Einigung im Streit um Milchpreis

Aldi kommt Milchbauern mit dem Preis entgegen - doch die Sache hat einen Haken

Im Streit um den Milchpreis gibt es jetzt eine Einigung zwischen Aldi und den Bauern. Allerdings nur auf bestimmte Zeit.

  • Seit Jahren sind die Existenzen vieler Milchbauern aufgrund der niedrigen Milchpreise bedroht.
  • Nach einer Ankündigung von Aldi, die Preise noch weiter senken zu wollen, gingen die Bauern in NRW auf die Barrikaden.
  • Die Proteste zeigten ihre Wirkung - es kam zum Teilerfolg für die Bauern.

Update, Montag (16. März), 10.30 Uhr: Gute Nachrichten für die Milchbauern. Der Discounter kommt den Landwirten in Sachen Milchpreis entgegen und will ihnen einen fairen Einkaufspreis pro Liter Milch bezahlen. Der Einigung waren massive Proteste von Bauern vorausgegangen, die Aldi kritisierten, den Preis für Milchprodukte so weit drücken zu wollen, dass ihnen damit eine Existenzgrundlage entzogen werde.

Bauern begrüßen die Entscheidung von Aldi

Wie der Discounter in der vergangenen Woche in einer Mitteilung bekannt gab, habe Aldi sich mit der Milchindustrie auf einen Preis geeinigt, der "ungeachtet der international negativen Marktwicklungen, die hohen Qualitätsstandards der deutschen Milchindustrie widerspiegelt." Aldi zahle damit mehr, als er gemäß der Marktlage hätte akzeptieren müssen, sagte Jürgen Schwall, Verantwortlicher für den Einkauf bei Aldi Nord.

Die Bauern begrüßen diese Entscheidung zwar, aber sehen das ganze auch mit einem kritischen Blick. So fand Bernhard Krüsken, Generalsekretär des Deutschen Bauernverbandes" gegenüber der Deutschen Presseagentur (dpa) lobende Worte für den Discounter: "Wir begrüßen dieses Signal von Aldi und erwarten, dass auch andere Unternehmen diesem Beispiel folgen." 

Bauern fordern nicht nur für Milch eine gute Bezahlung vom Discounter

Aldi gilt generell als Taktgeber in Sachen Milchpreis. Zahlt der Discounter einen bestimmten Preis an die Landwirte, ziehen andere Supermärkte wie Rewe, Lidl und Co häufig nach. Deshalb fordert der Geschäftsführer des Milchindustrie-Verbandes, Eckhard Heuser, den Discounter nun auf, auch bessere Preise für andere Milchprodukte, wie zum Beispiel Käse, zu zahlen.

Positives Signal von Aldi hat einen Haken für die Bauern

Er hat die Hoffnung, dadurch eine faire Bezahlung an die Milchbauern weitergeben zu können. Zu dieser Forderung hat sich der Discounter allerdings noch nicht geäußert. Zuletzt hatte er vielmehr durchgesetzt, beispielsweise für Butter weniger zu zahlen, wie die Lebensmittelzeitung berichtete. 

Außerdem hat die Einigung noch einen weiteren Haken: Der Einkaufspreis, auf den sich die Milchindustrie und Aldi geeinigt haben gilt ab Mai - und dann nur mit einer Laufzeit von sechs Monaten. Danach müssen die beiden Parteien erneut verhandeln. 

Update, Montag (9. März), 11.13 Uhr: NRW - Vor dem Zentrallager von Aldi-Nord in Werl (NRW) haben bis zum Montagmorgen (9. März) Landwirte mit ihren Traktoren demonstriert. Etwa 80 Traktoren standen in der Nacht vor dem Lager, wie ein Sprecher der Polizei sagte. Die Demonstration sei nicht angekündigt gewesen, gegen sieben Uhr am Morgen hätten die letzten Landwirte die Zufahrten des Lagers wieder freigegeben.

Bauern demonstrieren vor Lagern von Aldi

Auch vor anderen Aldi-Lagern haben Bauern am Sonntagabend demonstriert. In Radevormwald bei Wuppertal hätten etwa 250 Landwirte mit rund 50 Traktoren bis in die Nacht vor einem Zentrallager gestanden, sagte eine Polizeisprecherin. Es hätte jedoch keine größeren Verkehrsstörungen gegeben. In Schloß Holte-Stukenbrock bei Bielefeld kamen nach Polizeiangaben zeitweise 70 Bauern zur Demonstration.

Landwirte stehen mit ihren Traktoren vor einem Aldi-Betrieb. Hunderte Landwirte haben mit ihren Treckern vor Lagern von Aldi-Nord demonstriert. In Hesel (Landkreis Leer) standen am Abend rund 300 Traktoren vor dem Betrieb

Ursache für die Proteste sind die anstehenden Verhandlungen über die Milch-Einkaufspreise zwischen Aldi und den Molkereien.

