Kommentar

#allesdichtmachen: Privilegierte Schauspieler wollen sich volksnah zeigen – und scheitern auf ganzer Linie

Wenn über 50 Schauspieler gegen die Corona-Maßnahmen wettern und die Querdenker sie feiern, ist wohl einiges schiefgelaufen. Ein Kommentar von RUHR24-Volontärin Anna Quasdorf.

Deutschland – Drei Millionen Menschen starben weltweit bisher an oder mit Covid-19, davon allein 80.000 in Deutschland. Tote, die ohne die derzeitige Corona-Pandemie möglicherweise noch leben würden. Menschen, die ihre Angehörigen noch in ihrem Arm hätten halten können.

Aktion#allesdichtmachen
IntentionGegen Corona-Maßnahmen
Zu findenYouTube, Internetseite

#allesdichtmachen: Jan Josef Liefers und Heike Makatsch hetzen gegen Corona-Maßnahmen

Umso wütender können einen die über 50 Videos der Aktion #allesdichtmachen machen, die verschiedene Schauspieler am Donnerstagabend (22. April) auf YouTube geteilt haben. Schauspiel-Größen Deutschlands wie Jan Josef Liefers (56) und Heike Makatsch (49) suggerieren in diesen Videos etwas, was sie nicht sind: nah am Volk.

„Ich mache nicht auf. Weil ich Verantwortung übernehme für dieses Land. Und es macht mir große Sorgen, dass es da draußen egoistische Leute gibt, die aufmachen wollen“, erklärt Heike Makatsch in ihrem Video. Sie werde jetzt nicht mal mehr dem Paketboten und dem Pizzalieferanten öffnen. Das sei das, was Maßnahmen-Befürworter schließlich wollen, zumindest ihrer Meinung nach.

Alles dicht machen: Lob für Schauspieler von Rechten, Querdenkern und Corona-Leugnern

Ulrich Tukur (63) spricht sich hingegen dafür aus, dass die Supermärkte geschlossen werden. Denn wenn die Menschen verhungert seien, könne sich das Virus auch nicht mehr ausbreiten, erklärt er. Ein Schlag ins Gesicht für Menschen, die eine geliebte Person an das Virus verloren haben.

Täglich sterben hunderte Menschen, hochrangige Schauspieler hetzen dagegen mit ironischen Videos, die weit entfernt von jeglicher Satire sind und stattdessen eher mit Zynismus glänzen. Und sie sind weit entfernt von den Gedanken der Maßnahmen-Befürworter. Auf wessen Position sie sich jedoch eindeutig stellen: die der Rechten, Querdenker und Corona-Leugner.

#allesdichtmachen: Privilegierte „Tatort“-Schauspieler beschweren sich über Corona-Maßnahmen

Diese überschütten die Schauspieler mit Lobeshymnen, teilen auf Telegram ihre Videos. In denen wird gesagt, dass die Pandemie nur Panikmache sei, die Medien seien alle gleichgeschaltet und die Politik würde unsere Grundrechte einschränken. Es sind die gleichen Parolen, die auf Querdenker-Demos gerufen werden.

Ausgesprochen von Schauspielern, die sich nicht in einer Lage befinden, in der sie sich über ihr Leben beschweren sollten. Die Kulturbranche ist innerhalb eines Jahres so gut wie weggebrochen, definitiv. Was jedoch noch weiterhin produziert wird, ist die Krimi-Reihe „Tatort“ in der ARD. Die meisten Schauspieler der Aktion #allesdichtmachen sind eben jene „Tatort“-Darsteller.

#allesdichtmachen: Schauspieler sind Vorbilder für andere – eine potenziell tödliche Gefahr?

Während die Schauspieler vermutlich nun die ganzen Artikel der „gleichgeschalteten Medien“ durchgehen, sitzen sie wohl bequem in ihrem Loungesessel, während der Haushälter oder die Haushälterin das Essen zubereitet. Sie leben in ihrer Luxusvilla – während Ärzte und Pflegekräfte in den Krankenhäusern um das Überleben der anderen kämpfen.

Die Situation auf den Intensivstationen in Deutschland spitzt sich aufgrund der Corona-Pandemie immer weiter zu. (Symbolbild)

Es ist genau die Einstellung der #allesdichtmachen-Schauspieler, die dafür sorgt, dass der Lockdown auch in den nächsten Monaten nicht enden wird. Denn andere Menschen sehen in ihnen Vorbilder. „Also wenn der Liefers oder die Makatsch das so sagt, dann wird das schon richtig sein“, könnten die Gedanken sein.

Alles dicht machen: Heike Makatsch will kein Querdenker sein – doch unterstützt sie trotzdem

Wegen solchen Einstellungen können Menschen sterben – das scheint ihnen nicht klar gewesen zu sein. Und auch über die Begeisterung bei Querdenkern scheint vorher kein Gedanke verschwendet worden zu sein.

Heike Makatsch hat das Video mittlerweile wieder gelöscht, veröffentlichte dazu die Worte: „Wenn ich damit rechten Demagogen in die Hände gespielt habe, so bereue ich das zutiefst.“

#allesdichtmachen: Reue von Heike Makatsch und Jan-Josef Liefers kommt zu spät

Ein recht später Gedanke, hätte ein Blick in das Impressum der Webseite der Aktion doch gezeigt, dass der Verantwortliche von #allesdichtmachen ein bekannter Querdenker ist.

Berechtigterweise fordern nun viele User auf Twitter, dass die Schauspieler allesamt von der ARD aus dem „Tatort“ geschmissen werden sollen. Ob das passiert, ist fraglich. Doch es würde sie zumindest auf eine Stufe mit den Menschen bringen, die Tag für dafür Tag kämpfen, dass diese Pandemie bald ein Ende hat. Dieser Kommentar entspricht der Meinung der Autorin und muss nicht der Meinung der gesamten Redaktion entsprechen.

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