30. Geburtstag

„Hubble“-Weltraumteleskop wird 30: Faszinierende Blicke ins Universum

Diese große Blechtonne in der Erdumlaufbahn ist das „Hubble“-Weltraumteleskop. Es sorgt für die atemberaubenden Aufnahmen, die jeder kennt.
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Diese große Blechtonne in der Erdumlaufbahn ist das „Hubble“-Weltraumteleskop. Es sorgt für die atemberaubenden Aufnahmen, die jeder kennt.

Das Weltraumteleskop „Hubble“ liefert seit 30 Jahren bunte und beeindruckende Aufnahmen aus den Weiten des Universums. Wie „Hubble“ das Universum sieht.

  • Das „Hubble“-Weltraumteleskop umkreist die Erde seit 30 Jahren
  • „Hubble“ startete am 24. April 1990 - und offenbarte kurze Zeit später ein großes technisches Problem
  • Das alternde Teleskop blickt tief ins Universum hinein - und wartet seit Jahren auf einen Nachfolger

Jeder hat schon einmal ein Bild gesehen, das von ihm gemacht wurde: Vom „Hubble“-Weltraumteleskop. Bunte Bilder*, die schier unvorstellbare Strukturen in den Tiefen unseres Universums zeigen. Mittlerweile hat das Teleskop, das die US-Raumfahrtorganisation Nasa und ihr europäisches Pendant Esa gemeinsam betreiben, 30 Jahre auf dem Buckel - ins All gestartet ist es am 24. April 1990 an Bord des Space Shuttles „Discovery“. Dieser Name fasst perfekt zusammen, was „Hubble“ seitdem in der Erdumlaufbahn gemacht hat: Zahlreiche Dinge entdeckt.

Das Weltraumteleskop hat der Menschheit eine neue Perspektive auf den Weltraum eröffnet - dabei lief zu Beginn nicht alles glatt: Ursprünglich sollte „Hubble“ schon im Oktober 1986 von einem Space Shuttle ins All gebracht werden - doch nach dem „Challenger“-Unglück, bei dem im Januar 1986 sieben Astronauten ums Leben kamen, wurde der Start verschoben. Erst vier Jahre später startete die „Hubble“-Mission an Bord der „Discovery“. Doch dem Weltraumteleskop war zuerst kein Glück vergönnt: Kaum im Weltall angekommen, stellte sich heraus, dass die Bilder von „Hubble“ wegen eines Fehlers im Hauptspiegel nicht zu gebrauchen waren. Große Vorfreude wich großer Häme.

Weltraumteleskop „Hubble“: Reparaturmission vor dem eigentlichen Start

Eine teure Reparaturmission wurde notwendig, noch bevor das Weltraumteleskop seine Nützlichkeit erwiesen hatte. Im Dezember 1993 korrigierten Astronauten den Fehler im Spiegel - und seitdem zeigt das Teleskop, was es kann: „Hubble“ macht Dinge im Weltall sichtbar, die nie zuvor ein Mensch gesehen hat. Das Teleskop kann Aufnahmen im ultravioletten und sichtbaren Licht sowie im nahen Infrarotbereich machen. Meist werden diese Aufnahmen kombiniert und eingefärbt - es entstehen die beeindruckenden Bilder, die die Öffentlichkeit kennt. Neben diesen Bildern, die schon so manch einen für die Astronomie und das Weltall begeistert haben, liefert das „Hubble“-Weltraumteleskop auch zahlreiche Daten für die Forschung.

Das Weltraumteleskop „Hubble“ umkreist die Erde in einer Höhe von etwa 550 Kilometern und mit einer Geschwindigkeit von gut 28.100 Kilometern pro Stunde. Dabei blickt „Hubble“ tief hinein ins Universum - Wolken oder eine unruhige Erdatmosphäre können die Sicht auf Sterne, Galaxien oder Planeten nicht beeinträchtigen. Nur in eine Richtung darf das Teleskop nicht schauen: zur Erde. Die Helligkeit des blauen Planeten könnte die empfindliche Optik von „Hubble“ beschädigen.

„Hubble“-Weltraumteleskop schickt unglaubliche Bilder und Daten zur Erde

Das alternde Weltraumteleskop hat im Laufe der Zeit viele Terabyte an Daten zur Erde geschickt, die für unzählige wissenschaftliche Arbeiten genutzt wurden. 2011 wurde eine Arbeit, die auf „Hubble“-Daten basierte, mit einem Physik-Nobelpreis ausgezeichnet: Die Wissenschaftler Saul Perlmutter, Brian P. Schmidt und Adam Riess hatten mit Hilfe von „Hubble“ gezeigt, dass sich das Universum immer schneller ausdehnt*.

