeordnete Thomas Heilmann gegenüber RTL und n-tv. „Das ist wie beim Fußball. Wenn sie jetzt anfangen, in der Mannschaft Diskussionen anzustellen, dann gewinnen sie die Partie ganz bestimmt nicht.“ Eins scheint in jedem Fall gewiss: Die „Partie“ um die Bundestagswahl 2021 wird wohl so spannend, wie seit vielen Jahren nicht mehr. *RUHR24 ist Teil des Redaktionsnetzwerks von IPPEN.MEDIA. Mit AFP-Material

Rubriklistenbild: © Ina Fassbender/AFP