Kreis Unna: Mit dieser App könnt ihr Leben retten

+
Foto: Stephan Jansen/dpa

Unna/NRW - Mit "Mobile Retter" hat der Kreis Unna nun eine lebensrettende App im Einsatz. Denn häufig kommt es in Notfällen auf Minuten an.

In Notfällen kommt es auf Minuten an. Häufig hängen Leben und Tod davon ab, wie rechtzeitig Rettungskräfte am Einsatzort eintreffen. Mit "Mobile Retter" hat der Kreis Unna nun eine lebensrettende App im Einsatz.

Ein Rettungswagen braucht in städtischen Gebieten in NRW durchschnittlich acht Minuten und in ländlichen Gebieten durchschnittlich zwölf Minuten, um zum Einsatzort zu gelangen. "Das ist leider in den schlimmsten Fällen trotzdem viel, da ein Gehirn nur drei bis fünf Minuten ohne Sauerstoff die Funktionen aufrechterhalten kann", erklärt Ralf Stroop, Notarzt und gleichzeitig Ingenieur für Elektro- und Informationstechnik. Wie viele Menschenleben hätten gerettet werden können, wenn Ersthelfer früher an Ort und Stelle gewesen wären, fragte sich Stroop - und so kam ihm eine Idee: Die App - Mobile Retter - war geboren.

Warum eine App?

Damit es schneller geht. Push-Mitteilungen gehören heutzutage zu jedem Smartphone. Die Leute informieren sich über Wetterwarnungen oder auch über Banalitäten wie Sportergebnisse oder Klatschpresse-News. "Ich dachte mir also, dass ich diese Push-Mitteilungen als Hilfestellung für die Rettungskräfte nutzen könnte", sagt Stroop. Denn durch die "Mobilen Retter" sollen mögliche Ersthelfer aus der Bevölkerung via Push informiert werden und so ein paar Minuten früher an Ort und Stelle sein.

Wer darf sich registrieren?

Potenzielle Ersthelfer registrieren sich bei der App "Mobile Retter". Es folgt ein Trainings-Termin, bei dem Mitarbeiter des Vereins Mobile Retter e.V. den Ersthelfer einweisen und über die Schulter schauen. Danach wird dieser in das System übernommen und sozusagen online gestellt. Doch nicht jeder kann sich als Ersthelfer registrieren. Es gibt Kriterien. "Wir möchten sicherstellen, dass sich nur Leute mit entsprechender Ausbildung und Kenntnissen als Ersthelfer registrieren", sagt Stroop. Nur Ärzte, Sanitäter oder auch Krankenpfleger können sich demnach anmelden.

Werden Ersthelfer bei jedem Einsatz gerufen?

Nein, es gibt verschiedene Kriterien. Bei einem Fahrradunfall und einem gebrochenen Bein wird kein Ersthelfer gerufen. Die App meldet sich bei zeitkritischen Fällen. "Ersthelfer werden dann gerufen, wenn die Zeit knapp wird und es gefährlich werden kann. Bei Bewusstlosigkeit und Herzstillstand", sagt Stroop. Hier können die Minuten, bis die richtigen Rettungskräfte eintreffen, den Unterschied machen.

So funktioniert es im Idealfall

Jemand ruft die Rettungsleitstelle an. Die ist im Kreis Unna mit der App "Mobile Retter" verbunden. Mithilfe der GPS-Daten des Smartphones erkennt die App, ob ein Ersthelfer in der Nähe ist und schickt eine Push-Mitteilung. Dann kann der Ersthelfer zum Ort des Geschehens eilen und wenn möglich Hilfe leisten. "Die Ersthelfer sind mit einem Schlüsselbundanhänger mit Beatmungsfolie und Handschuhen ausgestattet und geben den Rettungskräften einen ersten Überblick", sagt Stroop. Die Rettungskräfte kommen so oder so zum Einsatzort. Der Ersthelfer ist nur im Idealfall ein paar Minuten eher da und agiert sozusagen als ergänzende Hilfe.

Wie läuft die App im Kreis Unna?

Der Kreis ist eigentlich die perfekte Region für diese App. Großflächig und ländlich. Auf dem Kreisgebiet gibt es insgesamt 398 Mobile Retter. Seit dem 11. Oktober 2016 (Start der App im Kreis Unna) haben sie insgesamt 350 Einsätze absolviert und benötigten im Schnitt 4,32 Minuten zum Einsatzort. "Es läuft sehr gut im Kreis Unna. Aber wir würden uns natürlich über weitere potenzielle Ersthelfer freuen", sagt Stroop.

Wie geht es mit der App weiter?

Auch die Stadt Dortmund rückt in das Interesse der "Mobilen Retter" und Ralf Stroop würde sich freuen, wenn es die App auch bald dort geben würde. "Es wäre spannend zu wissen, wie die App in einer Großstadt funktioniert", sagt der Notarzt. Zudem kommt die Entwickler-Firma der App aus Dortmund.

Für Ralf Stroop und sein Team geht es mit der App "Mobile Retter" um die paar Minuten, die in vielen Fällen den Unterschied zwischen Leben und Tod ausmachen können. "Wir können mit dem Smartphone per Klick eine Pizza bestellen. Mit "Mobile Retter" können wir nun auch Leben retten. Und das ist eine gute Sache", sagt Stroop.