Desaströse Umfragewerte

Armin Laschet wankt durch den Wahlkampf: Jetzt schaltet sich sogar Angela Merkel ein

Folgt Armin Laschet als Bundeskanzler auf Angela Merkel? Ein Spaziergang wird die von der Union eingeläutete „heiße Phase“ im Wahlkampf jedenfalls nicht.

Berlin – Noch führt die Union in den Umfragen zur Bundestagswahl am 26. September. Doch der Vorsprung ist alles andere als komfortabel. Kanzlerkandidat Armin Laschet (CDU) kann die Wähler bislang nicht wirklich überzeugen. Zumindest seine Partei hat dem NRW-Ministerpräsidenten am Samstag (21. August) aber noch einmal den Rücken gestärkt.

PolitikerArmin Laschet
Geboren18. Februar 1961 (Alter 60 Jahre), Aachen
AmtMinisterpräsident des Landes Nordrhein-Westfalen
ParteiCDU

Laschet im tiefen Wahlkampf-Tal: Merkel wirbt für ihren möglichen Nachfolger

Im Berliner Tempodrom läutete die Union am Samstagmorgen die heiße Wahlkampfphase ein. Bei der Veranstaltung sprachen unter anderem Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU), den nicht wenige innerhalb der Union für den geeigneteren Kanzlerkandidaten halten.

Beide betonten, dass man die Bundestagswahl nur mit einem gemeinsamen und entschlossenen Wahlkampf gewinnen könne. Besonders Angela Merkel rührte mit ihrer Rede noch einmal kräftig die Werbetrommel für Armin Laschet. Dabei wollte sich die scheidende Bundeskanzlerin eigentlich weitgehend aus dem Wahlkampf heraushalten.

Angela Merkel und Armin Laschet beim zentralen Wahlkampfauftakt von CDU und CSU.

„Laschet baut Brücken zwischen den Menschen“ – Merkel meldet sich im Wahlkampf zu Wort

„Ich habe Armin Laschet in all den Jahren als einen Menschen und Politiker erlebt, für den das C im Namen unserer Partei nicht irgendein Buchstabe ist, sondern bei allem, was er getan hat und tut, der Kompass war“, so Merkel. Laschet sei es immer wichtig gewesen, den einzelnen Menschen auf Grundlage des christlichen Menschenbildes mit seiner unantastbaren Würde in den Mittelpunkt zu stellen und Brücken zwischen den Menschen zu bauen.

Zum Schluss ihrer Rede appellierte Angela Merkel, dass es sich lohne, in den verbleibenden 35 Tagen für eine starke CDU und CSU im Bundestag zu kämpfen. Man müsse jede Stunde dafür kämpfen, dass die Union Deutschland gut gestaltet und in eine gute Zukunft führt. „Und das natürlich mit Armin Laschet als unserem zukünftigen Bundeskanzler.“

Auch CSU-Chef Markus Söder hob bei der Veranstaltung in Berlin den Charakter von Armin Laschet hervor. Der bayrischen Ministerpräsidenten verbinde mit seinem Amtskollegen aus Nordrhein-Westfalen eine „menschlich sehr gute Basis“. Söder sicherte Laschet seine Unterstützung zu. „Ich sage es deutlich: Ich will, dass Armin Laschet Kanzler wird und nicht Olaf Scholz oder Annalena Baerbock.“

Merkel unterstützt Laschet – CSU-Chef Söder kann sich Spitze nicht verkneifen

Gegenüber dem Münchner Merkur (Samstagsausgabe) konnte sich Söder im Vorfeld des Treffens in Berlin eine kleine Spitze gegen Laschet allerdings nicht verkneifen. Zu den schlechten Umfragewerten der Union sagte er: „In Bayern hätten wir vielleicht ein besseres Ergebnis erzielen können, wäre ich Kanzlerkandidat geworden“.

Söder forderte in Berlin mehr Mut im Wahlkampf. Man müsse sich souverän, engagiert und solide präsentieren und zeigen, was man könne. „Wenn wir schon den Eindruck von Ängstlichkeit und Unsicherheit vermitteln – wie sollen die Bürgerinnen und Bürger uns dann vertrauen?“

Markus Söder forderte von der Union mehr Mut und Entschlossenheit im Wahlkampf.

Allerdings ist die Ausgangslage der Union knapp einen Monat vor der Bundestagswahl denkbar schlecht. Der Vorsprung der langjährigen Regierungspartei in den Umfragen schmilzt. Lange war die Sorge groß, dass die Grünen die neue stärkste Kraft in Deutschland werden könnten. Doch mehr und mehr scheint sich die SPD zum großen Konkurrenten um das Kanzleramt zu entwickeln.

Umfrage-Dilemma für die Union und Laschet: Vorsprung auf die SPD schmilzt immer weiter

Abgesehen von der Wahlkreisprognose, bei der Union und SPD gleichauf liegen, sehen die größeren Meinungsinstitute die Union zwar noch knapp vorne. Doch die Sozialdemokraten haben zuletzt massiv aufgeholt und werden in den aktuellen Umfragen der großen Institute vor den Grünen auf Platz zwei geführt.

Noch deutlicher ist die Situation mit Blick auf eine theoretische Direktwahl des Bundeskanzlers oder der Bundeskanzlerin. SPD-Kandidat Olaf Scholz liegt hier deutlich vor Laschet – zum Teil über 20 Prozent. Der Kanzlerkandidat der Union liegt in einigen Umfragen sogar hinter seiner Grünen-Konkurrentin Annalena Baerbock auf Platz drei.

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