CDU-Kandidat in Thüringen

Wahlkampf 2021: Nach Querdenker-Eklat – Kleinkrieg zwischen Lauterbach und Laschet

Bei seinen Wahlkampfauftritten in Thüringen lieferte sich Kanzlerkandidat Armin Laschet (CDU) Wortgefechte mit Querdenkern. Die SPD verurteilt das scharf.

Update, Sonntag (5. September), 11.40 Uhr: Dortmund – Der Ton wird langsam rauer im Wahlkamp 2021. Nachdem Unions-Kanzlerkandidat Armin Laschet (CDU) sich am Freitag (3. September) in Thüringen den Fragen aufgebrachter AfD-Anhänger sowie Querdenkern stellte, erntet er scharfe Kritik von SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach. Mittlerweile ist ein regelrechtes Wortgefecht zwischen den beiden entfacht.

Armin LaschetNRW-Ministerpräsident/ Spitzenkandidat der Union
Geboren18. Februar 1961 (Alter 60 Jahre)
EhepartnerinSusanne Laschet (verh. seit 1985)

Eklat beim Wahlkampf: Querdenker bedrängt Laschet auf Bühne – Lauterbach mir scharfer Kritik

Der Hintergrund: Ein Zuschauer kam in Erfurt plötzlich zu dem Unionskanzlerkandidaten auf die Bühne. Der Vater dreier Kinder war sichtlich aufgebracht, was Laschet mit „erstmal abregen“ kommentierte. Dann ließ er den Mann, nach Medienberichten ein in der Szene bekannter Querdenker, aber auf der Bühne seine Frage stellen.

Wahlkampf in Erfurt: Armin Laschet (CDU) diskutiert mit einem dreifachen Vater, der auf die Bühne stürmt.

Karl Lauterbach (SPD) hat dafür auf Twitter kein Verständnis: „Unfassbar. @ArminLaschet lässt sich von einem Querdenker ohne Maske mit 20 cm Abstand anschreien. Das ist keine Bürgernähe, sondern einfach dumm“, so der Gesundheitsexperte.

Dieses wiederum ließ Laschet nicht auf sich sitzen: „So müsse man damit umgehen“, rechtfertigt sich der NRW-Ministerpräsident. Dass Karl Lauterbach ihm das zum Vorwurf mache, sei falsch. Der SPD-Politiker vergifte damit das Klima, denn man müsse den Menschen – auch Querdenkern – zuhören.

Lauterbach-Kritik: Laschet spricht mit Querdenker ohne Maske und ohne Abstand

Lauterbachs Antwort auf Twitter kommt prompt: „Wenn @ArminLaschet sich auf 20 cm von einem Querdenker ohne Maske anschreien lässt, ist das keine ‚menschliche Interaktion‘, sondern Wahlkampf. Missglückter Wahlkampf.“

Und weiter: „Ich habe nicht kritisiert, dass er sich von einem Querdenker anschreien lässt. Nur, dass er sich auf 20cm Abstand dabei ohne Masken anschreien lässt. Ich rede mit Querdenkern. Lasse mich dabei aber nicht gefährden.“ Weiter kritisiert er: „Zunächst hätte der Mann nie die Bühne erspringen dürfen. Wo war LKA? Und wenn er mit dem Mann reden will, muss er auf Abstand oder Maske bestehen.“

Kritisiert Armin Laschet (CDU) für dessen Wahlkampfauftritt: SPD-Gesundheitsxperte Karl Lauterbach.

Wahlkampf nimmt Fahrt auf – Laschet attackiert Scholz für Wortwahl

Aber nicht nur der Kanzlerkandidat der Union steht aktuell wegen seines Wahlkampfauftrittes bei der Gegenseite in der Kritik. Auch SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz wird von der CDU kritisiert. Scholz hatte einen Impfaufruf gestartet: „50 Millionen sind jetzt zwei Mal geimpft. Wir waren ja alle die Versuchskaninchen für diejenigen, die bisher abgewartet haben. Deshalb sage ich als einer dieser 50 Millionen – es ist gut gegangen! Bitte macht mit.“

„Menschen sind keine Versuchskaninchen in diesem Land“, erklärte Armin Laschet (CDU) am Samstag beim Landesparteitag der Brandenburger CDU in Potsdam daraufhin empört. Er forderte seinen Konkurrenten zugleich auf, von derartigen Begriffen Abstand zu nehmen. Auch Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) sowie CDU-Generalsekretär Paul Ziemiak verurteilten die Wortwahl.

Bleibt im Wahlkampf kämpferisch: Unions-Kanzlerkandidat Armin Laschet

Erstmeldung, Samstag (4. September), 11.20 Uhr: Armin Laschet (CDU) und seine Union haben aktuell mit einem historischen Umfragetief zu kämpfen. Weil die Umfragewerte derart im Keller sind, rief der NRW-Ministerpräsident am Freitag (3. September) im thüringischen Apolda zu einer engagierten Schlussphase auf. Dass er kämpferisch auftreten kann, konnte Laschet dabei auch gleich unter Beweis stellen. Denn er legte sich mit AfD-Anhängern an.