Auch hinter zahlreichen anderen bahnbrechenden Entdeckungen steht das „Hubble“-Teleskop. Seine Daten beweisen, dass es im Zentrum der meisten Galaxien ein supermassereiches schwarzes Loch gibt. Durch Beobachtungen mit „Hubble“ konnten Wissenschaftler das Alter des Universums auf etwa 12 bis 13 Milliarden Jahre schätzen. Und auch Planeten und andere Himmelskörper sind im Visier des Teleskops: „Hubble“ hat alleine um den Zwergplaneten Pluto mehrere neue Monde entdeckt.

Sterne, Planeten, Galaxien - „Hubble“ bekommt alles vor die Linse

Das Weltraumteleskop hat gezeigt, wie Sterne entstehen, ihr Leben leben und wie sie am Ende ihrer Lebenszeit sterben. „Hubble“ hat die Strukturen von Galaxien detailliert abgebildet und den Forschern gezeigt, wo die ältesten Galaxien des Universums beheimatet sind. Auch 30 Jahre nach seinem Start ins All ist das „Hubble“-Weltraumteleskop immer noch im Einsatz, seine Daten werden für die Forschung verwendet und helfen dabei, die großen Fragen der Astronomie zu beantworten.

Wie das „Hubble“-Weltraumteleskop das Universum sieht

Das „Hubble“-Weltraumteleskop zeigt Dinge im Weltraum, die die Menschheit ohne das Teleskop niemals zu Gesicht bekommen hätte. Ein Beispiel dafür ist diese Aufnahme des Sterns Eta Carinae, den „Hubble“ im ultravioletten Licht aufgenommen hat. Eta Carinae ist 7500 Lichtjahre von der Erde entfernt.
Das „Hubble“-Weltraumteleskop zeigt Dinge im Weltraum, die die Menschheit ohne das Teleskop niemals zu Gesicht bekommen hätte. Ein Beispiel dafür ist diese Aufnahme des Sterns Eta Carinae, den „Hubble“ im ultravioletten Licht aufgenommen hat. Eta Carinae ist 7500 Lichtjahre von der Erde entfernt. © Nasa/Esa/N. Smith (University of Arizona), and J. Morse (BoldlyGo Institute)
Die Spiralgalaxie M100 hat „Hubble“ mit der „Wide Field Camera 3“ aufgenommen. Diese Kamera wurde bei der letzten Servicemission im Jahr 2009 installiert, das Bild ist einige Monate später entstanden.
Die Spiralgalaxie M100 hat „Hubble“ mit der „Wide Field Camera 3“ aufgenommen. Diese Kamera wurde bei der letzten Servicemission im Jahr 2009 installiert, das Bild ist einige Monate später entstanden. © Nasa/Esa/Judy Schmid t
Auch Planeten fotografiert das „Hubble“-Weltraumteleskop gelegentlich - so wie hier Saturn. Gut zu erkennen auf dem Bild ist das Ringsystem des Planeten, das sich 2018, als das Bild entstand, malerisch der Erde entgegenstreckte. Die Ringe des Saturn sind besonders spektakulär - sie haben den achtfachen Radius des Planeten.
Auch Planeten fotografiert das „Hubble“-Weltraumteleskop gelegentlich - so wie hier Saturn. Gut zu erkennen auf dem Bild ist das Ringsystem des Planeten, das sich 2018, als das Bild entstand, malerisch der Erde entgegenstreckte. Die Ringe des Saturn sind besonders spektakulär - sie haben den achtfachen Radius des Planeten. © Nasa/Esa/A. Simon (GSFC) and the OPAL Team, and J. DePasquale (STScI)
Sehr bunt geht es in der Aufnahme zu, die zum 28. Geburtstag des „Hubble“-Weltraumteleskops am 24. April 2018 veröffentlicht wurde. Zu sehen ist eine Region, in der neue Sterne entstehen: Der Lagunennebel, 4000 Lichtjahre von der Erde entfernt und in Ferngläsern als kleiner Fleck zu erkennen. In dieser Region befindet sich der Stern Herschel 36, er ist 32 Mal massiver und acht Mal heißer als unsere Sonne.
Sehr bunt geht es in der Aufnahme zu, die zum 28. Geburtstag des „Hubble“-Weltraumteleskops am 24. April 2018 veröffentlicht wurde. Zu sehen ist eine Region, in der neue Sterne entstehen: Der Lagunennebel, 4000 Lichtjahre von der Erde entfernt und in Ferngläsern als kleiner Fleck zu erkennen. In dieser Region befindet sich der Stern Herschel 36, er ist 32 Mal massiver und acht Mal heißer als unsere Sonne. © Nasa/Esa/STScI
Chaotisches Universum: Diese Aufnahme von „Hubble“ zeigt unzählige Galaxien im Galaxienhaufen Abell 370. Dieser Galaxienhaufen ist etwa vier Milliarden Lichtjahre von der Erde entfernt, es gibt darin die unterschiedlichsten Galaxien-Typen. Die Streifen, die sich durch das Bild ziehen, sind Asteroiden.
Chaotisches Universum: Diese Aufnahme von „Hubble“ zeigt unzählige Galaxien im Galaxienhaufen Abell 370. Dieser Galaxienhaufen ist etwa vier Milliarden Lichtjahre von der Erde entfernt, es gibt darin die unterschiedlichsten Galaxien-Typen. Die Streifen, die sich durch das Bild ziehen, sind Asteroiden. © Nasa/Esa/B. Sunnquist and J. Mack (STScI)
Wie Diamanten glitzern und funkeln die Sterne im Sternhaufen Trumpler 14. Der Sternhaufen ist 8000 Lichtjahre von der Erde entfernt, im Carinanebel, einer Region, in der Sterne entstehen. Der Sternenhaufen ist nur etwa 500.000 Jahre alt und hat deshalb eine der höchsten Konzentrationen von massiven, strahlenden Sternen in der Milchstraße.
Wie Diamanten glitzern und funkeln die Sterne im Sternhaufen Trumpler 14. Der Sternhaufen ist 8000 Lichtjahre von der Erde entfernt, im Carinanebel, einer Region, in der Sterne entstehen. Der Sternenhaufen ist nur etwa 500.000 Jahre alt und hat deshalb eine der höchsten Konzentrationen von massiven, strahlenden Sternen in der Milchstraße. © Nasa/Esa/J. Maíz Apellániz (Institute of Astrophysics of Andalusia, Spain); Acknowledgment: N. Smith (University of Arizona)
Zum 25. Geburtstag des „Hubble“-Weltraumteleskops gab es von Nasa und Esa ein besonders Bild: Ein Blick in den Sternencluster Westerlund 2. Darin befinden sich etwa 3000 Sterne, wie der schwedische Astronom Bengt Westerlund in den 1960er Jahren festgestellt hat.
Zum 25. Geburtstag des „Hubble“-Weltraumteleskops gab es von Nasa und Esa ein besonders Bild: Ein Blick in den Sternencluster Westerlund 2. Darin befinden sich etwa 3000 Sterne, wie der schwedische Astronom Bengt Westerlund in den 1960er Jahren festgestellt hat. © Nasa/Esa/the Hubble Heritage Team (STScI/AURA), A. Nota (ESA/STScI), and the Westerlund 2 Science Team

