Ins Netz verlagert

Digitale Wohnungsbesichtigung: Sinnvoll oder nicht?

Ein Mann benutzt eine Virtual-Reality-Brille.
+
Digitale Wohnungsbesichtigungen: Auch VR-Brillen kommen zum Einsatz.

So ziemlich alles spielt sich mittlerweile im Netz ab. Auch digitale Wohnungsbesichtigungen. Das sind die Vor- und Nachteile.

Wer in Zeiten von Corona eine neue Bleibe sucht hat es nicht schwer. Da ist es erst mal vorteilhaft, dass viele Immobilienmakler ihr Geschäft ins Netz verlagern und auch digitale Wohnungsbesichtigungen anbieten.

Digitale Wohnungsbesichtigungen: Was soll das eigentlich?

Eigentümern wie auch Wohnungssuchenden soll die Digitalisierung des Vermittlungsprozesses einiges an Zeit und eventuell sogar Geld sparen. Und das neue Vorgehen erlaubt Kreativität.

„Profis wollen digital Schreibtische in ein Büro stellen, sie hin und her rücken, lange vor einem Besichtigungstermin“, sagt Dirk Wohltorf, Vizepräsident des Maklerverbands IVD mit Sitz in Berlin.

Besichtigungen per Virtual Reality 

Mittel VR-Brille gibt es Einblicke in den Rohbau. So können sich Interessenten quasi hautnah in die neue Umgebung einfühlen.

Dirk Wohltorf findet dieses Vorgehen total effizient: „Im Idealfall hält sich der Aufwand für alle in Grenzen.“

Massenbesichtigungen sind Schnee von gestern

Wohnungssuchende müssen in den Metropolen der Republik häufig mit Besichtigungsmarathon und Schlangestehen im Treppenhaus rechnen. Vermieter und verkaufswillige Eigentümer auf der anderen Seite haben in Corona-Zeiten wenig Lust, zahlreiche Fremde ins Haus zu lassen.

Hausbesichtigungen müssen nicht mehr vor Ort erfolgen. Auch per Laptop sind sie möglich.

„Terminschwierigkeiten und insgesamt der hohe Aufwand auf Mieter und Vermieterseite können signifikant reduziert werden“, fasst Axel Gedaschko, Präsident des Spitzenverbands der Wohnungswirtschaft GdW, zusammen.

Durch die Digitalisierung lässt sich die Zahl realer Begehungen dramatisch reduzieren. Das ist besonders bei Mietwohnungen ein schlagendes Argument, wo bei gleichbleibender Courtage hunderte Bewerber durchgeschleust werden müssen.

Digitale Wohnungsbesichtigung erspart Enttäuschungen

Pfiffige Gadgets wie 360 Grad-Rundgänge, Besichtigungsroboter, Drohnen und 3D-Brillen können helfen, sehr schnell zu erkennen, ob eine Immobilie überhaupt in Frage kommt.

Die Besichtigenden erhalten ein prompt ein Gefühl für die Wohnung, den Schnitt und das Raumgefühl. Besonders dann, wenn sich die Räume während der virtuellen Begehung schon einrichten lassen

Makler Roland Kampmeyer setzt seit Jahren auf digitale Wohnungsbesichtigunen: „Die Akzeptanz hat sich deutlich verbessert, weil mit Corona der praktische Nutzen stärker in den Vordergrund gerückt ist.“

Mechanische Helfer: Führungen durch Roboter

Kampmeyer und viele seiner Kollegen schicken Kaufinteressenten unter anderem auf virtuelle Besichtigungen, die von Maklern per Chat begleitet werden. Sogar Roboter kommen zum Einsatz.

„Digitalisierung wird zum Markenzeichen für die Professionalität eines Maklers werden“, sind Kampmeyer und der IVD überzeugt.

Digitale Besichtigungen: Gezielter Einsatz der Tools

Ob Drohne, VR-Rundgang oder digitales Exposé: Welche Tools und Gadgets genutzt werden können, hängt natürlich immer von der Immobilie ab. Generell gilt: „Kassieren für den Link darf der Makler nicht. Das wäre unseriös“, sagt Dirk Wohltorf.

Per Drohne bekommen Kaufinteressierte besondere Blicke aufs Haus.

Der IVD-Repräsentant außerdem sicher, dass digitale Besichtigungen etwaige Mängel nicht verdecken können. „Der Aufwand der Bildbearbeitung wäre zu hoch“.

Kritik an digitalen Rundgängen

Der Deutsche Mieterbund (DMB) hält indes recht wenig von virtuellen Besichtigungen. „Der Mieter sieht nur das, was ihm ausschnittsweise gezeigt wird“, sagt Sprecherin Jutta Hartmann.

Daniel Zimmermann vom Mieterbund in Düsseldorf warnt sogar ausdrücklich davor, auf Mietzusagen per App und Mail zu vertrauen. „Ohne Vertrag und Unterschrift steht man doof da, wenn es Unklarheiten gibt.“