Armin LaschetNRW-Ministerpräsident/ Spitzenkandidat der Union
Geboren18. Februar 1961 (Alter 60 Jahre)
EhepartnerinSusanne Laschet (verh. seit 1985)

Wahlkampfauftritt in Thüringen – Laschet wettert gegen AfD und Linke

„Lasst uns mit unserer Überzeugungskraft jetzt die nächsten Tage herausgehen, damit wir auch die Bundestagswahl gewinnen“, sagte Laschet laut einem Bericht der dpa am Freitag (3. September) in Apolda. Laschets aktuelle Wahlkampfstrategie ist es dabei, den Kanzlerkandidaten der SPD, Olaf Scholz, darauf festzunageln, sich klar gegen eine Koalition mit den Linken auszusprechen.

„Lieber Olaf Scholz, so schwer ist das nicht“, rief Armin Laschet bei seinem Auftritt auf dem Apoldaer Marktplatz. „Machen Sie es nicht mit der Linken, nicht mit der AfD, dann können Demokraten zusammen reden.“

Wie Videomaterial von welt.de zeigt, distanzierte sich Laschet hingegen „ganz klar“ – nicht nur von den Linken, sondern auch von der AfD. Mit „Extremen von Links und Rechts“, so Laschet, werde die Union „nicht reden“ und „nicht koalieren“ (weitere News zu Armin Laschet bei RUHR24).

Wahlkampftour: Armin Laschet wird von AfD-Anhänger angepöbelt

Das gelte insbesondere für die AfD, erklärte der Unions-Spitzenkandidat weiter. Denn diese schade „dem Ansehen und dem Wohle Deutschlands.“ Daher werde man mit „denen niemals in eine Regierung eintreten“.

Aussagen, die Anhänger der Partei deutlich verärgerten: Kaum hatte Armin Laschet (CDU) seine „klare Ansage“ ausgesprochen, kamen aus dem Publikum Buhrufe von AfD-Anhängern. Mit „pfui“ und „Volksverräter“ wurde der NRW-Ministerpräsident beschimpft. Dieser ließ die lauten Beschimpfungen auf dem Marktplatz aber nicht auf sich sitzen, sondern konterte. „Wenn ich mir vorstelle, dass Sie dieses Land regieren, dann wäre Deutschland schlechter dran“, so Laschet.

Und weiter: „Wir werden alles tun, dass die AfD in keiner deutschen Regierung einen Platz findet.“ Der Schreihals aus der rechten Ecke ließ sich allerdings davon nicht aufhalten – und schimpfte munter weiter.

Laschet auf Wahlkampftour: Corona-Kritiker stürmt auf die Bühne

Auch in Eisenach und Erfurt war Armin Laschet (CDU) auf seiner Wahlkampftour am Freitag (3. September) zu Gast. Laut dpa-Bericht wurde er hier ebenfalls – unter anderem von Gegnern der Corona-Maßnahmen – beschimpft. Es habe auch in diesen Städten laute Pfiffe und Buhrufe gegeben – aber auch lauten Applaus für Laschets Reaktionen darauf.

Ein Zuschauer stand in der Thüringer Hauptstadt sogar plötzlich neben dem Unionskanzlerkandidaten auf der Bühne. Der Vater dreier Kinder war sichtlich aufgeregt, was Laschet mit „erstmal abregen“ kommentierte. Dann ließ er den Mann, nach Medienberichten ein in der Szene bekannter Querdenker, aber seine Frage stellen. Dieser beschwerte sich über die Corona-Maßnahmen der Thüringer Landesregierung, die ein Bußgeld für Eltern vorsieht, die ihre Schul-Kinder weder impfen noch testen lassen.

Armin Laschet lehnt Impfpflicht für Kinder ab: „Ich gebe Ihnen die Nummer vom Kanzleramt“

Nach einem kurzen Wortgefecht auf der Bühne schickte Laschet den Mann wieder hinter die Absperrung. Die Frage des Vaters sei „eine berechtigte“, so Laschet. Der NRW-Ministerpräsident erklärte, er lehne eine Impfpflicht für Kinder ab, was das angeht, könne der Vater sich auf ihn verlassen: „Ich gebe Ihnen die Nummer vom Kanzleramt“, so Armin Laschet (CDU).

Immer wieder versuchte der Kanzlerkandidat der Union, die anwesenden Menschen zu beruhigen. „Erfurt ist eine diskussionsfreudige Stadt“, schlussfolgerte er zum Ende seines Wahlkampfauftrittes.

Ob solche Auftritte den Kanzlerkandidaten der Union noch aus dem Umfragetief holen können, bleibt fraglich. Laut dem ZDF-Trendbarometer vom 3. September (Freitag), liegt Laschet bei der K-Frage mit 18 Prozent deutlich hinter seinem Gegner Olaf Scholz (SPD), der auf 53 Prozent Zustimmung kommt.

Rubriklistenbild: © Martin Schutt/dpa