Kommentar: Christopher Street Days im Ruhrgebiet - Bitte mehr davon!

Christopher Street Day. Foto: Bianca Hoffmann/RUHR24
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Christopher Street Day. Foto: Bianca Hoffmann/RUHR24

Insgesamt finden diesen Sommer vier CSDs im Ruhrgebiet statt. Eine wunderbare Entwicklung findet RUHR24-Mitarbeiterin Lena Heising. Ein Kommentar.

Zum ersten Mal fand am 20. Juli ein Christopher Street Day in Bochum statt. Am 14. September zog die Pride-Parade durch Dortmund. Insgesamt fanden in diesem Sommer vier CSDs im Ruhrgebiet statt. Gut so, findet RUHR24-Autorin Lena Heising.

Mal ehrlich: Im Ruhrgebiet finden selten so fröhliche und liebevolle Demonstrationen wie der Christopher Street Day (CSD) statt. Wann sonst gibt es eine Tanzdemo durch die Innenstadt?

Trotzdem: Der CSD ist nicht einfach eine Unterhaltungsveranstaltung. Denn er hat eine verdammt wichtige Botschaft: Wir brauchen mehr Toleranz und Akzeptanz gegenüber queeren Mitmenschen. Doch diese Botschaft bringt aus irgendeinem unverständlichen Grund immer wieder Leute auf die Palme.

"Straight Pride": Ein alberner Versuch, die Botschaft des CSD zu relativieren

In Boston findet dieses Jahr zum Beispiel eine "Straight Pride" von Heterosexuellen statt. "It's great to be straight" und "Don't hate the straight", (Hasse nicht die Heterosexuellen), sind Mottos dieser Veranstaltung.

Doch Fakt ist: Heterosexuelle Paare werden in der Öffentlichkeit nicht angefeindet. Sie werden nicht gezwungen, sich grausamen Konversionstherapien zu unterziehen. Die Organisatoren der "Straight Pride"-Clownsveranstaltung sind einer der Gründe, weshalb der Christopher Street Day so wichtig ist.

Denn nach wie vor ist Homosexualität in 72 Ländern strafbar. In einigen Ländern wird für gleichgeschlechtliche Liebe sogar die Todesstrafe verhängt. Homosexuelle müssen noch immer in vielen Ländern darum kämpfen, die Liebe ihres Lebens heiraten zu dürfen.

Veranstaltungen wie die "Straight Pride" versuchen, die wichtige Botschaft des CSD zu relativieren. Doch klar ist: Queere Menschen haben mit deutlich mehr gesellschaftlichen und privaten Anfeindungen zu kämpfen als heterosexuelle. Deshalb haben sie jeden Grund, stolz darauf zu sein, dass sie sich trotz allem nicht verstecken.

Transgender: Gefährdet für Depression und Selbstmord

Das gilt auch für transsexuelle Menschen. Immerhin ein bis drei Prozent der Weltbevölkerung sind im "falschen Körper" geboren. Und ihr Leben ist nicht immer einfach: Sie sind anfälliger für Depressionen, Selbstmorde und häufig Opfer gewalttätiger Übergriffe. Ihr Platz in der Gesellschaft wird ihnen auch heute noch von vielen Menschen verweigert.

Ich selbst bin mit einem Mädchen zur Schule gegangen, das anstatt zur Frau zum Mann wurde. Und mit der Zeit zu einem guten Freund von mir. Ob er jetzt männlich oder weiblich ist, war mir schon immer egal. Viel wichtiger ist doch, dass er als Mann so viel glücklicher ist - was will man für seine Freunde mehr?

Liebe ist ein guter Grund zum Feiern

Der Christopher Street Day ist eine tolle Gelegenheit, dieses Glück zu feiern. Er ist eine fröhliche Veranstaltung, die meiner Meinung nach noch viel öfter stattfinden und noch viel länger gehen könnte.

Und auch wenn das Ruhrgebiet eigentlich nicht für seine queere Szene bekannt ist: Dass der CSD in immer mehr Ruhrgebietsstädte kommt- in diesem Jahr nach Bochum, Essen, Dortmund und Duisburg - ist eine tolle Entwicklung. Denn Liebe ist ein guter Grund zum Feiern. Und queere Menschen sollen und dürfen sich nicht verstecken müssen.

Dieser Kommentar entspricht der Meinung des Autoren und muss nicht unbedingt die Ansicht der gesamten Redaktion widerspiegeln.