Extremes Wetter

Winter-Chaos auf A2 in NRW: Wie es zu dem Stau-Wahnsinn bei Bielefeld kommen konnte

Schnee und bittere Kälte: Unter extremen Bedingungen mussten Menschen eine ganze Nacht auf der A2 in NRW ausharren. Wie konnte es zum Desaster bei Bielefeld kommen?

Bielefeld - Das Schnee-Chaos von Ostwestfalen, es wird vielen Menschen noch lange in Erinnerung bleiben. Stundenlang ging Anfang dieser Woche auf der A2 bei Bielefeld nichts. Vor allem der Bielefelder Berg hatte Lkw-Fahrern zu schaffen gemacht, die Polizei Bielefeld sandte für A2 und A30 mehrere Warnungen und bat darum, die Autobahnen großräumig zu umfahren.

AutobahnA2
Länge486 km
Gebaut5. April 1936

A2 in Ostwestfalen: Lkw-Fahrer missachteten Fahrverbote auf der Autobahn

Nicht nur das: Für Lkw verhängte die Polizei ein Fahrverbot. Doch viele Lkw-Fahrer missachteten es - und der Schnee rieselte unaufhörlich vom Himmel. Auf der A2 kam es in der Folge aufgrund liegengebliebener Lkw zwischen dem Autobahnkreuz Bad Oeynhausen bis zurück zur Anschlussstelle Bad Eilsen auf rund 20 Kilometer zu Stau.

In Fahrtrichtung Hannover zwischen Herford Ost und Anschlussstelle Rheda-Wiedenbrück hatte sich der Verkehr sogar bis auf 30 Kilometer angestaut. Festgesteckte Auto- und Lkw-Fahrer mussten in der Nacht zu Dienstag (9. Februar) auf den Autobahnen durch Hilfsorganisationen verpflegt werden. Für viele wurde es zur bitterkalten Horrornacht.

A2: Nach drei Tagen Schnee-Chaos lief der Verkehr langsam wieder an

Erst am Dienstagmorgen (8. Februar) gegen 10 Uhr rollte der Verkehr auf der A2 langsam wieder an. Die Polizei hatte es geschafft, liegengebliebene Fahrzeuge zu beseitigen.

Doch die Sorgen vor einem erneuten Stillstand - etwa am berüchtigten Bielefelder Berg - blieben auch am Dienstag. Erst in der Nacht zu Mittwoch lösten sich die hartnäckigen Staus in Ostwestfalen wieder auf. „Auf den Autobahnen in OWL kommt es jedoch weiterhin zu witterungsbedingten Störungen“, hieß es dazu allerdings noch von der Polizei in Bielefeld.

Schnee-Chaos auf der A2: Lkw auf Standstreifen zur Pause gezwungen

Zwischenzeitlich waren an viele Stellen an den Standstreifen Lkw zum Stehen gekommen. Deren Fahrer waren zu einer Pause gezwungen, weil sie im Stau die Ruhezeiten überschritten hatten.

Die Rastplätze an A2 und A33 waren hoffnungslos überfüllt oder aufgrund der Schneemassen schlicht nicht mehr nutzbar. Die überfüllten Standstreifen sorgten zusätzlich zur Witterung für Gefahr. Teilweise sogar auf den rechten Fahrstreifen sowie den Zufahrten zu Park- und Rastplätzen parkten Lkw-Fahrer, um Pausen einzuhalten.

Lkw-Fahrer stehen im Fokus der Geschehnisse auf der A2

In der Aufarbeitung der Geschehnisse der vergangenen Tage sind es die Lkw-Fahrer, die im Fokus der Behörden stehen. Gegenüber dem Magazin Spiegel gibt die Autobahn GmbH Westfalen an, sie hätten die Staus maßgeblich verursacht, weil viele sich nicht an die Fahrverbote gehalten hätten.

Die Schneemassen sorgten Anfang dieser Woche für Verkehrschaos in NRW. Vor allem am Bielefelder Berg gab es massive Probleme.

Nicht wenige dieser Fahrer und deren Speditionen hätten laut einem Sprecher der Autobahn GmbH Westfalen Druck gemacht, weil sie Lieferketten hätten einhalten müssen. Der Druck der Verantwortlichen, das Fahrverbot um 22 Uhr wieder fallen zu lassen, sei also groß gewesen, zitiert der Spiegel den Sprecher.

Branchenkenner: Lkw-Fahrer auf der A2 konnten Verbote häufig gar nicht verstehen

Gegenüber dem Magazin sagte ein Vertreter des Bundesverbandes Güterkraftverkehr, Logistik und Entsorgung, viele Lkw-Fahrer hätten das Fahrverbot gar nicht verstehen können. Das würde schlicht an den fehlenden Sprachkenntnissen liegen. Mehr als 40 Prozent der Lastwagen in Deutschland kämen aus dem Ausland, vielfach mit Fahrern aus osteuropäischen Ländern. War die Horror-Nacht auf der A2 also auch die Folge eines Kommunikationsproblems?

Wie geht es weiter auf A2, A30 und Co? Die Polizei Bielefeld rechnet in den kommenden Tagen nicht mit einer Besserung der Straßenverhältnisse. Sie rät allen Verkehrsteilnehmern, nicht notwendige Fahrten, insbesondere auf den Autobahnen, zu vermeiden.

Vor einem unvermeidbaren Fahrtantritt sollten alle Fahrzeugführer für ausreichend gefüllte Kraftstofftanks sorgen sowie Decken und Getränke in den Fahrzeugen mitführen. Für die Fahrten sollten zusätzliche Fahrtzeiten eingeplant werden.

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