Erstmeldung, Freitag (6. März), 16 Uhr: Ein Liter fettarme Milch kostet bei Aldi derzeit rund 65 Cent. Jetzt hat der Discounter angekündigt, die Preise für Milchprodukte noch weiter senken zu wollen. Für viele Milchbauern wäre das nicht mehr tragbar.

Aldi kündigt Preissenkung für Milch an - Bauern empört 

Von den 65 Cent für die fettarme Milch bei Aldi kommen nur knapp 34 Cent pro Kilogramm Milch bei den Bauern an - so der Stand im Januar dieses Jahres. Das liege bereits unter einem Niveau, um ein kostendeckendes Wirtschaften der Milchbauern zu gewährleisten, heißt es vonseiten des Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverbandes (WLV).

Und damit sprechen sie sicherlich nicht nur für die Bauern aus NRW. In ganz Deutschland klagen Landwirte immer wieder gegen die Dumpingpreise des Einzelhandels. Im November gingen deshalb zahlreiche Bauern auf die Barrikaden und zogen in einem Protest-Konvoi aus Treckern nach Berlin, um sich dort bei der Politik Gehör zu verschaffen.

Aldi will Milchbauern weniger pro Liter Milch bezahlen

Erst Anfang Februar fand diesbezüglich der Handelsgipfel der Regierung stand. Dort hatte Aldi dann sein Vorhaben einer Preissenkung für Milchprodukte vorgetragen, wie top agrar berichtete. Bis Ende März will der Discounter die niedrigen Kosten durchsetzen. Und auch bei Fleisch und Wurst will Aldi den Rotstift ansetzen und die Preise senken. 

Das wäre nicht nur fatal für viele Milchbauern, sondern auch zwei Monate zu früh. Normalerweise werden die Preise im Mai und dann noch einmal im Herbst verhandelt. Der zu diesem Zeitpunkt festgelegte Preis gilt dann regulär für die nächsten sechs Monate und garantiert den Milchbauern einen sicheren Einkaufspreis.

Aldi: Sinkende Nachfrage als Grund für Preissenkung bei Milch

Als Grund für die frühzeitigen Preisverhandlungen gibt der Discounter eine sinkende Nachfrage nach Milch an - deshalb wolle man sowohl bei Aldi Nord als auch bei Aldi Süd auch die Preise für die Milchwaren senken. 

Das wollen sich die Bauern aus NRW nicht gefallen lassen. Der Discounter missachte durch die verfrühten Preisverhandlungen Wettbewerbsregeln.  "Milchpreise dürfen nicht durch einen Marktriesen diktiert werden", so Wilhelm Brüggemeier, WLV-Vizepräsident. Außerdem seien die Billigpreise für die Milch ein Ausdruck fehlender Wertschätzung gegenüber den Milchviehbetrieben.

Tausende Bauern von den Dumpingpreisen für Milch betroffen

Und um die stehe es ohnehin schon schlecht. Die Trockenheit der letzten Jahre habe dafür gesorgt, dass die Futterkosten für die Kühe deutliche höher seien und ein kostendeckendes Wirtschaften kaum noch möglich sei. In Westfalen-Lippe in NRW sind von dieser prekären Situation rund 3500 Milchbauern betroffen. 

Sie produzieren täglich laut der Mitteilung des WLV hochwertige Milch, die in nahegelegenen Molkereien zu Frischmilch, Butter, Joghurt, Quark und Käse weiterverarbeitet wird. Sinkt der Preis pro Liter Milch, sehen viele Bauern ihre Produktion in Gefahr.

Milch ist mehr wert - Bauern akzeptieren Preispolitik von Aldi nicht

Der Berufsstand reagiert daher empört auf die Meldung von Aldi und zeigte das mehr als deutlich: "Für Dumpingpreise arbeiten wir nicht. Unsere Milch ist mehr wert. Wir garantieren Kuhkomfort und beste Milch aus der Region. Wir fordern Aldi auf, bei den anstehenden Verhandlungen höhere Abgabepreise für frische Milchprodukte zu akzeptieren und nicht zu torpedieren."

Die Milchbauern aus NRW wollen die unfairen Handelspraktiken von Aldi nicht akzeptieren. Sollte Aldi dennoch seine Preissenkungen für die Milch tatsächlich durchsetzen, drohen Proteste vonseiten der Landwirte. 

Laut top agrar haben diese heute bereits vor dem Zentrallager von Aldi in Niedersachsen begonnen. Gegen Mittag wurde die Blockade aber aufgelöst - denn der Discounter habe Gesprächsbereitschaft gezeigt. Es bleibt abzuwarten, was dabei herauskommt - auch die Bauern in NRW und Westfalen-Lippe.

Rubriklistenbild: © Bernd Wüstneck/ dpa, Steinberg/Förster / dpa, Collage: RUHR24