Stadt im Kreis Unna zieht Reißleine

„Sim-Jü“: Traditionskirmes in Werne findet 2020 nicht statt - gibt es eine corona-konforme Alternative?

Den Simon-Juda-Markt, den (fast) alle nur „Sim-Jü“ nennen, wird es 2020 in bewährter Form nicht geben. Stadt und Schausteller arbeiten aber aktuell noch an einer corona-konformen Alternative.
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Den Simon-Juda-Markt, den (fast) alle nur „Sim-Jü“ nennen, wird es 2020 in bewährter Form nicht geben. Stadt und Schausteller arbeiten aber aktuell noch an einer corona-konformen Alternative.

Die Entscheidung war „alternativlos“, um es mit dem „Unwort des Jahres 2010“ zu sagen: Die „Sim-Jü" in Werne ist abgesagt worden. Gibt es eine corona-konforme Alternative?

  • Die weit über die Grenzen Wernes hinaus beliebte Kirmes „Sim-Jü" findet 2020 nicht statt.
  • Die Stadt hat sich angesichts des Coronavirus zur Absage entschieden, arbeitet aber an einer Alternative.
  • Das größte Volksfest an der Lippe lockt Jahr für Jahr mehrere hunderttausend Besucher an.

Werne - Von Samstag, 24. Oktober bis Dienstag, 27. Oktober sollte wieder der „Simon-Juda-Markt“ stattfinden. Das größte Volksfest an der Lippe, das (fast) alle nur „Sim-Jü" nennen, lockt Jahr für Jahr mehrere hunderttausend Besucher an. 2020 fällt es aus.

Wie die Stadt Werne mitteilte, habe man die Traditionskirmes, die 2019 herausragend gut gelaufen war, offiziell absagen müssen, weil diese aufgrund der aktuellen Coronaschutzverordnung nicht in gewohnter Form stattfinden könne.

„Großveranstaltungen sind bis zum 31. Oktober 2020 verboten. Schweren Herzens müssen wir Sim-Jü deshalb absagen“, wird Bürgermeister Lothar Christ zitiert.

„Sim-Jü“ in Werne: Beratungen führen zur Absage

„Gemeinsam mit dem Ordnungsamt und Vertretern der Schausteller hatte die Verwaltungsspitze in den vergangenen Monaten über Sim-Jü beraten“, heißt es auf der Internetseite der Stadt Werne. Am Ende dieser Gespräche stand jetzt der Zug an der Reißleine und damit die Absage von „Sim-Jü 2020“, wie WA.de* berichtet.

Laut Ordnungsamtsleiterin Kordula Mertens sollen die Schausteller, mit denen bereits Verträge abgeschlossen worden seien, ebenso wie die Marktbeschicker für den Kram- und Viehmarkt in diesen Tagen eine entsprechende Information erhalten.

„Wir sind der Stadt Werne sehr dankbar, dass sie mit uns einen intensiven Dialog geführt und Sim-Jü nicht bereits frühzeitig abgesagt hat“, sagte Patrick Arens, Präsident des Bundesverbands deutscher Schausteller und Marktkaufleute. „So hatten wir die Gelegenheit, uns unter anderem mit dem Wirtschaftsministerium über andere Konzepte auszutauschen.“ 

„Sim-Jü“ in Werne: Jetzt soll eine Alternative her

Die Gespräche zwischen den Verantwortlichen würden fortgesetzt. Ziel sei es, so Bürgermeister Lothar Christ im offiziellen Statement der Stadt Werne, eine Alternative zu „Sim-Jü“ zu schaffen.

„Wir arbeiten daran, ein Format unter Corona-Bedingungen zu ermöglichen. Das Wichtigste dabei ist, den Schutz der Bevölkerung vor Infektion nicht zu vernachlässigen und unsere Kirmesfans dennoch zu erfreuen“, so das Stadtoberhaupt weiter.

Im Veranstaltungskalender der Stadt Werne taucht die „Sim-Jü“ noch auf. „Vom 24. bis 27. Oktober wird in diesem Jahr Sim-Jü auf allen Straßen und Plätzen unserer Stadt gefeiert“, heißt es dort.

Der Ursprung des Simon-Juda-Marktes liegt in der Verleihung des Marktrechtes von 1362. „Das Besondere und wohl Einzigartige an Sim-Jü ist die Tatsache, dass sich das Volksfest stets am Tag ‚Simon und Juda‘ (28. Oktober) ausrichtet und seit seinem Entstehen in der Stadtmitte durchgeführt wird“, heißt es zur Tradition der Großveranstaltung.

„Sim-Jü" in Werne:

Die wird traditionell nicht nur durch die Fahrgeschäfte und die bunten Budengassen geprägt, sondern auch durch das Feuerwerk am Kirmes-Montag sowie besagten Kram- und Viehmarkt am abschließenden Dienstag. Sonntags öffnen die Geschäfte in Werne ebenso traditionell zum verkaufsoffenen Sonntag von 13 bis 18 Uhr.

All‘ das fällt 2020 zumindest in der bewährten Form weg. Jetzt müssen alle Freunde abwarten, welche corona-konforme Alternative die Verantwortlichen auf die Beine stellen können. Details zu den Plänen (Termin, Ort, mögliche Teilnehmer) sind bislang nicht bekannt.

Als Vorbild könnte die Stadt Hamm dienen: Dort wurde der Stunikenmarkt (18. bis 22. September), der gewöhnlich rund um die Pauluskirche und auf dem Santa-Monica-Platz im Herzen der Stadt stattfindet, ebenso wie „Sim-Jü“ abgesagt. Die Alternative in der Nachbarstadt Wernes soll auf dem Platz an den Zentralhallen steigen.

Der war kurzfristig frei geworden, weil der Circus Flic Flac sein Gastspiel für Ende September/Anfang Oktober abgesagt hat. Die Stadt Hamm und der Schaustellerverein „Hand in Hand“ arbeiten unter Hochdruck an einer Kirmes in abgespeckter Form.

Möglich werden solche Pläne quasi durch ein Schlupfloch in der Coronaschutzverordnung des Landes Nordrhein-Westfalen, das temporäre Freizeitparks erlaubt - wie beispielsweise zuletzt schon „funDOmio“ auf einem eingezäunten Gelände in Dortmund an den Westfalenhallen oder das „DüsselLand" in Düsseldorf. - *WA.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerkes