10.000 Bauern legen Bonn mit Demo lahm: Mega-Konvoi mit 1.000 Treckern sorgt für Chaos in der Stadt

Hunderte Traktoren und tausende Bauern legen Bonn mit einer Demo lahm. Foto: Henning Kaiser/dpa
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Hunderte Traktoren und tausende Bauern legen Bonn mit einer Demo lahm. Foto: Henning Kaiser/dpa

10.000 Bauern sind in Bonn. Mit ihnen 1.000 Trecker. Die Polizei hat wegen der Demo alle Hände voll zu tun. Es gleicht fast einem Chaos. Hier die Infos.

10.000 Bauern versammeln sich heute (22. Oktober) zur Groß-Demo in Bonn. Rund 1.000 Traktoren fuhren dafür in einem Konvoi unter anderem quer durch das Ruhrgebiet zum Protesttag. Aber was wollen die Bauern eigentlich?

  • Tausende Bauern wollen heute ihre Unzufriedenheit kundtun.
  • Aus ganz NRW und auch Niedersachsen kommen Demonstranten.
  • Rund 1.000 Traktoren haben Kurs auf Bonn genommen und der Polizei viel Arbeit bereitet.

Demo der Bauern: Polizei Bonn appelliert, Rettungswege freizuhalten

Update, Dienstag (22. Oktober), 13.08 Uhr: 10.000 Bauern sind am Dienstag nach Bonn gepilgert, dem Sitz des Ministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL). Aber was fordern die Demonstranten eigentlich. Das sind die Anliegen der Bewegung „Land schafft Verbindung – wir rufen zu Tisch“ in der Übersicht und im Wortlaut:

  • Das Agrarpaket gefährdet bäuerliche Familienbetriebe. Wir wollen sie erhalten.
  • Die Verschärfung der Düngeverordnung führt zu Unterdüngung. In den sogenannten roten Gebieten schadet das dem Boden und dem Wasser mehr, als es nützt.
  • Buhmann der Politik und vieler NGOs: Die permanente negative Stimmungsmache, das Bauernbashing, führt zu Ärger und Frustration im Berufsstand. Diskriminierung, Benachteiligung und Mobbing von Angehörigen gehören zur Tagesordnung. Das gefährdet die Zukunft der Betriebe und des ländlichen Raums. Unter solchen gesellschaftlichen Umständen und ständig an den Pranger gestellt zu werden, oft weder fach- noch sachgerecht, verliert der Beruf des Landwirts seine Attraktivität.
  • Das Mercosur-Handelsabkommen gefährdet durch Billigpreise importierter Waren die Versorgung mit sicheren, qualitativ hochwertigen und geprüften Lebensmitteln aus der Region.

Update, Dienstag (22. Oktober), 12.34 Uhr: Die Polizei Bonn wendet sich an alle Teilnehme der Bauern-Demo und appelliert: "Bitte halten Sie die Rettungswege frei!"

Zuvor gab es schon "erhebliche Störungen im Verkehrsfluss". So zum Beispiel waren die Adenauerallee und die Kennedybrücke stark betroffen oder sogar Gleise der Stadtbahn blockiert, weswegen der Bahnverkehr unterbrochen wurde.

Unna: 80 bis 100 Bauern-Trecker aufgebrochen

Update, Dienstag (22. Oktober), 11.05 Uhr: Auch aus dem Kreis Unna haben sich in der Nacht Bauern auf den Weg nach Bonn gemacht. Kurz nach Mitternacht waren in Unna laut Westfälisch-Lippischem Landwirtschaftsverband (WLV) 80 bis 100 Trecker aufgebrochen.

„Die Enttäuschung über die Politik ist groß“, sagt der Vorsitzende des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes Hans-Heinrich Wortmann. Die Vielzahl an Verordnungen, Einschränkungen und Auflagen, die derzeit diskutiert würden, nähmen den Bauernfamilien jegliche Zukunftsperspektiven.

Bauern sauer über das Agrarpaket der Bundesminister

Das Fass zum Überlaufen habe das Agrarpaket der Bundesministerinnen Svenja Schulze und Julia Klöckner gebracht, sagt Wortmann. „Damit verlassen wir den erfolgreichen kooperativen Naturschutz“, so der Landwirt in Vertretung für die vielen Bauern.

Auflagen würden fast ausschließlich auf Kosten der Landwirtschaft gemacht, sagt Hans-Heinrich Wortmann. „Wir sind bereit, unseren Beitrag zu leisten“, so der Landwirtevorsitzende, „können aber nicht immer als Sündenbock herhalten.“ Deshalb habe die Bewegung „Land schafft Verbindung“ zur bundesweiten Demo aufgerufen.

Polizei Münster: 1.000 Fahrzeuge von Bauern fahren Richtung Bonn

Update, Dienstag (22. Oktober), 10.50 Uhr: Auf dem Weg zu den Bauern-Demonstrationen haben teils kilometerlange Trecker-Konvois in Nordrhein-Westfalen mancherorts für Verkehrsbehinderungen gesorgt.