2009 waren zuletzt Astronauten zu Besuch* beim Weltraumteleskop „Hubble“: Bei einer letzten Servicemission verbesserten sie die technische Ausstattung des Teleskops. Es dürfte das letzte Mal gewesen sein, dass Menschen Hand anlegten an das Teleskop, das der Menschheit immer wieder faszinierende Einblicke ins Weltall gibt. Weitere Reparaturmissionen sind nicht geplant und auch gar nicht möglich: Mit der Einstellung des Shuttle-Programms im Jahr 2011 gibt es keine Möglichkeit mehr, das „Hubble“-Teleskop zu erreichen.

Weltraumteleskop „Hubble“ wartet seit Jahren auf einen Nachfolger

Ersatz für das alternde Weltraumteleskop* ist bereits seit Jahren in Arbeit: Das „James Webb Space Telescope“ (JWST) soll in Zukunft 1,5 Millionen Kilometer von der Erde entfernt die Arbeit aufnehmen - und noch weiter in die Vergangenheit des Universums blicken, als „Hubble“ das je getan hat. Doch noch ist das JWST nicht in Betrieb. Wie es bei Großprojekten dieser Art üblich ist, wurde sein Start bereits mehrfach verschoben, gleichzeitig wurde das Projekt immer teurer. Derzeit ist der Start für das Jahr 2021 geplant - wenn die Corona-Krise die Nasa nicht erneut zu einer Verschiebung zwingt.

Für die Mission des „Hubble“-Weltraumteleskops gibt es derzeit kein Enddatum, nachdem das Teleskop zwischenzeitlich einmal Budgetkürzungen zum Opfer fallen sollte. Experten gehen davon aus, dass das Teleskop bis in die 2030er oder sogar 2040er Jahre seine Bahnen um die Erde ziehen kann, bis es von der Schwerkraft letztendlich zum Absturz gebracht wird. Das könnte gefährlich werden, Teleskop-Trümmer könnten auf die Erde stürzen und Schaden anrichten.

Das Ende des „Hubble“-Weltraumteleskops liegt in weiter Ferne

Für diesen Fall hat man jedoch beim letzten Einsatz am „Hubble“-Teleskop vorgesorgt: Die Astronauten haben damals das so genannte „Soft Capture and Rendezvous System“ installiert. Mit Hilfe dieses Systems kann „Hubble“ von einer bemannten oder unbemannten Mission eingefangen und sicher entsorgt werden. Doch erst einmal liefert „Hubble“ weiter beeindruckende Bilder* und Daten aus den unendlichen Weiten des Universums.

Von Tanja Banner

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