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Wer sein Kind aufs Gymnasium schicken möchte, dem steht heutzutage nicht viel ihm Wege. Die Empfehlungen der Grundschulen sind nicht bindend. Doch das Schulministerium NRW denkt darüber nach, wieder verbindliche Grundschul-Gutachten einzuführen. Wie denkt man in Unna darüber?

NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer kann sich vorstellen, wieder verbindliche Grundschul-Gutachten einzuführen. Damit wären die Empfehlungen der Schulen beim Wechsel von der Grundschule auf eine weiterführende Schule wieder bindend. „Mir sagen Lehrer, und zwar aus allen Schulformen und unaufgefordert: Sie wünschen sich das verbindliche Grundschulgutachten zurück“, sagte Gebauer gegenüber der Rheinischen Post (RP). Wie sieht man die Sache in Unna?

Könnte sich vorstellen, wieder das verbindliche Grundschul-Gutachten einzuführen. NRW-
Schulministerin Yvonne Gebauer. Foto: dpa

Ein Befürworter für eine Rückkehr zum verbindlichen Gutachten etwa ist Matthias Landsberg, Rektor der Schillerschule in Massen. „Denn ohne verpflichtende Gutachten könnten wir uns die ganze Arbeit eigentlich sparen“, sagt Landsberg, „man fühlt sich nicht richtig ernst genommen“. Denn der Aufwand, den seine Schule für die aktuell nicht bindenden Gutachten aufbringe, sei ziemlich hoch. So gäbe es Beratungsgespräche und Konferenzen im Kollegium und auch Gespräche mit den Eltern. An der Schillerschule, räumt Landsberg ein, würden sich aber die meisten Eltern an die Empfehlungen der Lehrer halten. Trotzdem: „Eine kleine Hürde“, so Lansberg, „kann meiner Meinung nach nicht schaden.“

Kritik am verbindlichen Grundschul-Gutachten

Kritiker eines verbindlichen Gutachtens sagen, angesichts des Lehrermangels könne man eine so weit reichende Entscheidung, wie die Wahl der weiterführenden Schule, nicht in die Hände der Lehrer geben. Erst recht nicht, wenn es sich bei den Lehrern um Seiteneinsteiger handle.

Die Grundschule in Hemmerde hat diese Probleme nicht. „Wir sind da sehr entspannt“, sagt Schulleiter Hans Balter. Eine vierte Klasse habe in seiner Schule jeweils zwei Lehrer, die das Gutachten schreiben würden. Eine Lehrkraft konzentriere sich dabei auf die Deutsch-Fähigkeiten, die andere auf die Mathe-Kenntnisse des jeweiligen Kindes. „Am Ende folgen die meisten Eltern dem Votum unserer erfahrenen Lehrer“, sagt Balter. Ein verbindliches Gutachten brauche er auf seiner Schule daher nicht – auch wenn es aktuell immer „ein, zwei schwarze Schafe“ gäbe, die die Einschätzung der Lehrer nicht akzeptierten.

Welche weiterführende Schule ist gut fürs Kind? Diese Entscheidung könnte bald wieder bindend bei den Lehrern liegen. Foto: dpa

Befürworter des Vorstoßes der NRW-Ministerin sehen die Qualität der Bildung gefährdet, würden alle Eltern ihre Kinder dort hinschicken, wo sie es für richtig hielten. Diese Meinung vertritt etwa die Landeselternschaft der Gymnasien. Die Rheinischen Direktorenvereinigung sieht unterdessen bei den Lehrern die „objektiveren Entscheidungskriterien als zum Beispiel die Eltern, die primär das eigene Kind Im Blick haben“, wie Vorsitzender Martin Sina der RP sagte.

Eltern haben bereits Vertrauen in Lehrer

Dass die meisten Eltern den Lehrern schon jetzt vertrauen, ohne bindende Gutachten, damit auch die Schule am Friedrichsborn in Königsborn gute Erfahrungen gemacht. „Es ist unsere Pflicht, die Eltern gut zu beraten“, sagt Schulleiterin Ute Kirch-Forthaus. Die Lehrer der Schule würden die Entwicklung der Kinder beobachten und sich für die Bewertung Zeit nehmen. Bindendes Gutachten? Braucht man auch an der Schule am Friedrichsborn nicht unbedingt.

Mit dem Halbjahreszeugnis der Klasse 4 erhalten die Eltern aktuell eine Empfehlung für eine mögliche weiterführende Schule ihres Kindes. Diese begründete Empfehlung soll Eltern dabei helfen, die richtige Schulform für das Kind zu wählen. Die Empfehlung ist als Hilfestellung der Grundschule gedacht. Sie ist aber nicht bindend. Nach der Beratung durch die Grundschule können die Eltern ihr Kind an einer weiterführenden Schule ihrer Wahl anmelden. Dort wird entschieden, ob das Kind aufgenommen wird. Gibt es mehr Anmeldungen als Plätze, darf ein Kind nicht mit Verweis auf eine andere Empfehlung der Grundschule abgelehnt werden.
Info: Um Grundschüler beim Übergang auf eine weitere Schule besser einschätzen zu können, nutzt man in Unna seit einigen Jahren das sogenannte „Übergangsprotokoll“. Dieses spiegelt die Kompetenzen der Schüler in den Fächern Deutsch und Mathematik wider. Dabei handelt es sich um eine Art Multiple-Choice-Bogen, den Lehrer in den vier Grundschuljahren für jedes Kind ausfüllen. Am Ende soll es dabei helfen, die richtige weiterführende Schule zu finden. Es wird mit dem Halbjahreszeugnis der Klassen 4 eingesetzt.