Bahnunternehmen pleite

Abellio in NRW vor dem Aus – Mitarbeiter senden Brandbrief an Hendrik Wüst

Das Bahnunternehmen Abellio steht in NRW vor dem Aus. Jetzt richtet sich der Betriebsrat mit einem Brandbrief an Ministerpräsident Hendrik Wüst.

Düsseldorf – Das Insolvenzverfahren von Abellio hat nicht nur Folgen für Bahnfahrer in NRW*. Auch für die rund 1.000 Angestellten des privaten Bahnunternehmens in NRW ist unklar, wie es Anfang kommenden Jahres weitergeht. Jetzt schlägt der Betriebsrat Alarm und wendet sich an Ministerpräsident Hendrik Wüst und die neue NRW-Verkehrsministerin Ina Brandes* (beide CDU), weiß RUHR24*.

UnternehmenAbellio Rail NRW GmbH
SitzHagen
Gründung2005
Mitarbeiter1.080

Abellio insolvent: Mitarbeiter in NRW fürchten um ihre Zukunft – Betriebsrat schlägt Alarm

In NRW* unterhält Abellio derzeit zahlreiche Strecken, hauptsächlich im Ruhrgebiet und dem Rheinland*. Zwischen Aachen und Hamm verkehrt auf der Linie des RE1 unter anderem der bei Pendlern beliebte RRX. Diese könnten bald an andere Bahnunternehmen ausgeschrieben werden.

Denn das Tochterunternehmen der Niederländischen* Staatsbahn ist insolvent und steckt in einem Sanierungsverfahren. Jetzt warnt der Betriebsrat des Unternehmens in NRW vor „unabsehbaren Folgen für Millionen von Fahrgästen in Europas größtem Ballungsraum“. Die Zukunft des Personennahverkehrs auf der Schiene stehe auf der Kippe, warnt Betriebsrat Jürgen Lapp am Mittwoch (17. November)in einem Brandbrief an NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst.

Abellio insolvent: Betriebsrat fordert Perspektive für 1.080 Mitarbeiter in NRW

Er ruft Wüst dazu auf, die bislang von Abellio betriebenen Linien in NRW zu erhalten: „Wir fordern Sie auf: Geben Sie den 1.080 Abellio-Beschäftigten in Nordrhein-Westfalen eine Perspektive!“ Bis 31. Januar 2022 laufen die Verträge zwischen VRR und Abellio noch. Wie es danach weiter geht, ist bislang unklar.

In Baden-Württemberg hatte die Landesverkehrsgesellschaft SWEG etwa Abellio-Linien, Züge und Arbeitsverträge vorübergehend übernommen. Kostenpunkt laut Stuttgarter Zeitung: 6 Millionen Euro. Doch danach sieht es in NRW nicht aus.

NRW-Verkehrsministerin Ina Brandes im Verkehrsausschuss.

NRW: Abellio vor dem Aus – Mitarbeitern wird „angst und bange“

„Die Beschäftigten benötigen endlich Klarheit, ob und wie es mit Abellio weitergeht“, warnt Betriebsrat Jürgen Lapp in dem Brief an Wüst. Die Mitarbeiter dürften nicht zum Spielball politischer Interessen werden. Es sei unklar, wie ein möglicher Übergang an mehrere Betreiber „in so kurzer Zeit ohne Reibungsverluste zulasten der Fahrgäste“ gelingen solle.

Lapp bittet Hendrik Wüst in seinem Schreiben jetzt darum, das neue Angebot an die Aufgabenträger zu unterstützen. Darin soll Abellio Verlustübernahmen und Barauszahlungen in dreistelliger Millionenhöhe versprochen haben. VVR-Chef Ronald Lünser, selbst ehemaliger Geschäftsführer bei Abellio, wies das in einer Pressemitteilung von Donnerstag jedoch zurück. Abellio habe lediglich einen mittlerem zweistelligen Betrag geboten und zudem viel Vertrauen verspielt.

VRR will Abellio ab Februar 2022 vom Markt nehmen – Arbeitsplätze sollen erhalten bleiben

Somit wächst bei den 1.080 Angestellten in NRW das Unbehagen und die Unsicherheit bei der beruflichen Zukunft: „Uns Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ist angst und bange angesichts der Schlagzeilen der vergangenen Tage“, schreibt der Betriebsrat, „die Unsicherheit ist mit Händen greifbar“. Öffentlich dazu geäußert haben sich Wüst oder Brandes bislang nicht.

Vom Zweckverband Nahverkehr Westfalen-Lippe (NWL) kommt nun ein erster Hinweis. Denn die Mitarbeiter von Abellio würden in dieser „seit Monaten belastenden Situation ihr Bestes geben und hervorragende Arbeit leisten“, sagte Joachim Künzel, Geschäftsführer des NWL. „Uns ist es daher umso wichtiger, diesen hochqualifizierten Fachkräften zu sagen, dass sie mit ihren Fähigkeiten auch in Zukunft gebraucht werden, um die Verkehre auf den derzeit von Abellio betriebenen Linien weiterhin in hoher Qualität zu sichern.“ Laut VRR sollen keine Arbeitsplätze verloren gehen.

Land NRW will bei Abellio-Pleite mit maximal 380 Millionen Euro einspringen

Das Land NRW sagte laut der Deutschen Presse-Agentur jetzt zu, in den kommenden Jahren anfallende finanzielle Schäden von maximal 380 Millionen Euro ausgleichen zu wollen. Der Brief des Landesverkehrsministeriums an den Chef des Verkehrsverbundes Rhein-Ruhr (VRR) liegt der Agentur vor.

Laut DPA soll der VRR dennoch planen, Abellio ab Februar 2022 vom Markt zu nehmen. Ein entsprechender Beschluss soll am Montag (22. November) gefasst werden. Weil die dann neu ausgehandelten Verträge deutlich teurer werden könnten, werden höhere Belastungen für die Steuerzahler erwartet. *RUHR24 ist Teil des Redaktionsnetzwerks von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Bernd Weißbrod/DPA

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