Kommentar

Für Armin Laschet ist nach der Union-Pleite Schluss – doch er kapiert es nicht

Die SPD steht als Wahlsieger fest. Der nächste Bundeskanzler aber nicht. Armin Laschet sieht sich noch immer als den geeigneten Mann für den Job. RUHR24-Redakteurin Lisa Krispin findet das irre.

NRW – Als sich die ersten Wahlprognosen zur Bundestagswahl 2021 am Sonntagabend (26. September) bestätigten, muss es der CDU/CSU eiskalt den Rücken hinuntergelaufen sein. Mit Armin Laschet an der Spitze musste die Union eine absolute Mega-Pleite hinnehmen. Trotz gerade einmal 24,1 Prozent der Wählerstimmen (Minus von 8,9 zu 2017) denkt der Kanzlerkandidat der Union aber noch immer, dass er der nächste Deutschland-Chef werden kann.

CDU-ChefArmin Laschet
Geboren18. Februar 1961 (Alter 60 Jahre), Aachen
VerheiratetSusanne Laschet (seit 1985)

Armin Laschet und die Union als große Wahlverlierer – Kanzler werden geht trotzdem?

Und das tut der gebürtige Aachener mit welcher Berechtigung? Diese Frage werden sich sicherlich einige der Wählerinnen und Wähler in Deutschland stellen. Denn eines ist nicht zu bestreiten: Armin Laschet hat seiner Partei nach 16 Jahren Regierungszeit mit Angela Merkel als Bundeskanzlerin einen absoluten Negativrekord beschert. Seit 1949 haben CDU und CSU bei keiner Bundestagswahl so wenige Stimmen bekommen wie bei der Wahl am Sonntag (weitere News zur Bundestagswahl 2021 bei RUHR24 lesen).

Und irgendwie ist das doch keine große Überraschung – außer vielleicht für die Union selbst. Der Rückzug von Angela Merkel würde Spuren hinterlassen, das war klar. Aber womöglich haben die Christdemokraten beim Wahlkampf von vorneherein aufs falsche Pferd gesetzt?

Markus Söder (CSU) und Armin Laschet hatten sich im Frühjahr einen unangenehmen Kampf um die Kanzlerkandidatur für die Union geleistet. In Nachgang kamen immer wieder Zweifel daran auf, ob der CSU-Chef aus Bayern und andere Personen aus den eigenen Reihen trotz sinkender Umfragewerte weiter hinter ihrer Wahl mit Laschet zum Kanzlerkandidaten, stehen würden.

Armin Laschet gab sich trotz der Wahlniederlage der CDU kämperisch.

Armin Laschet leistet sich Pannen im Wahlkampf: peinlicher Auftritt auch am Wahltag

Und die schlechten Prognosen für den NRW-Ministerpräsidenten kamen nicht von ungefähr. Ja, es war Armin Laschet, der sich am Wahltag die wohl größte Panne leistete. Der 60-Jährige hatte es nicht geschafft, seinen Wahlzettel richtig zu falten. Stattdessen hielt Laschet das Papier stolz in die Kamera. Die Folge: Die Fotografen hatten freie Sicht auf die Kreuze, die der Kanzlerkandidat gemacht hatte.

Und ja, unvergessen bleibt wohl auch der Auftritt des CDU-Chefs bei der Steinmeier-Ansprache im Hochwassergebiet in Erftstadt (NRW) im Juli dieses Jahres. Während der Rede des Bundespräsidenten sah man Armin Laschet im Hintergrund lachen. Absolut unpassend und pietätlos. Danach rollte zu Recht eine Welle der Kritik über den Mann aus Aachen hinweg.

CDU/CSU schmiert bei der Bundestagswahl ab – aber Laschet will Kanzler werden

Das historisch schlechte Wahlergebnis, das Armin Laschet am Sonntag für seine Union eingefahren hat, ist nach den vielen Pannen und Versprechern im Wahlkampf eigentlich nur die Spitze des Eisbergs. Der 60-Jährige scheint jedoch eine völlig andere Wahrnehmung zu haben.

Der Wahlverlierer trat am Sonntagabend vor die Kameras und machte deutlich: Bundeskanzler werde, wem es gelinge, Gegensätze zu überwinden. Und es müsse ein Kanzler für alle in Deutschland sein. „Zu diesen Aufgaben bin ich bereit“. Woher Armin Laschet dieses Selbstbewusstsein nimmt, muss erstmal einer verstehen.

Armin Laschet spricht von „Zukunftsregierung“ – dabei muss eigentlich Schluss für ihn sein

Ein Mann will Deutschland regieren, der selbst von der eigenen Parteibasis nicht die volle Unterstützung bekommen hat. Sein politisches Versagen scheint Armin Laschet noch gar nicht bewusst zu sein. Wie könne er sonst auch jetzt noch von einer „Zukunftsregierung“ sprechen, die mit ihm an der Spitze stattfindet?

Video: Armin Laschet - NRW-Ministerpräsident und Kanzlerkandidat von CDU/CSU

Spätestens jetzt sollte der Zeitpunkt erreicht sein, an dem sich Armin Laschet zurückzieht und sich vor allem selbst eingesteht, dass für ihn Schluss ist. Schluss als Parteichef der CDU, vor allem aber als Kandidat für das Amt des nächsten Bundeskanzlers. Hinweis: Dieser Kommentar entspricht der Meinung des Autors und muss nicht zwingend die Ansicht der gesamten Redaktion wiedergeben.

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