"Der westliche Konvoi der Traktor-Demo ist circa zehn km lang, der östliche circa sechs Kilometer! Insgesamt sind etwa 1.000 Fahrzeuge unterwegs nach Bonn", teilte die Polizei Münster als zuständige Versammlungs- und Einsatzbehörde für NRW am Morgen bei Twitter mit. Fortlaufend schließen sich demnach weitere Traktoren auf der Strecke an.

Bauern: Polizei Duisburg berichtet von 140 Traktoren

Update, Montag (21. Oktober), 9 Uhr: Zahlreiche örtliche Polizei-Stationen berichteten von Verkehrsbehinderungen durch Trecker-Konvois, etwa die Polizei in Duisburg, die von 140 Traktoren sprach.

Erstmeldung, Montag (21. Oktober), 21 Uhr: Unter dem Motto "Land schafft Verbindung - wir rufen zu Tisch" wollen Tausende Bauern am Dienstag in Bonn auf die Straße gehen. Denn: Viele Bauern haben derzeit angesichts der aktuellen Verhältnisse die Schnauze voll.

Demo in Bonn fordert bessere Bedingungen für Bauern

Unter anderem demonstrieren sie gegen sogenanntes "Bauerbashing", Benachteiligung und Mobbing. Die Bauern wollen zudem ihre Unzufriedenheit mit dem Agrarpaket der Bundesregierung und der Verschärfung der Düngeverordnung zeigen.

Der Bundesverband Deutscher Milchbauern (BDM) fordert unterdessen faire Preise für seine Produkte. "Wir brauchen Erlöse für unsere Produkte, die es uns ermöglichen, unsere Betriebe wirtschaftlich nachhaltig weiterzuentwickeln und mit denen wir die notwendigen Veränderungen in Bezug auf Umwelt-, Klima-, Naturschutz und Tierwohlstandards leisten können“, meint BDM-Vorsitzende Stefan Mann.

Doch das ist gar nicht so einfach. Denn auch der Einzelhandel sendet falsche Signale. So kündigte Aldi an, die Preise für Milchprodukte weiter senken zu wollen - zum Entsetzen der der Landwirte.

Ziel der Bauern ist die Innenstadt von Bonn

Ziel der Bauern ist die Innenstadt von Bonn, wo sich zwischen 11 und 13 Uhr bis zu 10.000 Bauern treffen wollen. Rund 1000 Traktoren, berichtet die Polizei, wollen in Konvois nach Bonn fahren. Sogar aus Niedersachsen reisen Bauern mit dem Traktor an.

Zwei Konvois soll es in Richtung Bonn geben. Die westliche Strecke führt über:

  • Rheine, Ahaus, Borken, Wesel, Kamp-Lintfort, Krefeld, Mönchengladbach, Grevenbroich, Frechen, Köln und Erftstadt in die Bonner Innenstadt.

Die östliche Strecke führt aus Richtung Osnabrück kommend über:

  • Ostbevern, Telgte, Ahlen, Hamm, Unna, Hagen, Märkischer Kreis, Oberbergischer Kreis, Rheinisch-Bergischer-Kreis und Rhein-Sieg-Kreis nach Bonn.

Beide Konvois starten am Montagabend (21. Oktober) gegen 21.30 Uhr im westlichen und südlichen Niedersachsen. Sie werden nach derzeitiger Planung des Veranstalters am Dienstagmorgen (22. Oktober) gegen 9 Uhr Bonn erreichen. Die Landesgrenze NRW wird vermutlich gegen 23 Uhr erreicht.

Polizei warnt Bauern auf Traktoren

Die Polizei warnt: "Auf der gesamten Strecke ist mit Verkehrsbehinderungen zu rechnen". Wichtig für Autofahrer: Autobahnen werden vom Konvoi wohl nicht betroffen sein, Die Polizei untersagte den Bauern die Fahrt über die Schnellstraßen.

Es sei laut Polizei aber nicht auszuschließen, dass einzelne Versammlungsteilnehmer dennoch die Bundesautobahnen benutzen. "Neben der deutlichen Gefahr für sich selber und andere Verkehrsteilnehmer riskieren die Fahrer ein Straf- oder Bußgeldverfahren", heißt es von der Polizei.

Am Montag (25. November) wird es erneut eine riesige Trecker-Demo geben - auch in Dortmund. Man rechnet mit rund 700 Treckern, die auf ihrem Weg nach Berlin durch Dortmund rollen werden. Das wird vermutlich für ein Verkehrschaos sorgen

Auch Bauarbeiter planen in Dortmund einen ähnlichen Protest und wollen unter anderem Teile der B1 blockieren. Ihr Ziel: bessere Arbeitsbedingungen und höhere Löhne.