Volle Züge

Das 9-Euro-Ticket-Chaos in NRW ist das Beste, was uns passieren konnte

Die vollen Züge aufgrund des 9-Euro-Tickets sind ärgerlich und gleichzeitig sollte man sich darüber freuen, meint RUHR24-Redakteur Daniele Giustolisi.

Dortmund – Ja, volle Züge sind nervig und können kein Dauerzustand sein, das muss man hier in aller Deutlichkeit vorweg einmal sagen. Aber bei aller Verärgerung über überfüllte Züge an Pfingsten oder an Fronleichnam, sollten wir denjenigen danken, die sich das 9-Euro-Ticket haben einfallen lassen. In dem Fall: der Ampel-Koalition in Berlin.

Name des Tickets9-Euro-Ticket
Zeitraum der Aktion1. Juni 2022 bis 31. August 2022
Geltungszeitraum für ein Ticketein Monat

9-Euro-Ticket: Volle Züge in NRW könnten ein Segen sein

Denn in einer nie da gewesenen Feldstudie wird das Billig-Ticket für Bus und Bahn zeigen, was die Menschen in NRW sonst vom Fahren mit dem ÖPNV abhält. Schaut man sich die überfüllten Züge an Pfingsten, Fronleichna oder an den Wochenenden an, dann scheint der Preis offenbar ein größerer Faktor zu sein, als viele glauben.

Was das 9-Euro-Ticket zum Start zeigt: Die Menschen haben durchaus Interesse daran, mit dem ÖPNV zu fahren. Andernfalls hätten sie sich nicht zu Tausenden in die vollen NRW-Züge gequetscht, sondern wären einfach mit dem Auto, dem Fahrrad oder halt gar nicht weggefahren. Das 9-Euro-Ticket-Chaos in NRW ist im Grunde das Beste, was uns passieren konnte.

An alle Kritiker des Tickets: Überfüllte Bahnen zeigen nicht, dass das 9-Euro-Ticket falsch ist, sondern dass die Preispolitik und die Kapazitäten unter anderem der Deutschen Bahn falsch sind.

NRW: 9-Euro-Ticket muss jetzt auch im Alltag genutzt werden

Jetzt muss man abwarten, ob das Ticket auch im Alltag genutzt wird, also für die wichtigen Wege zur Arbeit, zur Kita oder zur Schule. Die Reiselust an Pfingsten ist erstmal keine Überraschung. Da sind die Züge sonst auch voller Ausflügler und Urlauber. Es sind die täglichen Wege, die mit Bus und Bahn zurückgelegt werden müssen, damit das 9-Euro-Ticket einen Effekt hat.

Am Ende könnte es unsere Straßen entlasten und den Ausstoß von C02 reduzieren. Sinkt die Nachfrage nach Sprit für die Autos, würde der Preis dafür nach den Gesetzen der Wirtschaft auch sinken. Es wäre allen geholfen.

Die Bahn riet Reisenden, die Fahrräder an Pfingsten zu Hause zu lassen. Zu hoch war der Andrang durch Reisende mit 9-Euro-Tickets.

9-Euro-Ticket: Folgen in NRW sind nicht absehbar

Schade, dass es nicht ganz so einfach ist, wie es sich anhört. Denn mehr Fahrgäste müssen auch transportiert werden und das gelingt nicht mit Kurzzügen und 30-Minuten-Taktungen. Findet das 9-Euro-Ticket dauerhaft Anklang, müssten Verkehrsbetriebe, Regierende und die Politik radikal denken: Preise dauerhaft runter, Kapazitäten dauerhaft rauf – und zwar so schnell wie möglich.

Noch fällt es schwer, sich dieses Szenario vorzustellen. Aber wer hat vor ein paar Monaten noch von einem 9-Euro-Ticket geträumt? Hinweis: Dieser Artikel entspricht der Meinung des Autoren und muss nicht unbedingt die Ansicht der gesamten Redaktion widerspiegeln.

Rubriklistenbild: © Gottfried Czepluch/Imago

Mehr zum Thema