Afrikanische Schweinepest: So bereitet sich der Kreis Unna auf die Seuche vor

Für die Landwirte ist Abschottung und Hygiene sehr wichtig. Foto: Dennis Liedschulte/Unna24
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Für die Landwirte ist Abschottung und Hygiene sehr wichtig. Foto: Dennis Liedschulte/Unna24

Unna/NRW - In Osten Europas grassiert die Afrikanische Schweinepest - und die scheint sich gen Westen auszubreiten. Die Bauern in Unna sind alarmiert.

Im Osten Europas grassiert die Afrikanische Schweinepest - und die scheint sich gen Westen auszubreiten. Die Bauern in Unna sind alarmiert. Der Kreis Unna will auf die Seuche vorbereitet sein - denn schlimmstenfalls könnte es fatal werden.

Noch ist die Schweineseuche nicht bis in den Kreis Unna gekommen. Doch das könnte nur eine Frage der Zeit sein. Kreisjagdberater Dietrich Junge und Petra Drees-Hagen (Sprecherin des Landwirtschafsverbandes Hellweg-Ruhrgebiet) zeigen sich besorgt. Denn die Afrikanische Schweinepest (ASP) ist nicht nur eine große Gefahr für die Population von Wildschweinen, sondern auch für das Hausschwein.

Das ist die Afrikanische Schweinepest

Die Afrikanische Schweinepest (ASP) ist eine fieberhafte, hoch ansteckende Allgemeinerkrankung der Schweine (Haus- und Wildschweine) mit seuchenhaftem Verlauf, hoher Krankheitshäufigkeit und hoher Sterblichkeit. Verursacht wird die ASP durch ein Virus.

Übertragen wird die Schweinepest durch direkten Kontakt von Tier zu Tier (z. B. im Stall, auf Transporten/Viehsammelstellen/Viehmärkten sowie bei offenen Haltungsformen auch durch direkten und indirekten Kontakt von Wildschwein zu Hausschwein). Das Virus wird u.a. über Speichel, Urin, Kot oder Sperma ausgeschieden, hohe Virus-Konzentrationen sind besonders in Blut und Gewebe zu finden.

Auch der Mensch kann nach Kontakt zu infizierten Tieren, z. B. über schmutzige Hände, das Virus übertragen. Virusbehaftete Kleidung, Gegenstände, Futtermittel, Schlacht- und Speiseabfälle, Gülle/Mist oder Fahrzeuge können ebenso das Virus weitertragen.

Es gibt viele Wildschweine im Kreis Unna

Die Schwerpunkte der Wildschweinpopulation im Kreis Unna liegen in Schwerte und Selm. Aber auch nach Holzwickede und Fröndenberg sind sie schon vorgestoßen. Das Stadtgebiet von Unna ist bisher weniger besiedelt. Aber auch hier hätten Wildschweine gute Voraussetzungen. Die Population ist groß. "Wir hatten kaum kalte Winter und die Futtersituation war stets sehr gut", erklärt Junge.

Wildschweine können zweimal im Jahr Frischlinge bekommen. Und Frischlinge, die im Januar geboren werden, können am Ende eines Jahres schon wieder selbst Frischlinge bekommen. "Für Landwirte sind sie aufgrund von Wildschäden ein großes Problem", sagt Junge. Und jetzt kommt noch die Afrikanische Schweinepest hinzu.

Es gibt zwei Möglichkeiten, wie sich die Schweinepest ausbreitet. Die Wildschweine spielen eine wichtige Rolle. Sie verbreiten die Pest in den Waldgebieten. Das Problem: Nicht immer finden Jäger verendete Tiere, sodass der Virus sich über Aasfresser weiter verbreitet. "Es geht aber noch viel schneller", sagt Junge.

Per Autobahn nach Westen

Denn die Afrikanische Schweinepest verbreitet sich auch über die großen Handelswege. Der Kreis Unna ist Umschlagplatz für Waren, die aus dem Osten nach Westen kommen. "Es ist also nicht unwahrscheinlich, dass der Virus in Fleischtransporten zu uns kommt - über die Autobahnen", erklärt Junge. Aber auch das weggeworfene Butterbrot mit (infizierten) Schinken an der Raststätte könnte ein Problem werden. Wildschweine stöbern im Müll und infizieren sich.

"Der Mensch spielt aus diesem Grund eine große Rolle und die Hygiene ist dabei wichtig", erklärt Junge, der selbst einen Hof mit Mastschweinen in Schwerte hat. Denn für die Landwirtschaft ist die Afrikanische Schweinepest eine existenzielle Bedrohung. Landwirte können sich aber vorbereiten.

Eigentlich können sich Landwirte nur abschotten

"Wir können eigentlich nur zusehen, dass wir die Höfe abschotten und Hygiene beachten", sagt Junge. Er selbst jagt vor der Haustür und geht beispielsweise seinen Jagd-Anziehsachen und Stiefel nicht in die Nähe des Schweinestalls auf dem heimischen Hof. Zudem müssten zusätzlich Zäune um die Ställe gezogen werden. "Aber auch Mäuse und Ratten können den Erreger übertragen", sagt Junge.

Petra Drees-Hagen vom Landwirtschaftsverband Hellweg-Ruhrgebiet ist sich sicher, dass die Situation kompliziert werden könnte. "Landwirte müssen nun viele Regeln der Hygiene noch strenger beachten", sagt sie. Das fängt vom Stall-Overall für die Bauern an. Der wird nur im Schweinestall getragen. Das hört bei der Abschottung von Stall und Futterlagerstätte gegen Wildtiere und Ratten und Mäuse an. "Die Abwehr von Ratten und Mäuse spielt generell eine wichtige Rolle. Jetzt ist sie noch wichtiger", sagt sie.

Landwirte haben existenzielle Ängste

Wenn die Afrikanische Schweinepest bei eine Schwein eines Landwirts zuschlägt, dann muss das Veterinäramt alle andere Tiere töten. Das dient der Eindämmung des Virus. "Da hängt dann nicht nur das Schicksal eines Schweinemastbetriebes dran. Sondern auch Zulieferer von Futtermitteln oder Schlachtereien. Es könnte fatal werden", sagt Drees-Hagen.

Kreisveterinär Dr. Tobias Kirschner appelliert an die Jäger im Kreis Unna. Wildschweine würden nun intensiv bejagt. Die sogenannte Schonzeit sei aufgehoben. Zudem will der Kreis Gebiete nun einzäunen. Es geht darum, tote Tiere zu finden. "Das erfordert eine enge Abstimmung und zusammenarbeit. Wir brauchen die Jäger, um den Wald sauber zu halten", sagt Kirschner.

Kommt die Seuche von Polen nach Deutschland?

Bisher gibt es kaum Fälle in Deutschland. Aber in Polen grassiert die Seuche. Die Afrikanische Schweinepest ist nur für Schweine gefährlich. Der Mensch und auch Hunde, Katzen oder andere Haustiere haben nichts zu befürchten.