Bild: Bianca Hoffmann/Unna24

Unna hat in den nächsten Jahren einige Herausforderungen zu meistern. Staus und die Suche nach Parkraum in der Stadt gehören dazu. Ein Teil einer Lösung könnten autofreie Neubaugebiete sein, bei denen die neuen Einwohner Unnas auf das Auto verzichten. Doch ist das realistisch?

Ein autofreies Neubaugebiet? Notwendigkeit oder erstrebenswertes Zukunftsmodell? Die Grünen der Stadt Unna haben einen Antrag auf autofreie Quartiere in den Neubaugebieten Mühlenstraße, Am Bach (Lünern) und Kletterstraße (Unna-Massen) gestellt. Zunächst geht es um eine Prüfung, ob dieses Vorhaben überhaupt funktionieren würde. Doch die Argumente zeigen: Die Grünen meinen es ernst. „Wir wollen die Möglichkeit eines autofreien Wohngebiets prüfen lassen“, sagt Björn Merkord von den Grünen der Stadt Unna.

Das Auto vor der Tür gehört für viele Menschen einfach dazu. Es erleichtert ja auch Freizeit und Alltag. Denn obwohl das Ruhrgebiet zu den dicht besiedelten Gebieten in Deutschland gehört, wäre ein Verzicht für viele eine große Herausforderung. Trotzdem lassen sich einige Dinge nicht leugnen: Schlechte Straßen, wenig Parkraum und vor allen Dingen Staus sind auch rund um Unna (A44/A1/B1) und sogar in der Innenstadt (Kreishauskreisel) häufig mehr Frust als Vergnügen. Hinzu kommt die unsichtbare Belastung durch Abgase.

Rad und ÖPNV werden wichtiger

Doch wie könnte ein autofreies Neubaugebiet aussehen? Klar ist: Das Auto fällt weg. Dementsprechend müsste das Neubaugebiet eine gute Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr (ÖPNV) haben. Im Falle der von den Grünen genannten Neubaugebiete an der Mühlenstraße, Am Bach und an der Kletterstraße wäre das der Fall. Denn die Bahnhöfe Unna-West, Lünern und Massen liegen in der Nähe. „Fußläufig oder mit dem Rad sind die Bahnhöfe gut zu erreichen“, sagt Merkord.

Kostenloser Nahverkehr: Das sagt die VKU

Neben dem ÖPNV, so die Grünen, sollte auch das Fahrrad in Unna wichtiger werden. Es ist nicht nur von Abstellplätzen, Parkhäusern oder Mieträdern nahe der neuen Wohngebiete die Rede. Auch über die Verbindung via Radwege der einzelnen Stadtteile mit der Innenstadt müsste geredet werden. Denn da hat Unna noch einiges vor. „Das sogenannte Zielnetz für den Radverkehr 2025 und mögliche autofreie Neubaugebiete ergänzen sich“, sagt Merkord.

Viele Strecken sind maximal zehn Kilometer lang

Generell sind in einer Stadt wie Unna viele Strecken innerhalb von fünf bis zehn Kilometern zu absolvieren. Das sagte auch schon Stefan Peltzer, Referatsleiter Verkehr und Logistik der IHK zu Dortmund. Im Rahmen einer Veranstaltung der Wirtschaftsbetriebe Unna ging es im April um die größten Herausforderungen für den Kreis Unna in den nächsten Jahren. „Es schlummert in Sachen Radverkehr ein großes Potenzial“, hatte Peltzer gegenüber Unna24 gesagt.

Das sind die größten Herausforderungen für Unnas Wirtschaft

Die Grünen haben die Idee eines autofreien Neubaugebiets nicht selbst entwickelt. Es gibt Vorbilder. Auch ganz in der Nähe. In Münster steht die Weißenburg-Siedlung. Diese Siedlung dient als Vorbild für die Idee der autofreien Neubaugebiete.

Müssen Einwohner komplett auf das Auto verzichten?

Ganz so radikal wollen es die Grünen in Unna aber nicht durchsetzen. „Ich denke, dass Unna nicht das Potenzial wie Münster hat. Doch Stadt und Verwaltung könnten den Rahmen schaffen. Wenn sich Familien finden, die auf das Auto verzichten möchten, dann hat das durchaus Vorteile für eine ganze Stadt“, sagt Merkord. Weniger Parkplätze, weniger Autos in der Stadt, weniger Luftverschmutzung.

Zudem wäre die Möglichkeit gegeben, Car-Sharing-Projekte nach Unna zu holen. „Es heißt ja nicht, dass man ganz darauf verzichten muss. Es würde ja schon einen Schritt weiter gehen, wenn sich mehrere Familien Autos teilen würden“, sagt Merkord. Auch von E-Autos ist im Antrag die Rede.

Gründung eines Vereins wäre möglich

Vor den Häusern in dem Neubaugebiet würden betonierte Parkplätze für Autos wegfallen. Für die Grünen hat das mehrere Vorteile: Kinder könnten gefahrlos spielen. Die Siedlung könnte mehr Grünflächen und vielleicht sogar Gemeinschaftsgärten anlegen. Die Lautstärke und die Abgase fahrender Autos würde zumindest innerhalb der Siedlung reduziert werden.

Zudem wäre auch die Gründung eines Vereins im Rahmen des Möglichen. In der Weißenburg-Siedlung in Münster arbeitet ein nachbarschaftlicher Verein und kümmert sich um das in der Siedlung ansässige Café, einen Fahrradverleih inklusive Werkstatt und um verschiedene soziale Angebote wie Trödelmärkte.