Irriation im Kreis Unna

Coronavirus-Alarm im Kreis Unna - Vater von Kita-Kind: "das ist grob fahrlässig"

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In einer Kita in Bergkamen im Kreis Unna wurden Fälle des Coronavirus nachgewiesen.

Das Coronavirus sorgt im Kreis Unna (NRW) für Irritationen. In einer Kita in Bergkamen gibt es aktuell Ärgernisse über die Vorgehensweise des Gesundheitsamts. 

  • Im Kreis Unna haben sich insgesamt neun Menschen mit dem neuartigen Coronavirus angesteckt.
  • Alle Kinder einer Kita in Bergkamen sind seit Montag in Quarantäne.
  • Die Eltern kritisieren das Vorgehen und schlagen jetzt Alarm.

Kreis Unna - Der Kreis Unna hat erneut weitere Infektionen mit dem neuartigen Coronavirus bestätigt. Ein Infizierter hatte bereits Kontakt zu einer Kita in Bergkamen. Eltern dieser Kita kritisieren nun das Vorgehen des Gesundheitsamts im Kreis Unna, berichtet RUHR24.de*.

Coronavirus im Kreis Unna: Kinder aus Kita unter Quarantäne - Eltern aber nicht

Samstagabend (7. März), 20.30 Uhr. Die Familie Schmidt** bekommt einen Anruf von der Kita, in die ihr Sohn geht. Er stehe ab sofort für zwei Wochen unter Quarantäne. Zuvor war in genau dieser Kita ein Fall des neuartigen Coronavirus nachgewiesen worden. Die Eltern handeln sofort, erreichen später ihren Arbeitgeber und wollen sich bei der Arbeit abmelden. Sie richten sich auf Tests wegen des Coronavirus und auf ein paar Tage zu Hause ein.

"Wir dachten, wir stehen auch unter Quarantäne", sagt der Vater des betroffenen Kindes gegenüber RUHR24. Doch das ist bislang nicht der Fall. Vom Gesundheitsamt im Kreis Unna erfuhren die Eltern, dass nur die Kinder zu Hause bleiben sollen - die Eltern hingegen nicht. Sie seien für das Gesundheitsamt derzeit nicht relevant und wurden daher aufgefordert, zur Arbeit zu gehen.

Coronavirus: Quarantäne sorgt für Probleme bei Familien in Bergkamen

Das führt nicht nur für diese Familie zu gleich mehreren Problemen: Wer betreut das Kind zu Hause? Sollte man zur Arbeit gehen, obwohl man sich möglicherweise bereits angesteckt hat? Und was legt man dem Arbeitgeber vor?

Die Arbeitgeber wollten einen Beweis, dass das Kind unter Quarantäne stehe und sprachen eine Verpflichtung zur Arbeit aus, bis diese erbracht wird, sagt der Vater. "Wir haben verständnisvolle Arbeitgeber", eine Regelung sei schnell gefunden worden.

Doch das sei nicht überall im Kreis Unna der Fall. Eine alleinerziehende Mutter, die ebenfalls ein Kind in der Kita in Bergkamen hat, habe Druck vom Arbeitgeber bekommen. Dieser soll mit Konsequenzen gedroht haben, sollte sie nicht zur Arbeit erscheinen. Ein anderer Vater sei am Arbeitsplatz isoliert worden.

Doch einfach beim Arzt krankschreiben lassen, ist für Eltern und Kinder ebenfalls nicht so einfach möglich, schildert der Vater seine Erfahrungen. Denn sie sind ja bislang nicht krank. Das Gesundheitsamt habe sie dennoch an einen Arzt verwiesen. Da auch ihr Kind keine Symptome zeigt - beim Coronavirus nicht unüblich - gilt es ebenfalls als gesund. Ein Kinderkrankenschein kommt für die Eltern also auch nicht infrage. Dem Arbeitgeber vorlegen konnten sie also nichts.

Kreis Unna: Ärger über den Umgang mit dem Coronavirus

Die Eltern regelten schließlich selbst, wie sie ihre Kinder betreuen und ob sie zur Arbeit gehen, oder nicht. Das nötige Schreiben für den Arbeitgeber habe der Vater eines der betroffenen Kinder erst am Mittwoch (11. März) bekommen - fast vier Tage nach der Quarantäne-Ankündigung. "Wir haben uns echt verarscht gefühlt", ärgert er sich.

