Talbrücke Rahmede

A45: NRW-Minister will Genua-Lösung für marode Brücke bei Lüdenscheid

Für den Neubau der maroden A45-Brücke in Lüdenscheid schielt NRW auf das Jahrhundertprojekt Genua.

Lüdenscheid – Die marode A45-Brücke in Lüdenscheid soll nach aktuellen Plänen in etwa fünf Jahren neu stehen. NRW-Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart (FDP) will sich jetzt Ideen aus Genua holen, um das Projekt weiter zu beschleunigen. Die eingestürzte Morandi-Brücke wurde dort nach nur zwei Jahren wiedereröffnet. RUHR24* erklärt, wie realistisch das ist.

AutobahnA45
Länge257 Kilometer
Gesperrte BrückeTalbrücke Rahmede, Lüdenscheid

NRW: A45-Brücke in Lüdenscheid könnte sich am Beispiel Genua orientieren

Wie die A45-Talbrücke Rahmede in NRW* war auch die Morandi-Brücke Teil einer viel befahrenen Autobahn mit Transitverkehr. Was die Verkehrsexperten in NRW verhinderten, wurde in Genua allerdings zur Realität: Die marode Brücke stürzte 2018 ein und kostete 43 Menschen das Leben. Die dadurch gekappte Autobahnverbindung bedrohte in der Folge die örtliche Wirtschaft – wie das aktuell im Lüdenscheid und dem Märkischen Kreis der Fall ist.

Ganz abwegig sind die gezogenen Parallelen zwischen der A45 in NRW und der A10 in Ligurien also nicht. Dass sich „Genua nicht 1 zu 1 übertragen lässt“, das sei auch NRW-Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart klar. „Aber die ein oder andere Idee wird sich darin sicher finden lassen, um den Neubau der A45-Brücke zu beschleunigen“, sagte der FDP-Politiker bei einer Pressekonferenz nach einem Spitzentreffen von Vertretern von Region, Land und Bund am Montag (31. Januar).

A45-Vollsperrung: Lüdenscheid hat nicht die gleichen rechtlichen Voraussetzungen wie Genua

Dass Lüdenscheid zum neuen Genua wird und die A45-Brücke in zwei Jahren neu steht, scheint in NRW allerdings ausgeschlossen. Gegenüber RUHR24 verweist Elfriede Sauerwein-Braksiek, Direktorin der Autobahn Westfalen, auf andere rechtliche Rahmenbedingungen, die in Italien im Falle des Neubaus der Morandi-Brücke geherrscht hätten. „Man hat dort erhebliche rechtliche Zugeständnisse gemacht“, so Sauerwein-Braksiek.

Dennoch könne man laut der Direktorin der Autobahn Westfalen vom Vorbild Genau lernen, auch wenn man in Deutschland diese rechtlichen Zugeständnisse nicht machen wolle. Aber: Genehmigungsverfahren sollen in NRW künftig deutlich schneller über die Bühne gehen, als bislang.

A45-Brücke vor Sprengung? Ingenieure führen Simulation durch

Unterdessen laufen die Planungen für Abbruch und Neubau der Rahmede-Talbrücke auf Hochtouren. Ein Ingenieursbüro sei aktuell dabei, Simulationen durchzuführen, die die Auswirkungen einer Sprengung zeigen. Weil Menschen unter der maroden Brücke wohnen, wolle man in dieser Sache Gründlichkeit vor Schnelligkeit ergehen lassen, so Elfriede Sauerwein-Braksiek. Im Zweifel müsse die Brücke abgerissen und nicht gesprengt werden.

Ein Blick auf die eingestürzte Morandi Autobahnbrücke in Genua. 43 Menschen kamen bei dem Unglück am 14. August 2018 ums Leben.

