Ein Kommentar

Coronavirus: H&M und Adidas wollen keine Mieten mehr zahlen - ein Schlag ins Gesicht!

Dreist: H&M und Adidas wollen in der Coronavirus-Krise keine Miete mehr zahlen.
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Dreist: H&M und Adidas wollen in der Coronavirus-Krise keine Miete mehr zahlen.

Wegen fehlender Einnahmen in der Coronavirus-Krise wollen H&M und Adidas keine Miete mehr zahlen. Das ist eine Unverschämtheit. Ein Kommentar.

  • Unternehmen wie H&M und Adidas haben angekündigt in der Coronavirus-Krise keine Mieten mehr zu zahlen.
  • Ein neues Krisen-Gesetz macht das möglich - auch wenn das nicht für milliardenschwere Konzerne gedacht war.
  • Das ist nicht nur unsolidarisch, sondern ein Schlag ins Gesicht, findet RUHR24-Redakteurin Victoria Maiwald.

Dortmund - Wie sagt man so schön: Da fällt einem nichts mehr zu ein. Das ist an dieser Stelle wohl ziemlich passend. Was sich die milliardenschweren Konzerne H&M und Adidas derzeit leisten, ist ein Schlag ins Gesicht für alle wirtschaftlichen Opfer der Coronavirus-Krise.

In der Coronavirus-Krise schützt ein neues Gesetz die Mieter vor Kündigung

Die Geschäfte sind geschlossen - sie müssen geschlossen sein. Umsätze brechen weg. Viele Unternehmen und Selbstständige bangen derzeit um ihre Existenz. Wie gut, dass die Bundesregierung ein Gesetz in der aktuellen Coronavirus-Krise (Live-Ticker NRW) erlassen hat, das es Vermietern untersagt, ihren Mietern aufgrund ausbleibender Mieten zu kündigen.

Das gilt vom 1. April bis zum 30. Juni 2020 und soll Mieter schützen, die ihr  Zuhause derzeit nicht bezahlen können, weil sie durch die Krise ihren Job verloren haben oder nur noch über ein verringertes Einkommen verfügen. Bezahlt werden muss trotzdem: Bis zum Juni 2022 müssen die ausstehenden Mieten beglichen werden, erst wenn das nicht erfolgt, sind Kündigungen rechtmäßig.

DieSPD hat die neue Mieterschutzverordnung für NRW kritisiert, die im Juni greifen soll. Darin ist etwa Dortmund nicht berücksichtigt. Die Partei erwartet nun Mieterhöhungen.

H&M und Adidas wollen auch von dem Gesetz profitieren

Dieses Gesetz soll vor allem Privatmenschen und kleine Unternehmer schützen - es war nicht dazu gedacht, dass Multimilliarden-Unternehmen an der Miete sparen können. Und dennoch: H&M und Adidas sehen sich gezwungen, ab April die Zahlungen der Mieten auszusetzen. Und sie sind nur die Vorreiter - andere wirtschaftlich gut aufgestellte Konzerne wollen nachziehen.

Der Grund dafür: Man wolle die wirtschaftliche Handlungsfähigkeit erhalten. Ja, die wirtschaftliche Handlungsfähigkeit sollte erhalten bleiben. Denn die Wirtschaft selbst erhält durch die Coronavirus-Krise einen ordentlichen Knacks. NRW-Ministerpräsident Armin Laschet rechnet mit vielen Arbeitslosen.

Kleine Unternehmen verschulden sich in der Coronavirus-Krise hoch

Aber Modeketten wie H&M oder Adidas sind eben nicht der Tante-Emma-Laden von nebenan oder das nette Café aus dem Viertel. Kleine Unternehmen führen derzeit einen Überlebenskampf. Sie sind auf jede Hilfe angewiesen. Sei es durch Kurzarbeitergeld, die NRW-Soforthilfe oder Steueranpassungen.

