Investigativjournalist deckt auf

#allesdichtmachen: Hinter der Aktion soll ein „Querdenker“ mit fragwürdigem Geschäftsmodell stecken

Internetaktion #allesdichtmachen mit Schauspielern
+
Viele Schauspieler, darunter vor allem „Tatort“-Darsteller, haben sich gegen die Corona-Maßnahmen ausgesprochen.

„Macht uns mehr Angst“ fordern Schauspieler in Videos, die am Donnrstag (22. April) veröffentlicht worden sind. Nun kommt heraus: der Kopf hinter der Aktion ist ein „Querdenker“.

Deutschland – Über 50 Schauspieler tun sich zusammen und wettern gegen die Corona-Maßnahmen. Die Aktion #allesdichtmachen hat am Freitag (23. April) für Aufregung gesorgt. Doch was genau steckt hinter der Protestaktion?

Aktion#allesdichtmachen
IntentionGegen die aktuellen Corona-Maßnahmen
Zu findenYouTube, eigene Internetseite

#allesdichtmachen: Heike Makatsch und Jan Josef Liefers wettern mit Ironie gegen die Corona-Maßnahmen

Die Schauspieler sitzen am Esstisch, stehen am Fenster oder an der Wohnungstür. Ironisch wettern sie mit dem Hashtag #allesdichtmachen gegen die Corona-Maßnahmen, fordern provokant noch mehr Angstmache von der Regierung. Auch das Schließen von Supermärkten soll endlich durchgesetzt werden, das Öffnen der Wohnungstür für den Paketboten sei egoistisch und unverantwortlich.

Das sollen angeblich Maßnahmen-Befürworter fordern, denken Schauspieler wie Heike Makatsch (49) und Jan Josef Liefers (56). Zu den Videos gibt es viel Lob, vor allem aus der rechten Szene und von Querdenkern. So sprach AfD-Politikerin Joana Cotar auf Twitter von einem „intelligenten Protest“. Auch Hans-Georg Maaßen (CDU), der ehemalige Präsident des Bundesamtes für Verfassungsschutz, zeigt sich angetan von der Aktion.

#allesdichtmachen: Daniel Laufer erkennt Querdenker als Verantwortlicher der Aktion

Der Investigativjournalist Daniel Laufer hat sich die Aktion #allesdichtmachen genauer angeschaut. Auf Twitter erklärt er: „Der laut Impressum für #allesdichtmachen Verantwortliche [Bernd W., Anm. d. Red.] hat die Pandemie, die rund 3 Millionen Menschen das Leben gekostet hat, schon im Mai 2020 (!) verharmlost und mit einer Grippe gleichgesetzt.“ Vor rund einem Jahr soll Bernd W. schon nicht eingesehen haben, dass ein Mundschutz eine sinnvolle Maßnahme sei.

Sind die 50 Schauspieler Opfer eines Querdenkers oder sogar Corona-Leugners geworden, wie auch FR.de* berichtet? Das vermutet Laufer, der schreibt: „Aber ihr habt wahrscheinlich nicht gewusst, mit wem ihr euch einlasst, stimmt‘s?“ Nach einem TV-Auftritt von SPD-Politiker und Mediziner Karl Lauterbach (58), soll eben dieser Bernd W. Beleidigungen im Internet verbreitet haben, darunter: „Wenn man keine Ahnung hat, einfach mal die Klappe halten.“

Querdenker als Kopf hinter #allesdichtmachen: Bernd W. soll Geld vom Ministerium bekommen haben

Im August letzten Jahres soll Bernd W. außerdem betont haben, dass „Investitionen in Krankenhäuser sinnvoller seien als Coronatests“. Brisant: Die Firma von Bernd W., Wunder am Werk GmbH, soll sich gleichzeitig aber an der Coronakrise bereichert haben. So soll das Unternehmen einen Streamingdienst gegründet haben, kurz nachdem die Kinos in Deutschland schließen mussten.

Einige der Darsteller der Aktion #allesdichtmachen. Die meisten von ihnen sind Schauspieler beim Tatort.

Auf dieser Streamingplattform sei dann das Festival „Max Ophüls Preis“ übertragen worden sein, berichtet Laufer. Dafür soll es vom saarländischen Wirtschaftsministerium 56.000 Euro gegeben haben. Ob die Schauspieler das gewusst haben, bevor sie sich auf die Videoreihe eingelassen haben?

#allesdichtmachen: Kritik für Schauspieler – Heike Makatsch zieht ihr Video zurück

Auch von Schauspielkollegen hagelt es derweil Kritik. Allen voran Elyas M‘ Barek (38): „Come on, das ist doch Blödsinn. Kann ich null nachvollziehen. Mit Zynismus ist doch keinem geholfen“, heißt es auf Twitter. Radiomoderator Tobias Schlegl geht noch weiter: „Die Schauspieler*innen von #allesdichtmachen können sich ihre Ironie gerne mal tief ins Beatmungsgerät schieben.“

Video: Nach Kritik an Internetaktion: Makatsch und Liefers distanzieren sich von Querdenkern

Heike Makatsch zog ihr Video bereits zurück. Die Begründung: „Wenn ich damit rechten Demagogen in die Hände gespielt habe, so bereue ich das zutiefst.“ Hätte sie doch nur mal ein wenig früher einen Blick in das Impressum der Internetseite geworfen – zumindest einen querdenkenden Geschäftsinhaber hat sie anscheinend mit der Aktion unterstützt. *FR.de ist Teil des Redaktionsnetzwerks von IPPEN.MEDIA.

Mehr zum Thema