Bild: Bianca Hoffmann/Unna24

Wie teuer ist eine Busfahrt von Unna nach Lünen? Vielleicht spielt die Frage nach dem Preis bald keine Rolle mehr. Die Bundesregierung prüft in fünf Städten, ob eine freie Fahrt im Öffentlichen Nahverkehr möglich ist. Eine gute Sache? Das sagt die VKU zu dieser Idee.

Gibt es bald freie Fahrt im Öffentlichen Nahverkehr (ÖPNV) im Kreis Unna. Das Szenario ist eigentlich schwer vorzustellen. Doch wenn es nach den Plänen der Bundesregierung geht, dann sollen bald Kommunen die Türen zu Bussen und Bahnen für die Bevölkerung kostenlos öffnen. Andreas Feld, der sich um das Verkehrsmanagement bei der Verkehrsgesellschaft Kreis Unna (VKU) kümmert, sieht sehr große Herausforderungen.

Freie Fahrt im ÖPNV bald überall?

Zum Hintergrund: Die Bundesregierung erwägt eine freie Nutzung des ÖPNV. Was ist der Grund? Sie will die Luftqualität in den Städten verbessern. Das geht aus einem Brief von Umweltministerin Barbara Hendricks (SPD), Verkehrsminister Christian Schmidt (CSU) und Kanzleramtschef Peter Altmaier (CDU) an EU-Umweltkommisar Kamenu Vella hervor. Fakt ist: Deutschland tut zu wenig, um die Qualität der Luft in den Städten zu verbessern. Die Regierung will die freie Fahrt im ÖPNV in Essen (573.000 Einwohner) , Bonn (313.958), Herrenberg (30.000), Reutlingen (112.000) und Mannheim (300.000). Ist die freie Nutzung des ÖPNV die Lösung?

Busbahnhof Unna Foto: Dennis Liedschulte/Unna24
Einfach einsteigen ohne sich vorher durch den Tarif-Dschungel zu schlagen? Eigentlich eine gute Sache. Foto: Dennis Liedschulte/Unna24

„Der öffentliche Nahverkehr ist nicht das Problem, sondern beim Thema Emissionen die Lösung. Die Politik hat das erkannt und das ist gut“, sagt Andreas Feld von der VKU. Denn selbst ein älterer Bus stößt weniger Schadstoffe aus als eine große Menge Autos. Feld arbeitet seit knapp 30 Jahren im ÖPNV und kann auf einige Erfahrungswerte zum Thema „kostenlose Fahrt“ aus dem Ausland zurückgreifen.

Es gibt Erfahrungswerte aus dem Ausland

„Die Erfahrungen sind zweigeteilt“, sagt er. „Es gibt Städte, in denen viele Autos durch kostenlosen Nahverkehr von den Straßen geholt worden sind. In anderen Beispielen waren es leider die Radfahrer, die dann Bus und Bahn fuhren“, sagt er. Die Rechnung ist einfach. Wenn 20 Autos von der Straße verschwinden und sich die Fahrer in einen Bus setzen, dann ist das gut. Umgekehrt sind 20 Radfahrer, die dann Bus fahren schlecht.

Die VKU befördert jährlich rund 15 Millionen Fahrgäste. Das sind umgerechnet 10 Prozent des gesamten Verkehrs im Kreis Unna. „Bei der kostenlosen Fahrt müssten wir unsere Infrastrukturen verdoppeln“, sagt Feld. 30 Millionen Fahrgäste, mehr Busse, mehr Fahrer, mehr Busstellplätze. „Von heute auf morgen ist das unmöglich. Dazu würden wir ein funktionierendes Konzept benötigen“, sagt Feld. Letztendlich kommt noch die alles entscheidende Frage, die die Politik bisher nicht beantwortet hat: Wer bezahlt das alles?

Bürgerticket als Alternative

Für Andreas Feld gibt es aber eine Initiative. Denn das sogenannte Bürgerticket hält er für eine gute Idee. Beim Bürgerticket würden die Einwohner im Kreis Unna einen monatlichen Pauschalbetrag zahlen und dann die Busse nutzen können. Es wäre praktisch eine Nahverkehrs-Flatrate. Der Vorteil: Es wäre günstiger als ein Monatsticket. Der Nachteil: Auch Menschen, die den ÖPNV nicht nutzen, müssten zahlen. „Ich finde den Ansatz dieser Idee richtig. Wir sind da seit 2007 dran. Es gibt aber viele politische Hürden“, sagt Feld.