Selbst mit den Hilfen von Bund und Ländern sind die kleinen Geschäfte nicht gerettet. Denn auch wenn sie die Mieten erst einmal aussetzen können oder vergünstigte Kredite aufnehmen dürfen: Das alles muss irgendwann zurückgezahlt werden. Menschen, die sich mit einem Minijob über Wasser halten, können gar keine Hilfe erwarten. Sie sind nicht sozialversicherungspflichtig angestellt. 

H&M und Adidas setzen Milliarden um - Miete wollen sie aber nicht zahlen

Dem gegenüber stehen Unternehmen, deren Geschäft derzeit nicht eingefroren ist. Sie können weiterhin auf den Online-Handel setzen, der in der Coronavirus-Zeit explodieren dürfte. Der Spiegel berichtet, dass Adidas Ende 2019 23,6 Milliarden Euro umsetzte, 2 Milliarden Euro verdiente und satte 873 Millionen Euro Cash in der Kasse hielt. Das sollte wohl für die Miete reichen.

Bei H&M, die derzeit einen heftigen Shitstorm kassieren, sieht es auch nicht schlecht aus. Im letzten Jahr konnte das schwedische Modeunternehmen 25,19 Milliarden US-Dollar (etwa 22,5 Milliarden Euro) umsetzen und 57,5 Milliarden schwedische Kronen (etwa 5,4 Milliarden Euro) Erlöse verzeichnen. Das ist doch gar nicht schlecht.

H&M will in der Coronavirus-Krise keine Miete mehr zahlen - trotz milliardenschwerer Umsätze.

Und wenn den Unternehmen alles doch noch zu viel wird, weil sie die Löhne ihrer Mitarbeiter weiter zahlen wollen, können sie ja einen KFW-Kredit beantragen. Oder - wenn noch nicht geschehen - auf Kurzarbeit umsteigen. Wobei, davon haben die vielen 450-Euro-Jobber, die in den Mode-Ketten angestellt sind, wohl eher wenig.

Andreas Scheuer zum Verhalten von Adidas: "Ich bin enttäuscht"

Das dieses unsolidarische Verhalten von Unternehmen, die jährlich Milliarden scheffeln, nicht unbemerkt und unkommentiert bleibt, war abzusehen. Wie die Tagesschau berichtet, hat der rechtspolitische Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Jan Marco Luczak das Verhalten der Unternehmen scharf kritisiert: "Unsere Intention mit diesem Gesetz war nicht, dass finanzstarke Konzerne aufgrund dieses Gesetzes keine Miete mehr zahlen und sich nicht mehr an geschlossene Verträge halten."

Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CDU) sagte der BILD: "Ich bin enttäuscht von Adidas. Ich bin sehr enttäuscht." Die Ankündigung des Unternehmens sei „eine völlig inakzeptable Botschaft“.

Video: Wegen Coronavirus - Mieter sollen Vermieter kontaktieren

Und das Verhalten von H&M und Adidas geht auch nicht an den Kunden vorbei. Die äußern sich derzeit lautstark in den sozialen Medien und rufen sogar zum Boykott auf. Unter dem Hashtag #niewiederadidas empören sich die Twitter-Nutzer über das Benehmen der Konzerne, rechnen die Umsätze der Konzerne und die Gehälter der Vorstände durch.

Boykott der betreffenden Firmen wäre eine Möglichkeit, zumindest seinen Unmut zur Schau zu stellen. Ob es etwas an dem Missstand ändert? Wahrscheinlich nicht. Im Gegenteil: Fehlende Einnahmen bestärken die Firmen in ihrem Vorhaben, keine Mieten mehr zu zahlen.

Trotzdem: Es ist immer gut und wichtig, sich zu Wort zu melden, auf Zustände hinzuweisen und milliardenschwere Firmen an den Pranger zu stellen. Und das nicht nur während der Coronavirus-Zeit, sondern immer. Denn nicht nur Mieten, die nicht gezahlt werden, sind nicht hinnehmbar, sondern auch zu niedrige Löhne und schlechte Arbeitsbedingungen in den Produktionsländern.

Dieser Kommentar entspricht der Meinung der Autorin und muss nicht unbedingt die Ansicht der gesamten Redaktion widerspiegeln.

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