Das Thema Sprengung ist wichtig, weil es darüber entscheidet, ob der Neubau der A45-Brücke Rahmede an der gleichen Stelle erfolgen kann, oder ob zunächst daneben „in Seitenlage“ gebaut werden muss. Diesbezüglich sei man laut Autobahn Westfalen bereits in Gesprächen mit Eigentümern in Brückennähe. Erste Verträge zu Kauf von Grundstücken oder temporärer Nutzung lägen zur Unterschrift bei den Eigentümern.

A45-Vollsperrung: Umleitung über B54 wird für Lkw ausgebaut

Nicht nur der Neubau der A45-Brücke wird aktuell geplant, sondern auch die Verstärkung der Umleitungsstrecken – etwa über die B54, die westlich an Lüdenscheid vorbeiführt. Diese, so NRW-Verkehrsministerin Ina Brandes (CDU) am Montag, würde an gewissen Unterführungen so umgebaut, dass künftig auch alle Lkw sie nutzen könnten. Die örtliche Wirtschaft – darunter viele Weltmarktführer aus der Industrie – würden zudem die Verlagerung ihrer Logistik auf die Schiene prüfen.

NRW-Verkehrsministerin Ina Brandes (CDU).

Was viele nicht wissen: Die Region rund um Lüdenscheid und entlang der A45 ist Sitz vieler sogenannter „Hidden Champions“, großer, aber in der breiten Bevölkerung eher unbekannter Unternehmen, die international agieren und laut Andreas Pinkwart eine große Wertschöpfung generieren – etwa als Zulieferer für die in Deutschland so wichtige Automobilindustrie. Durch die Sperrung der A45-Brücke würden diese Betriebe hart getroffen. Das Land plane deshalb Wirtschaftshilfen, so Pinkwart.

A45-Vollsperrung: Märkischer Kreis hat Angst vor weiteren maroden Brücken

Im Märkischen Kreis herrscht indes die blanke Panik vor weiteren Hiobsbotschaften von der A45. Landrat Marco Voge (CDU) warnt vor weiteren Brückenschließungen, die der Region „den Todesstoß“ verpassen könnten. In Kürze, so Voge, seien Untersuchungen geplant. Fest steht aber schon jetzt: In den kommenden Jahren müssen alle 60 A45-Brücken ausgetauscht werden*.

Die Brücke an der A45 bei Lüdenscheid muss abgerissen werden.

Lüdenscheids Bürgermeister Sebastian Wagemeyer (SPD) hat derweil mit Stau-Chaos in seiner Stadt zu kämpfen*. Trotz weiträumiger Umleitungen würden aktuell täglich gut 20.000 Fahrzeuge mehr als vor der Brücken-Vollsperrung durch Lüdenscheid fahren – davon 6500 Lkw. „Die Leute kommen nach acht Wochen Sperrung zu mir und sind gesundheitlich am Limit, haben kaum geschlafen“, berichtet Wagemeyer über Klagen mancher Lüdenscheider.

A45: Vollsperrung sorgt für schlaflose Nächte bei Bürgern in Lüdenscheid

Nicht nur der Lkw-Lärm mache den Anwohner zu schaffen, sondern auch der Schaden, den die Schwergewichte an den Bürgersteigen und teils in den Vorgärten hinterlassen würden. Gewerbetreibende an den Umleitungsstrecken stünden zudem aufgrund des vielen Verkehrs „vor den Scherben ihrer Existenz“, seien nur noch schwer erreichbar. Und wieder andere Lüdenscheider hätten einen herben Verlust ihrer Immobilienpreise zu verkraften.

Die Politik scheint indes die Dringlichkeit verstanden zu haben, hat bereits mit einem Zehn-Punkte-Plan* die ersten Schritte für die Beschleunigung solcher Projekte wie an der A45 gelegt. Eines ist allerdings sicher: Die A45 in Lüdenscheid wird trotzdem noch für Jahre gesperrt bleiben. *RUHR24 ist Teil des Redaktionsnetzwerks von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: ©  Luca Zennaro/DPA, Henning Kaiser/AFP; Collage: RUHR24

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