TV-Kritik

„Heute Show“ im ZDF: Niemand lacht mehr – für Satire hat Corona trotzdem positive Folgen

„Heute Show im ZDF“: Selten im Fernsehen werden die Folgen von Corona so deutlich wie bei Scherz, Satire und Comedy.

  • Wegen des Coronavirus* ist es auch in den Zuschauerrängen der „Heute Show“ leer.
  • Obwohl niemand mehr lacht, zieht Profi Oliver Welke sein Programm im ZDF* tapfer durch.
  • Aber die Krise hat trotzdem positive Folgen für Comedy und Satire.

Köln – „Noch lachen wir. Noch machen wir nur Witze“, sang einst Wolf Biermann aus seiner Klause in der Chausseestraße gegen das DDR-Regime an. Wir lachen nicht mehr. Aber einige versuchen es doch, uns dazu zu bringen und gegen die Krise an zu lachen. Und da sitzen sie nun, und starren in die schwarzen Löcher der Kameras. Und machen Witze. 

Aber keiner lacht. Wenigstens nicht im Studio. Wo sie sonst auf ansteigenden Reihen das Publikum platziert haben und es zu Sendebeginn zu frenetischem Klatschen auffordern. Wie bei Oliver WelkesHeute Show“ im ZDF. Der Moderator bezieht sich mitunter auf die Reaktion seiner Studiogäste mit ironischen Bemerkungen à la „Ich wundere mich, dass Sie da jetzt lachen...“.

„Heute Show“ im ZDF: Keiner lacht mehr – Oliver Welke setzt auf Satire

Aber keiner lacht mehr. Welke hat sich schon mal seine Gagschreiber als Claqueure ins Studio geholt. Oder sich selbst in eine Reihe gesetzt, allein: ein Abbild seiner Situation. Bei der jüngsten Ausgabe der „Heute Show“ im ZDF ließ er Beifall-Szenen aus dem „Traumschiff“ einspielen. Das war dann schon selber wieder Satire. Aber Scherze machen ohne eine Reaktion, ohne Gegenüber: Das ist schon tapfer.

Nun sind die Kabarettisten Profis genug, auch das durchzuziehen. Sie hoffen, ahnen, setzen darauf, dass wir lachen. Vielleicht, zuhause. Über Sebastian Pufpaff, Christian Ehrings „Extra Drei“ oder Meltem Kaplan von der „Ladies Night“. Die zwei von der „Anstalt“, Max Uthoff und Claus von Wagner, haben bei ihrer jüngsten Ausgabe dramaturgisch geschickt Konsequenzen gezogen. Mit Einspielfilmen wie dem von einem Kerl, der seine schwangere Frau in eine Klinik zu bringen versucht. Und am intelligentesten mit einem ferngesteuerten Gestell, eine Art Stummer Diener mit übergehängter Jacke und dem Gesicht des Kollegen Alfons auf dem Tablet – eine schöne Doppelung des virtuellen Kontakts zwischen dem Komödianten und dem Publikum.

„Heute Show“ im ZDF: Oliver Welke kaschiert fehlende Reaktionen besser als Fußballspieler

Dass es an Reaktionen fehlt, vermögen Welke & Co besser zu kaschieren als die Fußballspieler. Das Niveau etwa der „Heute Show“ im ZDF ist eher besser geworden. Welke wird ernster, nimmt klarer Stellung zu gesellschaftlichen Missständen, wie etwa die durch Corona von Pleite bedrohten Kommunen. Da schlug er sich auf die Seite von Finanzminister Olaf Scholz („hat völlig recht“). Und kleidete das Argument in eine Satire über verödete Fußgängerzonen.

Wichtig auch sein Hinweis auf den Versuch der Versicherungen, sich um den Ersatz für Umsatzausfälle in der Gastronomie zu drücken. Und die für jeden Kabarettisten dankbaren Nazi-Freunde von der AfD bekamen ihr Fett weg mit dem Satz: „Die erste deutsche Partei, die sich selbst entnazifiziert“. Auch wenn da vermutlich genügend Nazis übrig bleiben...

„Heute Show“ im ZDF: Beiträge werden politischer

Vielleicht werden die Beiträge politischer, weil die Versuchung, mit Kalauern einen schnellen Lacherfolg zu erzielen, nicht mehr so groß ist. Und Kalauer waren (und sind) die Schwäche der „Heute Show“ im ZDF. Oliver Welke ist nun einmal nicht John Oliver. Was ihm (im Vergleich zum Briten) an Esprit und Schärfe fehlt, versucht er auszulagern auf Einspieler und Kollegen. Mit unterschiedlichem Erfolg. 

Diesmal gelang mit Birte Schneider ein ätzender Sketch über den Raub der Zukunft an unseren Kindern (auch wenn da wieder überzogen wurde). Treffend aber der Satz, die Welke-Generation habe es gut erwischt: Zu spät geboren für den Krieg und zu früh für die Klimakatastrophe. Und Andreas Scheuer, der Skandalminister aus Bayern, der nach wenigen Tagen einen Bußgeldkatalog für Autoraser wieder entschärfte und als Begründung anführte, man habe auf die BürgerInnen gehört, der musste sich zu recht von Welke fragen lassen, warum er dann nicht auch auf die BürgerInnen gehört habe, die seit langem seinen Rücktritt fordern...

Nur ob man Hazel Brugger für den „Urlaub daheim“ ausgerechnet nach Duisburg schicken musste, wo vor nicht allzu langer Zeit ein Unglück geschah, das scheint dann doch fragwürdig...

„Heute Show“, ZDF, von Freitag, 22. Mai, 22.30 Uhr

Von Daland Segler

In Berlin ist ein Kamerateam der Satire-Sendung „Heute Show“ (ZDF) attackiert worden. Zeugen berichteten von flüchtenden Radfahrern.

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