Verständnis für die besondere Situation beim Gesundheitsamt und der Kreisverwaltung hat er zwar. Wegen drei nachgewiesener Fälle des Coronavirus dürfe aber nicht gleich das Gesundheitsamt der Region zusammenbrechen. "Es kann nicht sein, dass so damit umgegangen wird", sagt er. Es wundere die Eltern nicht mehr, dass sich das Virus in Deutschland so schnell verbreite: "Für uns Eltern ist das Handeln des Amtes daher grob fahrlässig und in jeder Hinsicht nicht nachvollziehbar."

Coronavirus im Kreis Unna: Wer gilt als Kontaktperson?

Wir haben beim Kreis Unna nachgefragt und den Fall geschildert. Max Rolke, Sprecher des Kreis Unna, sagt, dass die Einschätzung, ob eine Quarantäne nötig sei, immer im Einzelfall vorgenommen werde. Es sei jedoch dennoch schwer, das Coronavirus im Kreis Unna (News im Live-Ticker)* einzudämmen, sagt Rolke. Klar ist aber: "Wer als Kontaktperson ermittelt wird, wird auch kontaktiert."

Zudem verweist er gegenüber RUHR24 auf die folgenden Kategorien, die das Robert-Koch-Institut vorgegeben hat:

  • Kontaktperson Kategorie 1: Personen mit höherem Infektionsrisiko. 15-minütiger Gesichtskontakt, etwa im direkten Gespräch. Dazu gehören Personen aus demselben Haushalt oder solche, die direkten Kontakt zu Körperflüssigkeiten von jemandem mit Covid-19 hatten.
  • Kontaktperson Kategorie 2: Geringeres Infektionsrisiko. Personen haben sich im selben Raum wie ein nachgewiesen Infizierter aufgehalten (Klassenraum, Arbeitsplatz), hatten aber keinen 15-minütigen Gesichtskontakt. Hierzu gehören auch Familienmitglieder.

Das Problem dabei: Die Kinder hatten zuvor tagelang Kontakt zueinander, sagt der Vater. Zu Hause hatten sie dann Kontakt mit den Eltern. Als Kontaktperson gelten diese laut der Kategorien jedoch erst dann, wenn eine Person in ihrem Umfeld nachweislich das Coronavirus trägt. 

In diesem Fall also, wenn das Kind positiv getestet wird. Doch der Nachweis dauert: Am Montag (9. März) wurden alle Kinder in der Kita Bergkamen getestet. Die Ergebnisse sind noch nicht da (Stand: 11. März).

Coronavirus im Kreis Unna: "Wir können nicht jeden testen"

Warum der Kontakt vom Gesundheitsamt zu den Eltern insgesamt so lange gedauert hat und die Meldung zur Quarantäne nicht von dort, sondern von der Kita kam, konnte der Sprecher nicht sagen. "Wenn wir hören, dass jemand infiziert ist, sind wir aber nicht untätig", sagt er. In der Regel hören Betroffene direkt vom Gesundheitsamt.

Mit Blick auf die rund 500 Verdachtsfälle im Kreis Unna sagt er aber auch: "Wir können nicht jeden testen, der Angst hat. Das würde uns überfordern." Es sei aber auch ohne die Tests möglich, sich gegen das neuartige Coronavirus zu schützen.

Coronavirus: Ordnungsamt ordnet Quarantäne an

Das Problem ist womöglich auch in der Bürokratie zu suchen. Denn für die Anordnung einer Quarantäne ist wiederum das Ordnungsamt zuständig. Rolke: "Auch Personen, die als Kontaktpersonen gelten, können unter Quarantäne gestellt werden", müssen das aber nicht zwingend. Arbeitnehmer würden dann jedoch eine Verfügung bekommen, an die sie sich halten müssen. Darin enthalten sei auch ein Tätigkeitsverbot für den Arbeitgeber. Dieser könne daraufhin dann Lohnersatz fordern.

Video: Coronavirus: Was darf der Chef verlangen?

Ob sich das Coronavirus im Kreis Unna mit diesen Maßnahmen erfolgreich an der Verbreitung hindern lässt, ist fraglich. Am Mittwochnachmittag gab der Kreis Unna bekannt, dass sich drei weitere Personen mit dem Virus angesteckt haben. Zwei davon stammen aus dem Umfeld der Schule und der Kita in Bergkamen.

*RUHR24.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

**Name von der Redaktion geändert.

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