So nehmen Künstler in Unna Abschied vom Bergbau

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Unna/NRW - Mit der Schließung der Zeche Prosper-Haniel in Bottrop endet die Zeit des Bergbaus, die das Ruhrgebiet für immer prägte. Drei Künstlerinnen nehmen in der Austellung "Down here - Up there" Abschied von den Jahrhunderten des Kohleabbaus.

Die jahrhundertelange Zeit des Bergbaus im Ruhrgebiet neigt sich dem Ende zu. Mit der Schließung des Bergwerks Prosper-Haniel in Bottrop ist in der letzten deutschen Zeche ab Ende 2018 Schicht im Schacht. Die RuhrKunstMuseen in der ganzen Region beschlossen deshalb, das Thema "Kunst & Kohle" in einer Wechselausstellung vom 6. Mai bis zum 16. September aufzugreifen.

"Down here up there": Das ist der Name der Ausstellung, die momentan im Zentrum für Internationale Lichtkunst steht. Während der Bergbau ein reiner Männerberuf war, übernehmen hier drei Frauen die künstlerische Darstellung. Die Niederländerinnen Diana Ramaekers und Dorette Sturm sowie die Deutsche Nicola Schrudde präsentieren nun am Lindenplatz ihre Werke. Die Kombination aus Lichtkunst und dem Thema Kohlebergbau ist auf dem ersten Blick komisch: Die Stollen sind schließlich nicht für ihre Helligkeit bekannt, zudem ließ der Staub der Kohleförderung nur wenig Sonnenlicht durch. Die Künstlerinnen entschieden sich trotzdem, das Thema mit Neonröhren und rosa Wolken zurück in den Pott zu bringen.

Lichtarchitektin Diana Ramaekers setzt Denkmal für Grubenarbeiter

Diana Ramaekers kreierte für die Ausstellung das Kunstwerk "Mijn Berg", bestehend aus Neonröhren. Ursprünglich schuf sie das Ausstellungsstück für die letzte Zeche der niederländischen Provinz Limburg. Die Bergbau-Erfahrungen im Nachbarland lassen sich jedoch leicht auf das Ruhrgebiet übertragen.

"Die rot leuchtende Installation symbolisiert die Energie der Menschen, mit welcher die Kohle über die Erde geholt wurde, um die Menschen von damals zu wärmen", erklärt Ramaekers. Es sei ein Denkmal an alle Grubenarbeiter. Auch die Wahl des Materials, Neon, ist kein Zufall. Als der Kohleberbau in den Niederlanden seinen Höhepunkt hatte, wurde Neon erstmalig genutzt. Ramaekers Beziehung zum Bergbau ist sehr persönlich: Sie ist Erbin einer Grube, die zwischen Aachen und Hürth liegt.

Nicola Schrudde zeigt Grundlage des Bergbaus auf

Keine Frage, der Bergbau hat auch die Landschaft im Ruhrgebiet verändert. Nicola Schrudde schuf deshalb das Kunstwerk "Schwarzdichte", das aus tiefschwarzen keramischen Plastiken und Videoloops besteht. Die Materialien sind eine Anspielung auf die Produkte des Bergbaus.

"Die Installation ist eine Landschaftsvorstellung, mit der der Betrachter seine eigenen Natur -und Landschaftserinnerungen verknüpfen kann", so die deutsche Künstlerin. Eine kleine Taschenlampe ermöglicht Besuchern, die einzelnen Aspekte der Arbeit zu "beleuchten". Außerdem ergänzt die Blatt-Projektion den organischen Ursprung des Bergbaus. Die Natur wird als grundlegendes Gestaltungsmittel dargestellt.

Eine Wolke, die atmet

Den Abschluss der Ausstellung bildet Dorette Sturms "Breathing Cloud". Ein feines Segeltuch formt den Körper einer Wolke, die in rosafarbenem Licht erstrahlt. Dabei bewegt sich die Wolke sanft zu einer tiefen Melodie. Dadurch scheint es, als ob die Wolke atmet. Sie soll den von Kohlestaub bedeckten Himmel während der Bergbau-Zeiten repräsentieren. Gleichzeitig ist sie ein Symbol der Hoffnung: Die kreativen, hellen Farben lassen auf ein Wiedererstarken der Natur hoffen.

"Hier geht es um die Erfahrung von Atmung. Wir hören die Wolke atmen, es klingt wie das Luftholen eines Titanen", beschreibt Sturm ihre Kunst. Die Wolke befinde sich unter der Erde, passend zu dem Motto "Down here - Up there", und bringt frische Luft in einen Ort, wo eigentlich keine sein sollte.

Die Austellung im Zentrum für Internationale Lichtkunst am Lindenplatz in Unna kann ausschließlich im Rahmen von öffentlichen Führungen besucht werden. Solche dauern ungefähr 90 Minuten. Wechselausstellungen wie "Down here - Up there" stehen meist im Fokus solcher Führungen. Weitere Informationen findet ihr hier.