Marodes Bauwerk

A45-Sperrung: Nicht alle Anwohner müssen wegen Sprengung Häuser verkaufen

Die A45-Brücke in Lüdenscheid wird gesprengt. Doch was passiert mit den Anwohnern?

Lüdenscheid – Noch in 2022 soll die marode Rahmede-Talbrücke an der A45 in Lüdenscheid gesprengt werden*. Was viele in NRW* freuen wird – weil es mit der Sperrung schneller vorangeht – stürzt andere in massive Probleme. RUHR24* erklärt, was mit den Anwohnern passiert.

AutobahnA45
Länge257 Kilometer
BundesländerNRW, Hessen, Bayern

A45-Brücke in NRW vor Sprengung: Was passiert mit Anwohnern in Lüdenscheid?

Einer der Anwohner heißt Ersan Acar und lebt mit seiner Familie seit 2010 unter der Brücke. Gegenüber der Deutsche Presse-Agentur (DPA) gab der Familienvater zuletzt an, die Autobahn GmbH wolle ihm sein Haus abkaufen und dieses dann abreißen. Acar: „Sie haben mir gesagt, dass die Brücke in sechs Monaten gesprengt werden soll.“

2018 habe Straßen.NRW ihm gesagt, an der Brücke stünden demnächst keine Bauarbeiten an. Danach begann Acar, sein Haus auf Vordermann zu bringen. Er ließ ein neues Dach bauen, das Gelände einzuzäunen und stand kurz vor einem Dachausbau für die Schwiegereltern.

Autobahn GmbH will sich mit Anwohner der A45-Brücke in Lüdenscheid zusammensetzen

Nun wolle sich die Autobahn GmbH mit Acar zusammensetzen und mit einem Gutachter den Wert des Hauses schätzen lassen. Danach solle ein Kaufpreis festgelegt werden.

Dass Acar sein Haus räumen müsse, sei aber laut Autobahn GmbH noch gar nicht gesagt. Es gäbe mehrere Optionen, von „vorübergehender Inanspruchnahme“ seines Grundstücks bis hin zum Kauf seines Hauses und Grundstücks.

A45-Anwohner in Lüdenscheid: Im schlimmsten Fall droht die Enteignung

So wolle des Bundesunternehmen mit allen Anwohnern an der A45-Talbrücke in Lüdenscheid verfahren. Auch Gewerbetreibende sind von der Sprengung der Brücke betroffen. Kommt es nicht zum Verkauf, ist eine Enteignung möglich, sofern diese laut Artikel 14 des Grundgesetzes dem „Wohle der Allgemeinheit“ diene.

In diesem Haus, das unter der maroden A45-Brücke Rahmede steht, wohnt Ersan Acar seit 2010.

Die Niederlassungsleiterin der Autobahn GmbH für Westfalen, Elfriede Sauerwein-Braksiek, hatte Anfang Februar berichtet, es würden bereits mit den Anwohnern Grunderwerbsverhandlungen geführt. Diese Gespräche über Kauf oder zeitweise Nutzung verliefen bislang „sehr gut“.

A45-Sprengung in Lüdenscheid – Anwohner und Gewerbetreibende sollen vor Sprengung geschützt werden

Von der Autobahn GmbH heißt es derweil, die unmittelbar neben der Brücke stehenden Häuser und Gewerbebetriebe müssten während der Sprengung geschützt werden. Damit sind auch jene Häuser gemeint, die nicht unmittelbar unter der Brücke stehen.

Die Brücke an der A45 bei Lüdenscheid muss abgerissen werden.

Doch die Sprengung ist für Anwohner nicht ganz unriskant. So sei die extreme Hanglage eine Herausforderung für die Sprengexperten. Das „Fallbett“ müsse entsprechend ausmodelliert werden, damit die Brücke nach der Sprengung „weich“ falle und nicht ins Rutschen gerate, so die Autobahn GmbH.

A45: Infomobil unter der maroden Talbrücke Rahmede in Lüdenscheid unterwegs

Experten der Autobahn Westfalen waren in den vergangenen Tagen deshalb bereits mit einem Infomobil vor Ort, um zu erklären, wie sich die kommenden Wochen im Groben gestalten würden. Im Vorfeld der Sprengung würden unter anderem die Gebäude in einem rund 300-Meter-Radius rund um die Brücke begutachtet, damit eventuelle spätere Schäden ausgeglichen werden können.

Klar ist schon jetzt: In den Tagen rund um die Sprengung müssen die Straßen unter der Brücke für den Verkehr komplett gesperrt werden – so wie jüngst bei der erfolgreichen Sprengung der A45-Brücke in Rinsdorf (NRW)*. Mit DPA-Material. *RUHR24 ist Teil des Redaktionsnetzwerks von IPPEN-MEDIA.

Rubriklistenbild: © Rene Traut, Dieter Menne/DPA; Collage: RUHR24

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