Esa-Mission

Merkur-Sonde „BepiColombo“ kam der Erde noch ein letztes Mal ganz nah

Die Merkur-Sonde „BepiColombo“ ist letztmals an der Erde vorbeigeflogen und nimmt nun Kurs auf den kleinsten und sonnennächsten Planeten Merkur.
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Die Merkur-Sonde „BepiColombo“ ist letztmals an der Erde vorbeigeflogen und nimmt nun Kurs auf den kleinsten und sonnennächsten Planeten Merkur.

Die Raumsonde „BepiColombo“ ist auf dem Weg zum Planeten Merkur. Dabei kommt sie der Erde noch einmal ganz nah - so nah, dass man die Sonde sehen kann.

  • Die europäisch-japanische Sonde „BepiColombo“ ist 2018 zum Merkur aufgebrochen.
  • Am 10. April kam sie der Erde noch ein letztes Mal ganz nahe.
  • Der Hintergrund ist gleichzeitig trivial und kompliziert: Die Raumsonde muss abbremsen.

Update vom 10. April 2020: Die Merkur-Sonde „BepiColombo“ ist am frühen Freitagmorgen zum letzten Mal der Erde nahegekommen. Bis auf 12.700 Kilometer hat sich die Raumsonde der Erde gegen 6.25 Uhr genähert, um abzubremsen. Nun befindet sich „BepiColombo“ auf dem Weg zum Planeten Merkur.

Nach der Annäherung der Sonde an die Erde kam der kritischste Teil des Manövers: Mehr als eine halbe Stunde lang flog „BepiColombo“ im Schatten der Erde. Weil die Sonde kein Sonnenlicht bekam, war sie ausschließlich auf die Batterien angewiesen - erstmals seit ihrem Start im Oktober 2018.

Kurz vor der größten Annäherung an die Erde nahm „BepiColombo“ die letzten Bilder von der Erde auf. „Die Fotos zeigen die Erde im Weltall - zu einer der herausforderndsten Zeiten der jüngeren Menschheitsgeschichte“, erklärte die Esa.

Merkur-Sonde „BepiColombo“ kommt der Erde noch einmal ganz nah

Erstmeldung vom 8. April 2020: Im Oktober 2018 ist die europäisch-japanische Mission „BepiColombo“ zum Merkur gestartet*. Nun kommt sie der Erde noch einmal ganz nah - bevor sie sich für immer in die Weiten unseres Sonnensystems verabschiedet. 30 Kilometer pro Sekunde legt „BepiColombo“ momentan zurück, das sind umgerechnet mehr als 100.000 Kilometer pro Stunde. Mit dieser wahnsinnigen Geschwindigkeit* rast die Merkur-Sonde derzeit auf die Erde zu und kommt ihr am 10. April um 6.25 Uhr so nah wie dann nie wieder: 12.700 Kilometer werden kurzzeitig noch zwischen dem blauen Planeten und der Sonde liegen.

Gesteuert wird dieser Vorbeiflug an der Erde von einem kleinen Team der europäischen Raumfahrtorganisation Esa im Kontrollzentrum Esoc in Darmstadt. Zwei bis vier Mitarbeiter sollen die Sonde von Donnerstagmorgen bis Freitagnachmittag überwachen - eine Rumpfmannschaft, die den strengen Corona-Maßnahmen geschuldet ist.

Im Oktober 2018 ist die Esa-Sonde „BepiColombo“ gestartet - nun soll sie der Erde noch einmal ganz nah kommen, bevor sie zum Merkur fliegt.

Raumsonde „BepiColombo“ fliegt zum Merkur - und kommt der Erde kurz nahe

Doch warum kommt „BepiColombo“ der Erde überhaupt noch einmal so nahe, warum fliegt sie quasi dorthin zurück, wo sie 2018 gestartet ist? Der Grund ist gleichzeitig trivial und kompliziert: Die Raumsonde muss abbremsen. Dafür wird die Schwerkraft der Erde genutzt. Außerdem wird die Merkur-Sonde auch noch zwei Mal an der Venus und sechs Mal am Merkur vorbeifliegen, um ihre Geschwindigkeit zu reduzieren. „BepiColombo“ muss den Merkur mit einer ganz bestimmten Geschwindigkeit erreichen - und nach dem Start von der Erde ist diese zu hoch. „Ohne die Manöver würde die Sonde einfach am Merkur vorbeifliegen“, erklärt der stellvertretende Esoc-Leiter Paolo Ferri.

Nach insgesamt sieben Jahren Flugzeit und neun Milliarden zurückgelegten Kilometern soll „BepiColombo“ den Merkur 2025 erreichen. Dort sollen ein japanischer und ein deutscher Orbiter, die an Bord der Sonde sind, das Magnetfeld und die Oberfläche des Merkur erforschen. Außerdem interessieren sich die Forscher für die Sonnenwinde, die den Merkur als sonnennächsten Planeten erreichen. Einige der wissenschaftlichen Geräte an Bord der Sonde sollen auch zum Einsatz kommen, wenn „BepiColombo“ sich der Erde nähert: Drei Kameras sollen Bilder vom Anflug auf die Erde machen. Außerdem soll das Erde-Mond-System beim Abflug so lange fotografiert werden, bis es nicht mehr zu sehen ist.

Merkur-Sonde „BepiColombo“ kann man von der Erde aus beobachten

Bei ihrem Vorbeiflug an der Erde wird die Sonde auch für die Menschen zu sehen sein - zumindest für Beobachter mit Teleskopen oder Ferngläsern. Auf der südlichen Erdhalbkugel und kurzzeitig auch im Süden Europas ist „BepiColombo“ von Osten nach Westen am Himmel zu sehen. Die Merkur-Sonde wird durch eine Himmelsregion ziehen, in der zu dieser Zeit auch die Planeten Jupiter, Saturn und Mars zu sehen sind. Tipps zur Beobachtung von „BepiColombo“ gibt es auf der Webseite der Esa.

Der Merkur ist ein Planet, der bisher nur von zwei Nasa-Sonden erforscht wurde: „Mariner 10“ und „Messenger“. Die erste europäische Mission zum Merkur soll nun weitere Informationen zum sonnennächsten Planeten liefern*. Benannt wurde „BepiColombo“ nach dem 1984 verstorbenen italienischen Mathematiker Giuseppe (Bepi) Colombo. 

Eine weitere Esa-Mission, die derzeit auf dem Weg ins innere Sonnensystem ist, ist „Solar Orbiter“*. Die Raumsonde „Solar Orbiter" hat gerade ihre ersten Aufnahmen der Sonne zur Erde geschickt*.

Von Tanja Banner

*fr.de ist Teil der bundesweiten Ippen-Digital-Zentralredaktion.