Waffenexperte aus NRW

Alec Baldwin erschießt Kamerafrau – Experte aus NRW nennt Hintergründe

Der US-Filmstar Alec Baldwin (63) hat bei Dreharbeiten aus Versehen eine Kamerafrau erschossen. Ein Waffenexperte aus NRW erklärt jetzt einige Hintergründe des Vorfalls.

NRW – Seit 20 Jahren arbeitet Oliver Rasch aus Troisdorf (NRW) als Waffenexperte in der Filmbranche, etwa für den „Tatort“ oder die Netflix-Serie „How to Sell Drugs Online (Fast)“. Von dem tödlichen Unfall um Alec Baldwin am Filmset zu „Rush“ am Freitag (22. Oktober) hat er durch die Anfrage eines großen Fernsehsenders erfahren. Seitdem steht sein Telefon kaum still. Gegenüber RUHR24 erklärt der Experte, welche Waffen an Filmsets verwendet werden und ob sich solche Vorfälle vermeiden lassen.

PersonAlec Baldwin
Geboren3. April 1958 (Alter 63 Jahre), Amityville, New York, Vereinigte Staaten
Filme (Auswahl)Jagd auf roter Oktober (1990), Pearl Harbour (2001), Departed – Unter Feinden (2006), uvm.

Alec Baldwin erschießt aus Versehen Kamerafrau: NRW-Waffenexperte erklärt Hintergründe

Der tödliche Unfall ereignete sich bei Dreharbeiten zu dem Western-Film „Rush“ in New Mexico, USA. Der Hollywood-Star Alec Baldwin erschoss dabei am Donnerstag (21. Oktober) mit einer Requisitenwaffe versehentlich die Kamerafrau Halyna Hutchins (42). Auch der Regisseur Joel Souza (42) wurde verletzt.

Viele fragen sich jetzt auch hierzulande, wie so etwas passieren kann. Denn auch in NRW werden Hollywood-Produktionen gedreht. „Die Waffen, mit denen wir am Set arbeiten sind vielseitig. Da sind auch scharfe Waffen dabei“, erklärt Filmwaffen-Experte Oliver Rasch. Das sei für viele verwunderlich. Bei gewissen Bildern sei jedoch eine Art Waffe gefordert, die es nur als scharfe Waffe gebe. „Es gibt nicht alles als Nachbauten“, sagt er.

Waffenexperte aus NRW über tödlichen Unfall von Alec Baldwin: „Es wird nie mit Echtmunition gedreht“

Weiterhin stellt sich die Frage, wie es zu dem Unfall kommen konnte. „Es gibt durchaus Szenen, in denen mit einer Echtwaffe gedreht wird. Aber es wird nie mit Echtmunition gedreht“, klärt Rasch auf. Das scheine hier möglicherweise anders gewesen zu sein. Der Unfall könne jedoch auch durch einen Fehler an der Waffe entstanden sein.

„Wir wissen noch nicht: Ist es eine Materialschwäche gewesen, die eine Waffe zerstört hat und die Leute durch herumfliegende Flugstücke verletzt und getötet wurden. Oder hat es hier die klassische Schussabgabe gegeben, bei der ein Projektil jemanden getötet hat?“ Auch sei unklar, wie die Kamerafrau und der Regisseur zugleich getroffen worden sein konnten.

Der Hollywood-Star Alec Baldwin hat versehentlich eine Kamerafrau erschossen.

Alec Baldwin erschießt aus Versehen Kamerafrau: Waffenexperte Oliver Rasch geht von Einzelfall aus

Häufig sind solche tragischen Unfälle an Filmsets nicht gerade, sagt der Experte: „Ich habe das noch nicht selber am Set erlebt.“ Er kenne jedoch Vorfälle, wo statt Schreckschussmunition versehentlich eine Gaspatrone herausgegeben und verschossen wurde. Anschließend mussten alle Beteiligten den Raum verlassen.

Der Filmwaffen-Experte Oliver Rasch arbeitet bei „Tatort“- und Seriendrehs.

Bei einem großen Dreh in Berlin sei zudem mal eine Gasdruckdüse aus einer Waffe herausgerissen worden und habe einen Beteiligten verletzt. „Das sind aber zum Glück Dinge, die super selten passieren und nicht diese Tragweite haben.“

Doch lassen sich solche Unfälle überhaupt vermeiden? „Grundsätzlich versucht man die Risiken am Filmset zu minimieren, indem man es kompetent betreuen lässt und nur Dinge verwendet, deren Gefahren man kalkulieren kann. Wenn am Set mit Platzpatronen schieße, dann nur aus Waffen, wo ich weiß, dass sie diesem Druck auch standhalten.“

Der tödliche Unfall am Set von Alec Baldwin sei daher „ein Einzelfall“. Gerade die Amerikaner würden auf den Umgang mit Waffen achten und seien sich der Gefahr bewusst. „Am Filmset geht es schon sehr kontrolliert zu.“ Was genau hinter dem tödlichen Unglück um Alec Baldwin und die Kamerafrau stecke, müsse man daher abwarten.

Rubriklistenbild: © Julie Jacobson/AP/dpa, Oliver Rasch; Collage: RUHR24