Prognose und Fallzahlen

Experte warnt vor Zecken-Gefahr: Wird 2020 zum Rekordjahr?

Zecken übertragen Infektionskrankheiten wie FSME oder Borreliose.
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Zecken übertragen Infektionskrankheiten wie FSME oder Borreliose.

Die Zeckensaison 2020 hat laut Experten bereits im März begonnen. Manche warnen sogar, dass 2020 sich zum Rekordjahr entwickeln könnte. Das sagen die Fallzahlen.

  • Viele Experten warnen vor einem Rekord-Zeckenjahr 2020.
  • Ein milder Winter soll Schuld am Zuwachs sein.
  • Aus dem Süden kommt immer mehr die Hyalomma-Zecke zu uns.

Sie übertragen gefährliche Infektionskrankheiten wie die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) und Borreliose*: Ab dem Frühsommer werden Zecken langsam wieder aktiv und finden sich vor allem in hohen Gräsern oder Wäldern. In diesem Jahr sollen die Zeckensaison laut dem Deutschen Roten Kreuz (DRK) sogar schon früher begonnen haben als sonst - und zwar im März. Bereits im Februar gab es demnach erste Berichte von Zecken.

Zecken-Gefahr 2020: Darum warnen viele Experten vor Zuwachs

Darum warnte das DRK in einer Mitteilung von Ende Mai, dass die Gefahr eines Zeckenstichs* 2020 besonders hoch sei. "Die Risikogebiete für einen vermehrten Zeckenanfall sind dieses Jahr größer. Aufgrund des milden Winters gibt es zudem noch mehr Zecken als in den Vorjahren. Begonnen hat die Zeckensaison diesmal schon im März", sagt Professor Peter Sefrin, Bundesarzt des DRK.

Tatsächlich zählen laut Robert Koch-Institut (RKI) seit Anfang des Jahres auch die Stadt Dresden, der Landkreis Meißen und der Landkreis Schmalkhalden-Meinigen zu den FSME-Risikogebieten. Damit gibt es nun insgesamt 164 Zecken-Risikogebiete in Deutschland - die meisten davon befinden sich in Süddeutschland.

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Auch Georg Duscher, Parasitologe bei der Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) berichtete im Gespräch mit noe.ORF.at: "Viele Wanderer, Spaziergänger und Tierbesitzer klagen über den starken Anstieg." Der Experte hat unter anderem in Bereichen rund um die Donau die Population der Zecken mithilfe von Zeckenfahnen beobachtet: "Wir streichen mit dieser Fahne immer wieder durchs Gras. Aktive Zecken deuten das als möglichen Wirt und heften sich fest. Vergleicht man die Zahlen der Parasiten auf der Fahne über Wochen und Jahre, lässt sich ihre Entwicklung verfolgen", so Duscher. Demnach konnte er einen deutlichen Zuwachs an Zecken beobachten. Diesen führt er auf den Klimawandel und damit verbundene mildere Winter zurück. Zecken wären mittlerweile sogar bis in Höhen von 1.500 Metern auf Wildtieren als Wirte zu finden.

Hinzu kommt, dass sich nun auch die "Riesen-Zecke" Hyalomma in unseren Breiten ansiedelt*. Die Zeckenart stammt aus den Tropen und kommt mit Zugvögeln aus dem Süden zu uns. Dank der warmen und trockenen Sommer fühlt sie sich mittlerweile auch hierzulande wohl.

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Warnung von Experten: Wird 2020 tatsächlich zum Zecken-Rekordjahr?

Trotz aller Warnungen lassen sich bis jetzt keine genauen Prognosen treffen: "Es ist immer schwierig, Vorhersagen zu treffen, endgültige Klarheit gibt es im Herbst", meint Georg Duscher. Fallzahlen des RKI zur Borreliose zeigen bis zum 5. April, dass zumindest in Sachsen die Fallzahlen im Vergleich zum Vorjahr gestiegen sind - von 124 auf 173. In Sachsen-Anhalt und Thüringen sind sie jedoch gesunken.

Bis zum 3. Juni 2020 wurden laut RKI zudem insgesamt 51 FSME-Krankheitsfälle gemeldet. Die meisten davon in Süddeutschland. Im Vorjahr waren es insgesamt 444 Fälle. Markus Pfeffer, Professor für Mikrobiologie am Institut für Tierhygiene der Universität Leipzig gibt im Gespräch mit dem MDR zudem Entwarnung: "Unsere Untersuchungen zeigen, dass es ein ganz normales Zeckenjahr ist. Vermutlich liegt es eher daran, dass die Leute bei dem schönen Wetter im Frühjahr mehr draußen in der Natur waren und so auch mehr Zecken am Menschen gefunden wurden." Auch die Corona-Krise könne ein Grund dafür sein, warum mehr Menschen sich im Freien aufgehalten haben und somit eher den Zecken ausgesetzt sind.

Um Zecken, die in China das SFTS-Virus übertragen und für sieben Todesfälle verantwortlich sind, keine Chance zu geben, ist es deshalb wichtig, dichtes Unterholz oder hohe Gräser zu vermeiden sowie lange Kleidung zu tragen. Wer im Freien unterwegs war, sollte sich anschließend gründlich nach Zecken auf der Haut oder an der Kleidung umsehen.

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