Abiturprüfungen gestartet

Abiturienten aus NRW legen sich mit Autor an: „Bro, du hast ab sofort NRW-Verbot“

In NRW waren viele Schüler offenbar mit dem Englisch-Abitur überfordert. Auf Instagram suchen sie die Schuld jetzt beim Autor des Textes.

NRW – Seit Freitag (23. April) rauchen wieder die Köpfe von vielen Teenagern in NRW: Die Abiturprüfungen haben trotz Corona-Pandemie wie geplant begonnen. Am ersten Tag wurde es international, die Englisch-Prüfungen standen an. Doch die Themen-Auswahl scheint den meisten Schülern direkt die Suppe versalzen haben. Im Internet machen sie ihrem Ärger Luft – und haben in einem amerikanischen Autor ihr perfektes Opfer gefunden.

BundeslandNordrhein-Westfalen
HauptstadtDüsseldorf
Bevölkerung17,93 Millionen (2019)
Fläche34.098 km²

Abitur 2021 in NRW gestartet: Englisch-Prüfung macht Schüler wütend

„Dein Artikel hat mein Abi versaut – danke für Nichts“, „Junge, benutz doch Wörter die es im Wörterbuch gibt du hOnd“ oder „Bro, du hast ab sofort NRW-Verbot“ – so oder so ähnlich lauten die inzwischen knapp 6000 Kommentare unter dem neusten Instagram-Foto des New York Times-Kolumnisten Farhad Manjoo.

Dieser dürfte über die Flut an Kommentaren aus dem fernen Deutschland nicht überraschter gewesen sein. Schließlich hatte der US-Amerikaner lediglich im Jahr 2020 einen Text in der New York Times veröffentlicht, in dem er die Gesetzgebung für Einfamilienhäuser in Kalifornien kritisiert hatte.

Was er damals noch nicht wusste: Der Text würde ein knappes Jahr später eines von drei Themen zur Auswahl im Englisch-Abitur in NRW werden – offenbar ganz zum Leidwesen einiger Schüler.

Englisch-Abitur 2021 in NRW: Schüler pöbeln auf Instagram gegen New York Times Autor Farhad Manjoo

Die Text-Analyse, die die NRW-Abiturienten am vergangenen Freitag (23. April) über das Werk Manjoos erstellen mussten, schien viele von ihnen vor eine besondere Herausforderung gestellt zu haben. Das Thema sei zu komplex, die Schreibweise zu speziell und die Vorbereitung auf den anspruchsvollen Artikel aufgrund des Unterrichts in der Corona-Pandemie nicht ausreichend genug gewesen, bemängelten viele Schüler.

Auf Instagram machten sie ihrem Ärger im Anschluss an die Prüfung Luft und bepöbelten den Autor und seinen Text in knapp 6000 Kommentaren aufs Übelste.

Kaum Schule dank Corona-Pandemie: Der Wechsel zwischen Distanz- und Präsenzunterricht macht vielen Schülern zu schaffen.

Kritik an Englisch-Abitur 2021 auf Instagram: Fans nehmen New York Times Autor in Schutz

Gegenwind für die Abiturienten aus NRW gab es prompt. In den Instagram-Kommentaren nahmen viele Fans den Schriftsteller in Schutz – und kritisierten stattdessen die Jugendlichen:

  • „Cringe. Lernt lieber Englisch anstatt euch zu beschweren, ihr Loser. Ich musste meine Abiturprüfungen letztes Jahr auch während Corona machen.“
  • „I feel you all, aber Abi hin oder her, Leute ihr könnt doch einen Journalisten nicht dafür blamen, dass er ne sprachlich anspruchsvolle Kolumne schreibt. Solltet ihr nicht lieber das Bildungsministerium mit Fackeln und Mistgabeln belagern?“
  • „Was anderes ist leider von der heutigen Generation nicht zu erwarten. Schuld für das eigene Versagen sind natürlich immer andere, und wenn es ein Journalist aus Übersee ist. Die zukünftige Bildungselite Deutschlands.“
  • „Wenn ihr versagt habt, dann nur weil ihr nicht gut genug wart und nicht weil er seine Arbeit als Journalist gemacht hat.“

NRW-Abitur 2021: Englisch-Text von Farhad Manjoo aus New York Times stellt Schüler vor Herausforderung

Auch der Autor selbst hat auf Twitter bereits auf die Wut der Schüler reagiert – und das, obwohl ein Großteil der Kommentare auf dem Profil des amerikanischen Journalisten auf Deutsch geschrieben waren (mehr Artikel aus NRW auf RUHR24 lesen).

So bot Farhad Manjoo einigen Schülern aber inzwischen beispielsweise Übersetzungshilfen an und wies außerdem darauf hin, dass viele Texte im Unterricht überinterpretiert würden. Nicht hinter jedem Wort sei ein Bild oder ein Sinn versteckt, den es zu interpretieren gelte.

Die Diskussion zwischen den NRW-Abiturienten und dem amerikanischen Autor über die sozialen Netzwerke ist fast historisch und in dieser Form noch nie da gewesen – oder wie es ein anderer Kommentator beschreibt: „Bin traurig, dass bei uns Don Carlos Prüfungsthema war. Friedrich Schiller war nicht bei Insta. Wir mussten noch Drogen nehmen, um unseren Frust übers Abi zu verarbeiten.“

Rubriklistenbild: © Sebastian Gollnow/dpa